Fastnet Race: Line Honors für „Concise“ und „Rambler“ – Boris Herrmann vielversprechender IMOCA-Dritter

„Kaum eine Minute Schlaf“

Geht’s noch schärfer? Hermanns Malizia aus der Möwenperspektive © Borlenghi/Rolex

Caudrelier setzt auf Dongfeng schon mal Volvo-Ocean-Race-Akzente mit knappem Finish, „ Outsider und Varuna” im IRC-Overall-Ranking derzeit auf Rang 5 und 8.

Nachdem die MOD70 „Concise“ schon gestern Morgen im Fastnet-Zielhafen Plymouth nach einem 42:55 Stunden-Sprint (mit Spitzengeschwindigkeiten von 38 Knoten) als „First Ship Home“ über die Ziellinie gerast war, setzte heute Nacht „Rambler“ als erster Monohull Akzente. Der silberne Maxi-Racer brauchte für die Fastnet-Strecke von der Isle of Wight zum legendären Irischen Felsen und wieder zurück zur englischen Küste nur 2:09:34 Tage. Damit waren der US-amerikanische Skipper George David und Crew immerhin sechs Stunden schneller als bei der letzten Fastnet-Ausgabe 2015, jedoch noch weit vom Monohull-Rekord entfernt, den Ian Walker 2011 auf dem VO70-Racer „Abu Dhabi“ mit 1:18:39 Tage aufgestellt hatte. 

Rund sieben Stunden länger brauchten die ersten IMOCA. So zeigten Paul Meilhat und Gwénolé Gahinet auf „SMA“ mit einem sauberen und größtenteils souverän ersegelten Sieg bei der „Vendée Globe“-Klasse, dass sie nicht umsonst als Titelaspiranten für die im Herbst anstehende Transat Jacques Vabre gehandelt werden. Eine knappe dreiviertel Stunde später kamen Jean-Pierre Dick und Yann Eliès auf „St.Michel-Virbac“ über die Linie. „Wir haben uns richtig gut geschlagen,“ sagte Dick im Ziel. „Die Entscheidung fiel auf dem Rückweg in der Irischen See, nachdem wir als Dritter um den Felsen gesegelt sind. Lange Zeit hatten wir uns sogar Hoffnung auf den ersten Rang gemacht, aber SMA segelten taktisch etwas raffinierter, vor allem auf den letzten Meilen!“  

Der Deutsche Boris Herrmann war gemeinsam mit dem monegassischen Fürsten-Enkel Pierre Casiraghi erstmals „ernsthaft“ bei einer Regatta auf seiner (für ihn noch relativ „neuen“) „Malizia“ unterwegs. Ihm fehlen noch wichtige Trainingsstunden für einen Angriff auf die ganz vorderen IMOCA-Plätze. So kann ein dritter Rang mit nur 26 Minuten Abstand zum Zweitplatzierten nicht hoch genug bewertet werden.

Hermanns Rennen

Kurz nach Sonnenaufgang um 6.05 Uhr deutscher Zeit kreuzte die silbergraue „Malizia“ unter dem Stander des Yacht Club de Monaco nach 605 Seemeilen (1.120 Kilometer) die Ziellinie vor der südwestenglischen Hafenstadt Plymouth. Hinter dem Duo lagen 66 nervenaufreibende Stunden. „Das Rennen war enorm anstrengend, aber hochspannend und am Ende für uns sehr erfolgreich“, resümierten Boris Herrmann und Pierre Casiraghi unisono.

Der Start der neun international hochkarätig Open 60 am Sonntagvormittag (6. August) begann für die deutsch-monegassische Crew zunächst etwas hakelig. „Wir sind ungewollt in das Feld der Class 40 geraten und mussten ein paarmal wegwenden“, berichtete Herrmann. Zeitraubende Manöver, nach denen die „Malizia“ als Klassenletzte mit rund einer Seemeile Rückstand die weißen Felsen der Needles passierte.

Rolex Fastnet Race 2017

Boris Herrmann+Pierre Casiraghi © Hermann Racing

Bereits im Englischen Kanal zeigte sich, dass die Open 60 der vorigen Generation mit geraden Seitenschwertern statt gebogenen Foils hoch am Wind Geschwindigkeitsvorteile haben. Überlegen übernahmen Paul Meilhat und Gwénolé Gahinet mit der „SMA“ die Führung, bauten diese zwischenzeitig aus und hatten im Ziel mehr als anderthalb Stunden Vorsprung. Herrmann: „Es gab praktisch überhaupt keine mittleren bis starken Halbwindbedingungen für die neuen Foiler. Wir haben bis zum Fastnet Rock nur hoch gekreuzt und dann vor dem Wind wieder runter.“

Wenig Schlaf – viel Anspannung

Trotzdem gelang es der „Malizia“, die ebenfalls ohne Foils ausgestattete „Generali“ mit der deutschen Skipperin Isabelle Joschke, die Fünfte wurde, in Schach zu halten. Mit der zweitplatzierten „St Michel-Virbac“, dem fast baugleichen Schwesterschiff, lieferten sich Herrmann und Casiraghi harte Zweikämpfe. „Wir haben sie während der gesamten Regatta in Sichtweite gehabt, aber uns ist taktisch auch nicht alles gelungen“, sagte der geborene Oldenburger. Im Ziel fehlten 26 Minuten zu „Silber“.

Bei Land’s End, der Südwestecke Englands, waren beide Teams als einzige im Westen um ein für die Regattateilnehmer gesperrtes Verkehrstrennungsgebiet gefahren. „Wir haben uns die Entscheidung eine halbe Stunde lang überlegt“, so der dreimalige Weltumsegler, „und was anfangs noch wie Notwehr aussah, weil wir hinten lagen, entpuppte sich fast als Jackpot.“ Doch die Konkurrenz erholte sich gleich wieder. Und die Verfolger der „SMA“ rückten am Fastnet Rock wieder eng zusammen.

Fastnet Race 2017

Stimmung am “Rock” © arrigo

Nach der Rundung am Dienstagvormittag ging es mit frischen nordwestlichen Winden durch die Irische See zurück. Schauer- und Gewitterböen forderten Mensch und Material. „Eine Walze erwischte uns mit Sechs bis sieben Beaufort, als wir den großen Gennaker noch gesetzt hatten“, berichtete Herrmann weiter, „das war haarig mit Toppspeeds von 26 Knoten.“ Das brachte die „Malizia“ aber nach vorne. Und: „Mehr als 20 Segelwechsel auf der Vorwindstrecke ließen kaum eine Minute Schlaf zu“.

Fastnet Race 2017

Dongfeng siegte denkbar knapp bei den VO-Racern © arrigo

„Das war ein Rennen ganz nach meinem Geschmack. Das Zusammenspiel mit Boris war großartig“, bilanzierte Pierre Casiraghi, der zuvor nur wenige Trainingsstunden auf dem Open 60 absolvieren konnte. Einen Tag vor dem Rolex Fastnet Race waren beide noch bei der GC32 Racing Tour in Palma de Mallorca mit dem „fliegenden“ Zehn-Meter-Katamaran „Malizia“ Vierte geworden. Der 29-jährige Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco und Vizepräsident des Yacht Club de Monaco unterstützt und begleitet Boris Herrmann mit weiteren gemeinsamen Trainings und Regattateilnahmen auf dem Weg zur Vendée Globe 2020, wenn der 36-Jährige als erste Deutscher einhand bei dem Nonstop-Rennen um den Globus dabei sein will.

Und sonst?

Im 26 Boote starken Feld der Class 40 segelt der Deutsche Burkhardt Keese derzeit auf Rang 11 (139 sm bis zum Ziel). An der Spitze der Flotte kann sich 43 sm vor dem Ziel „V and B“ vor „Imerys“ behaupten. Weitere Deutsche Spitzenergebnisse: Im IRC Ranking-overall wird derzeit „Outsider“ auf Rang 5 (nach korrigierter Zeit) gelistet, muss aber noch 21 Seemeilen bis zum Ziel absolvieren. „Varuna“ (die bereits nach 2:17:41 Tagen finishten) wird nach korrigierter Zeit auf Rang 8 geführt.  

Fastnet Race 2017

Fastnetstimmung vom Allerfeinsten © arrigo

Bei den Volvo 65-Racern konnte sich der französische Skipper Charles Caudrelier auf „Dongfeng“ in einem bis zuletzt spannenden Rennen nach 2:15:38 Tagen mit nur einer Minute Vorsprung denkbar knapp vor „Mapfre“ behaupten. Caudrelier trockener Kommentar dazu: „Beim Volvo Ocean Race kann es gerne genauso knapp werden – Hauptsache: Wir sind immer ganz vorne!“ 

Ergebnisse und Tracking in allen Klassen

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Mit Pressematerialien von Boris Herrmann Racing/Andreas Kling

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Michael Kunst

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6 Kommentare zu „Fastnet Race: Line Honors für „Concise“ und „Rambler“ – Boris Herrmann vielversprechender IMOCA-Dritter“

  1. avatar Jost sagt:

    Hermanns Schiff ist weder die Ex-Banque Populaire, noch hat es die letzte Vendee Globe gewonnen. Es ist vielmehr die Ex-Edmond de Rothschild und bei der Vendee Globe ausgeschieden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar Fabian Fisahn sagt:

    Danke für Zusammenfassung.

    Kleine Korrektur: Boris Herrmanns Malizia ist doch die “alte” Edmond de Rothschild, oder?

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  3. avatar Michael Kunst sagt:

    Jep, Herrschaften, Rothschild, Gitana,
    Banque Pop… da kam was durcheinander… wurde geändert, miku

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  4. avatar Tom sagt:

    Interessant fand ich wie langsam “Hugo Boss” upwind war. Klar ist das Boot für die vendee Globe gebaut und muss dort fast nicht upwind segeln aber ich hätte nicht gedacht dass das Design so extrem ist. Erst hieß es ja sie halten sich zurück, aber dafür spricht der Speed vom Felsen zurück eigentlich nicht. Ich meine sie waren mit Abstand die schnellste imoca.

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    • avatar Norman sagt:

      @Tom: Zu Hugo Boss noch ein Aspekt: In der Startphase war Hugo Boss eines der wenigen Boote, welches mit ungerefftem Groß unterwegs war. Spricht auch nicht gerade für bewusste Zurückhaltung….

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      • avatar Tom sagt:

        Stimmt, daran hab ich gar nicht gedacht. Scheinbar ist das Boot nur bei langen Regatten wo es viel vor dem Wind segeln kann schnell. Trotzdem erschreckend wie viel langsamer als die anderen foiler das Ding ist. Naja das das Boot Konkurrenzfähig ist hat Alex Thomson aber bei der vendee Globe zu genüge bewiesen.

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