Formula16 WM Travemünde: Zwölfjähriger Steuermann düpiert die Konkurrenz

Kleiner Mann ganz groß

Der Opti-Vizeweltmeister und der Gewinner der diesjährigen Formula16 Weltmeisterschaft beide gleich alt. Zwölf Jahre. Henri Demesmaeker siegte nach 18 Rennen mit 34 Punkten Vorsprung. Ein absolutes Novum in der Kat-Szene.

F16 Weltmeister Demesmaeker

Der zwölfjährige Weltmeister F16 Weltmeister Steuermann Henri Demesmaeker neben seinem langen Vorschoter Jeroen van Leeuwen. © Thomas König

Abgesehen von dem belgischen Erstplatzierten, der qualifizierten Support von Vorschoter Jeroen van Leeuwen erhielt, zeigte sich bei der F16 Weltmeisterschaft in Travemünde die große Altersvariabilität der jungen Katamaranklasse. Die ersten drei Plätze auf dem Podium gingen zwar ausnahmslos an Teams unter 30 Jahren, aber auf Platz vier folgten mit den Sach-Brüdern erfahrene und deutlich ältere Segler.

Jugendteams und Frauenteams, Vater mit Tochter, Hobbysegler und Profis, die in der weltweiten F18-Szene ganz vorne mitfahren: unter den 33 gemeldeten Booten waren fast alle denkbaren Paarungen dabei, die sich innerhalb des geeigneten Mannschaftsgewichts bewegten.

Konsequente Aufbauarbeit

Die zweite Erkenntnis dieser Veranstaltung lautet: konsequente und kontinuierliche Aufbauarbeit zahlt sich aus. Die Niederlande und Belgien fördern seit Jahren Jugendteams auf Formula16 Booten und haben in Travemünde eindrucksvoll demonstriert, wie ein Nachwuchspool für das olympische Katamaransegeln aufgebaut wird.

F16 WM

Ein Falcon vor dem Nacra der Sach-Brüder. © F16 KV

Und die bereits auf den Nacra17 umgestiegenen ehemaligen F16 Teams belegen, dass dieses System gut funktioniert. Hätten die Deutschen Verbände frühzeitig über die Grenzen geschaut, wäre ihnen das Besetzungsdrama für den olympischen Katamaran vielleicht erspart geblieben.

Erkenntnis Nummer drei lautet, dass bisher kaum universell gute Schiffe gebaut werden. So waren bei Leichtwind vor allem die Viper und die leichten Falcon Boote auf den vorderen Plätzen zu finden. Bei Wind und Welle waren die großvolumigen und etwas schwereren Nacra16 und Cirrus Q eindeutig im Vorteil. Die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ging dennoch an AHPC, die Viper Boote scheinen derzeit die größte Bandbreite für schnelles Segeln zu bieten.

Etwas abspecken

Die Hoffnungen, die an das neue Carbonrigg des Nacra F16 geknüpft wurden, scheinen sich nicht bestätigt zu haben. So bietet der Einsatz des teuren Materials keine signifikanten Gewichtsvorteile gegenüber der Viper und das Biegeverhalten des Masts, der bis auf seine Länge mit dem neuen Carbonmast des Nacra17 identisch sein soll, rief bei den Seglern ebenfalls keine Begeisterungsstürme hervor. Es bleibt noch viel Arbeit für die Entwickler, wenn sie an den zurzeit hohen Wachstumsraten der Klasse weiter teilhaben wollen.

F16 WM

Die F16 Flotte der 32 Kats an der Startlinie vor Travemünde. © F16 KV

Aber auch der Cirrus Q muss wahrscheinlich noch etwas abspecken, um auch bei Leichtwind vorne mithalten zu können. Boote mit einem segelfertigen Gewicht von 107 Kilo zu bezahlbaren Preisen herzustellen, ist hohe Bootsbaukunst.

Festzuhalten bleibt nach dieser WM Woche, dass für die F16 Klasse derzeit von einem hohen Wachstumspotential ausgegangen werden kann, da die Boote eine fast gleiche Performance wie die grösseren F18 Schiffe bieten. Hinsichtlich der Eignung für die Jugend und ihres problemlosen Segelverhaltens bieten sie jedoch für eine Vielzahl von leichten Teams vor allem eines : Segelspaß am Limit.

Ergebnisse der ersten 11 (von 32) bei der Formula 16 WM

Formula 16 Klassenvereinigung

Der Autor Thomas König ist Vorsitzender der F16 Klassenvereinigung

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2 Kommentare zu „Formula16 WM Travemünde: Zwölfjähriger Steuermann düpiert die Konkurrenz“

  1. avatar jorgo sagt:

    Interessante Klasse!
    Falcon-Marine baut seit kurzem übrigens auch einen schönes und leistungsfähiges F 18 Design. Das erste in Europa ausgelieferte Boot hat bei seinem 1. Start, der Kieler Woche 2013, ohne viel Training auf Anhieb Platz zwei belegt.

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  2. avatar sailaway sagt:

    Die F16-Klasse als Aufbauklasse für die Olympische Katklasse, wie der F16-KV Vorsitzende meint, ist doch recht weit hergeholt.

    Gründe:
    -Im Raum DACH gibt es nur 18 Schiffe (Segelnummern der eigenen Webseite)
    -Keine Jugendarbeit vorhanden
    -F16-Hersteller haben unterschiedliche Konstruktionsinteressen, eben kein One-Design
    -beste Deutsche die Gebrüder Sach, eigentlich “Nacra-Werksfahrer”, danach lange nichts

    Für Jugendausbildung im Verein braucht es robuste Boote, die auch einmal Fehler verzeihen und nicht sofort Beschädigungen aufweisen. Deshalb ist auch der Hobie Cat 16 deutsches Jugendboot und bei vielen Vereinen im Club vorhanden. Nutzen wir unsere vorhanden Ressourcen und begeistern die Jugendlichen fürs Katsegeln, dann wird es auch wieder was für höhere Ziele.

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