Fastnet Race: Wie “Outsider” so stark auftrumpfen konnte – Der Skipper im Gespräch

"Am besten schläft man auf der Kante"

Tilmar Hansen (69) hat mit seiner “Outsider” für das beste deutsche Ergebnis seit den 80er Jahren gesorgt. Skipper Bo Teichmann erklärt, wie Rang vier nach IRC Handicap unter 333 Startern möglich geworden ist.

2019 waren beim Rolex Fastnet Race 20 deutsche Yachten dabei. Die Regatta durch den Ärmelkanal zum Felsen in der irischen See hat auch bei ihrer 31. Auflage nichts von ihrer Faszination verloren. Das gilt insbesondere für Tilmar Hansen, der seine größten sportlichen Erfolge mit dieser Regatta verbindet.

1983 und 85 wurde er jeweils mit dem deutschen Team Sieger beim Admiral’s Cup, der inoffiziellen Weltmeisterschaft der Hochseesegler. Und diesenb Cup konnte man damals nur mit einer starken Leistung beim Fastnet Race gewinnen. Die Admiral’s Cup Wertung war in die Gesamtregatta eingebunden und ging schließlich mit hohem Faktor in die Team-Wertung ein.

So erreichten “Outsider” und auch “Sabina” damals in den 80er Jahren jeweils zweite Plätze beim Fastnet Race über alles nach IOR-Handicap. Aber seitdem kamen deutsche Yachten solchen Ergebnissen bei der Kult-Regatta nicht mehr nahe.

Seit 18 Jahren gemeinsam

Bis jetzt. Rang vier in der Vergütungswertung, die den Gesamtsieger bestimmt, ist mit Abstand das beste deutsche Fastnet-Ergebnis der jüngeren Vergangenheit. Skipper Bo Teichmann, der seit 18 Jahren mit Hansen in verschiedensten Positionen zusammen segelt – dreimal über den Atlantik – erzählt bei SR, wie dieses Resultat gegen die besten Hochsee-Segler der Welt zustande gekommen ist.

Tilmar Hansen

Tilmar Hansen beim Nordstream Race 2013. © Nordstream Race

14 Wochen Arbeit habe ihn Hansens Idee gekostet, beim diesjährigen Fastnet Race noch einmal richtig weit vorne anzugreifen. Teichmann, der bei der Mittelmann’s Werft in Kappeln an der Schlei insbesondere auch für die J/boats als Deutschland-Importeur zuständig ist, bekam vor gut einem Jahr bei einer J/70 Regatta in Berlin ein Foto von Hansen weitergeleitet. Verbunden mit der Frage: “Woll’n wir das machen?”

Auf dem Bild war die “Platoon” zu sehen, die TP52 von Harm Müller-Spreer. 2015 gebaut für die professionelle 52SuperSeries, 2017 mit dem WM-Titel gekrönt. Sie war auf dem Markt. Müller-Spreer ließ sich von Judel/Vrolijk eine neue TP für den nächsten Angriff auf höchstem Niveau zeichnen.

Die alte “Outsider” chancenlos nach IRC

Zuvor hatten Hansen und Teichmann noch die Elliott 52 bei der Carribean 600 gesegelt, mit der der 69-Jährige seit 2006 viele Meilen auf internationalen Rennstrecken und dem Atlantik sammelte. Nach zwei Tagen auf der hohen Kante war Platz 5 im Feld von 52 Startern aller Ehren wert. Aber es blieb die Erkenntnis, dass der Neigekieler trotz guter internationaler Crew und einer gefühlt starken Leistung, in der IRC-Vergütung chancenlos ist.

“Rambler 88” – First ship home beim Fastnet 19 und berechnet 31. – gewann in der Karibik auch die Vergütungswertung. Auch “Varuna” lag voraus. Unbefriedigend für Hansen. Er wollte es noch einmal wissen. Und TP52s scheinen nach Handicap bestens zu funktionieren. Yachten dieses Typs gewannen die Hochsee-WM in der Klasse A von 2013 bis 19 (mit einer Ausnahme 2017).

Die ehemalige “Platoon” seit 2018 Jahr im grauen Outsonder-Gewand. © Sander van der Borch

Da könnte “Platoon” bestens passen. Auch wenn gerade die Boote der 52SuperSeries eigentlich für Mittelmeer-Wetter und 8 bis 12 Knoten Wind optimiert sind. Aber Hansen schlug zu. Und wurde auf Anhieb 2018 vor Scheveningen Vize-Weltmeister in Klasse A.

Ziel war aber das Fastnet Race. Im Winter bereitete Teichmann das Schiff auf der Mittelmann’s Werft vor. Er baute Kojen ein, Mini-Pantry und ein Karbon Klo. Die Vorschriften für den Hochsee-Klassiker sind vielfältig. Auch der Mast wurde verstärkt – und Fallenschlösser im Topp installiert.

12 Segler gehörten schließlich zur Crew. Drei Wachen wechselten sich ab. Bei der Auswahl machte Hansen keine Kompromisse. Mit dem Neuseeländer Stu Bannatyne (48) engagierte er einen der besten Offshore-Profis der Welt. Achtmal absolvierte er das Volvo Ocean Race – und gewann viermal. 2001/02 mit Illbruck aber auch 2017/18 mit Dongfeng.

Paschke 40 Jahre nach der Fastnet Katastrophe

Landsmann Brad Jackson gewann bei seinen sechs Volvo-Ocean-Race-Teilnahmen zweimal. Kurzzeitig war er sogar Skipper von Akzo Nobel beim vergangenen Rennen als Simeon Tienpont kurzfristig ausgebootet wurde. Als der Holländer wieder den Skipper-Job übernahm, zog sich Jackson zurück.

Aus Deutschland war unter anderem North Sails Germany Chef Stefan Matschuk dabei. Robin Zinkmann übernahm die Navigation und erarbeitet sich einen immer besseren Ruf auch im internationalen Geschäft. Krzysztof Paschke wollte unbedingt dabei sein, auch in Erinnerung an die Fastnet-Katastrophe vor genau 40 Jahren, die er damals überlebt hatte.

Strategisch sei insbesondere die frühe Flauten-Passage an der Südspitze Englands entscheidend gewesen. Zinkmann platzierte “Outsider” relativ weit nördlich und überholte dabei sogar das Gros der IMOCA 60-Fußer, die früher gestartet waren.

Perfekter Trimm-Guide

“Das waren für unsere TP52 aber auch super Bedingungen”, sagt Teichmann. “Gerade bei wenig Wind ist das leichte Schiff im Vergleich zu den anderen extrem schnell.” Und ein vielfach unterschätzter Vorteil sei es, dass mit der Auslieferung der Yacht auch ein exakt ausgearbeiteter Trimm-Guide geliefert werde. In kaum einer anderen Klasse wird in Bezug auf die technischen Einstellungen so viel Zeit in das Finden der optimalen Lasten-Verteilung investiert.

Otsider (grau weiß umrandet) hält sich nördlich als PRB und Malizia es weit im Süden versuchen.

Auch dadurch sei wohl zu erklären, dass “Outsider” auch bei den folgenden schnellen Reach-Kurs zum Fastnet Rock so gut funktioniert habe. Schließlich sind die SuperSeries-TPs anders als ihre für IRC optimierten Kollegen sehr speziell für die maximale Leistung bei einem Up-and-Down-Kurs ausgelegt.

So sei es sehr beeindruckend gewesen, “Charal” zu beobachten, den siegreichen IMOCA. “Als der sich bei dem einsetzenden Starkwind auf die Flügel hob war er ganz schnell am Horizont verschwunden.”

Eigner pützt das Wasser aus der Bilge

Schließlich war das diesjährige Fastnet Race durchaus wieder durch Starkwind geprägt. Bis zu 30 Knoten Wind rauschten über die irische See. 54 Crews gaben auf. “Das war manchmal echt hart, aber ich bin sehr erleichtert, dass bei uns nichts kaputt gegangen ist.”

Eigner Hansen sitzt selber nicht so oft an der Pinne. Er sei eher ein “Zahlenmensch” und besonders an der Navigation interessiert. “Er steht auch schon mal gerne hinten im Heck und macht Videos und Bilder. Aber dann hängt er auch kopfüber in der Bilge und holt mit dem Schwamm Wasser raus.”

Dabei neigt er zum Understatement. “Ein bisschen hellhörig hier”, raunte er Teichmann zu als er die ersten Minuten in voller Fahrt auch unter Deck erlebte. Tatsächlich ist es in der nahezu leeren Kohlefaser-Hülle ohrenbetäubend laut, wenn er von den Wellen bearbeitet wird. So laut und nass, dass an Schlaf kaum zu denken ist. “Am besten schläft man auf der hohen Kante “, sagt Teichmann.

Als nächstes stehen für “Outsider” nun wieder die Carribbean 600 in 2020 auf dem Programm. Danach folgt die ORC/IRC WM in Newport/USA.

Ergebnisse Rolex Fastnet Race 2019

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

8 Kommentare zu „Fastnet Race: Wie “Outsider” so stark auftrumpfen konnte – Der Skipper im Gespräch“

  1. avatar Roar sagt:

    “Tatsächlich ist es in der nahezu leeren Kohlefaser-Hülle ohrenbetäubend laut, wenn er von den Wellen bearbeitet wird. So laut und nass, dass an Schlaf kaum zu denken ist. “Am besten schläft man auf der hohen Kante “, sagt Teichmann.”

    Das dürfte Greta interessieren, denn an Bord der Malizia dürfte es eher noch lauter sein 🙂

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    “So sei es sehr beeindruckend gewesen, “Charal” zu beobachten, den siegreichen IMOCA. “Als der sich bei dem einsetzenden Starkwind auf die Flügel hob war er ganz schnell am Horizont verschwunden.”

    Ein paar SR-Kommentatoren behaupteten zuvor, das Fastnet Race sei eher ungünstig für die Foiler gewesen. Hiermit werden sie eines besseren belehrt, zumal auch der Tracker Geschwindigkeiten anzeigte, die nur auf Foils zu erreichen sind.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 10

  2. avatar W sagt:

    Super Bericht und Gratulation an Crew und Skipper.

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  3. avatar christian sagt:

    Aber troztdem spannend, dass ein acht Jahre alter VO70 vier Stunden schneller gesegelt ist als als der derzeit schnellste IMOCA und auch ein VOR65 nur eine Stunde länger gebraucht hat als Charal (jeweils nach unkorrigierter Zeit!). Womit ist das zu erklären? Größe der Crew, Größe des Schiffes?

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  4. avatar Typo sagt:

    Typo: Outsonder

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