Foiling MiniMaxi: Unternehmer baut 19 Meter Monohull-Flieger – ORC-Zertifikat angestrebt

Ist das die Zukunft?

Foilen auf Hoher See? Die IMOCAs zeigen, dass es noch nicht klappt. Dennoch glaubt der Italiener Roberto Lacorte an diese Zukunft. Der Autorennfahrer und Unternehmer lässt sich den ersten fliegenden Racer nach America’s Cup-Vorbild bauen.

Vision fom ersten fliegenden MiniMaxi FlyingNikka. © Mills Design Ltd.

Die aktuelle Vendée Globe mag die Erkenntnis festigen, dass fliegende Rennyachten nicht auf die Hohe See gehören. Die alten IMOCA Nicht-Foiler segeln seit Wochen auf Augenhöhe mit den fünf bis sechs-Millionen Euro teuren Neubauten, die sich viel zu selten von ihrem feuchten Element lösen. Warum Flügel anbauen, wenn man ohne sie im hohen Wellengang genauso schnell ist?

Deshalb ist es eine Überraschung, dass sich gerade jetzt ein vermögender Eigner dazu entschließt, einen fliegenden Mini Maxi in Auftrag zu geben, der Offshore-Rennen gewinnen soll. Der Italiener Roberto Lacorte (52) hat ein Spezialisten-Team um den irischen Konstrukteur Mark Mills beauftragt, einen 19 Meter langen fliegenden Einrumpfer zu realisieren, der 40 Knoten erreicht.

Mini Maxi SuperNikka

Lacorte, der mit dem in Pisa gegründeten börsennotierten Unternehmen Pharmanutra ein Vermögen durch den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln und medizinischen Geräten gemacht hat, ist in der Segelszene kein Unbekannter. Mit seinem 62 Fuß Mini Maxi SuperNikka gewann er viermal den Rolex Cup in Porto Cervo. Zuletzt aber segelte der Italiener, der auch viermal das 24-Stunden-Autorennen in Le Mans bestritt, erfolgreich im neuen Persico 69F-Foiler-Zirkus.

Roberto Lacorte steuert einen Persico 69 Foiler am Gardasee. © Persico 69F / Studio Borlenghi

Die Erkenntnisse aus diesem Segelerlebnis bauen die logische Brücke zu seinem neuen Segelprojekt FlyingNikka. Er möchte den ersten fliegenden Mini Maxi der Welt segeln. Dass dieses Projekt mehr als ein Hirngespinst ist, zeigt unter anderem der definierte Stapellauf-Termin. Mitte 2022 soll das Schiff schwimmen.

FlyingNikka Heckansicht. Langes Ruder mit Foil, fester Kiel, schwenkbare Kraken-Foils. © Mills Design Ltd.

Lacorte erklärt: “Es wird ein anderes Boot sein. Das erste einer neuen Generation, die in den nächsten Jahren definitiv in See stechen wird. Wir sind die Ersten, mit allen Vor- und Nachteilen. Aber mein berufliches und sportliches Leben war schon immer von Innovation und Entdeckerdrang geprägt. Ich konnte nur diese Richtung einschlagen. Wir haben im Team mit Mark Mills lange an dem Projekt gearbeitet. Jetzt wissen wir genau, welchen Weg wir gehen müssen und wir sind bereit.

Zum zehnköpfigen Projektteam gehören drei Spezialisten, die aktuell mit unterschiedlichen aktuellen America’s Cup Teams arbeiten. Auch deshalb ist die den AC75 ähnelnde Optik wohl kein Zufall. Allerdings zeigt das Rendering anders als bei den Cuppern einen festen Kiel, der für zusätzliche Stabilität aber auch Widerstand sorgt.

Roberto Lacorte (blaues Hemd) mit Designer Mark Mills (2.v.r.) und seinem Segelteam. © Mills Design Ltd.

Aber FlyingNikka soll eben insbesondere für Küstenregatten auf Hoher See geeignet sein und dadurch ein breiteres Eigner-Publikum ansprechen. Die beim America’s Cup entwickelten Technologien sollen zu einem benutzerfreundlichen und kosteneffizienten Paket geschnürt werden. Der Eigner hat den Anspruch, bei allen Bedingungen schnell zu segeln.

Sechs Monate lang hat sich die Gruppe schon mit dem Projekt beschäftigt bevor es nun an die Öffentlichkeit ging. In dieser Zeit wurde das Konzept validiert und verschiedene Designs unter anderem im vom Team New Zealand entwickelten Computer-Simulator getestet. Dabei konnten unterschiedliche Konfigurationen und Foil-Formen sowohl im Flug als auch im Verdrängungsmodus überprüft werden.

Unter anderem sei eine völlig neue Lösung für die Flügel-Bewegung entwickelt worden, sagt Lacorte. Ziel ist es dabei, die Kosten für das Foil zu reduzieren und die Zuverlässigkeit zu verbessern, damit die Anwendung auch ohne America’s Cup-Budgets realisierbar ist.

Das Schiff soll sich schon bei Windstärken knapp unter 10 Knoten aus dem Wasser heben aber auch die verschiedenen Anforderungen für die Teilnahme an bestehenden Offshore-Regatten erfüllen, die Stabilität und Sicherheit betreffen. Ziel ist es, ein ORC-Zertifikat zu erhalten.

Die Rumpfform unterscheidet sich von den aktuellen Cuppern, weil die Konstrukteure mit einem größeren Verdrängerfahrt-Anteil rechnen. Fünf Segler sollen die 19 Meter-Yacht beherrschen. Das kann funktionieren, weil sie offenbar Motor- und Computer-Unterstützung beim Trimmen erhalten.

Ob das die Zukunft ist? Näher war der Foiling-Trend wohl nie am “normalen” Segeln mit einem Rumpf.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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