Freies Pumpen: Die härteste Art zu segeln – Was aerodynamisch am Finnsegel passiert

Dreifacher Vortrieb durch "Luftrudern"

Segelpuristen können sich mächtig aufregen über die Art, wie Finnsegler über den Parcours rudern. Aber die freie Pumpregel hat die Einhandsegler zu den stärksten Segel-Athleten gemacht.

Im Finn Dinghy spielt das Körpergewicht eine große Rolle. Es ist nicht auf einen bestimmten Wert festgelegt, aber wer die 90 Kilogramm nicht deutlich überschreitet, hat in der olympischen Schwergewicht-Klasse keine Chance.

Finn Dinghy

Stehsegeln im Finn Dinghy. Vor dem Wind wird der ganze Körper eingesetzt. © Finnclass

Fat is fast, das war lange Zeit ein viel zitierter Leitspruch unter den Finnseglern, die ein zehn-Quadratmeter-Segel bändigen müssen. Das galt umso mehr, als die Gewichtswesten verboten wurden. Ü-100-Kilo-Segler begannen, das Geschehen zu dominieren. Und sie brachten nicht immer besonders bewegliches Gewicht auf die Kante.

Aber das ist seit gut sechs Jahren Vergangenheit. Damals hat die Finn-Klasse das Wind-Limit für freies Pumpen auf dem Vorwindkurs auf zehn Knoten reduziert. Seitdem können sich die Finnsegler nicht mehr auf einen gemütlichen Downwinder freuen. Sie müssen am Segel reißen und das Boot hin und her rollen.

Verwirbelungen am Segel

Dabei kann die Vortriebskraft verdreifacht werden, wie eine aktuelle Untersuchung des angesagten finnischen Segelmachers WB-Sails ergibt. Die Simulation zeigt zudem, welche Verwirbelungen am Segel entstehen.

Gegner dieser Vortriebsart nennen sie abfällig Luftrudern. Aber die physische Anstrengung allein reicht nicht aus, um das Boot maximal zu beschleunigen. Nach wie vor muss man in die richtige Richtung segeln, Böen erwischen und die Wellen-Rampen optimal zum Surf ansteuern.

Das Ergebnis dieser Regel- und Technik-Änderung ist auf jeden Fall die Entwicklung der Sportler hin zu echten Athleten. Dass es aber nicht alleine um die körperliche Stärke geht, zeigt der Slowene Vasilij Zbogar. Er gewann in Rio mit 40 Jahren als ältester Finn-Segler im Feld die Silbermedaille.

Ben Ainslie erklärt das Pumpen im Finn:

 

Finn-Dinghys am Limit. Der Wind ist so stark, dass weniger und anders gepumpt werden muss, um die Wellen-Rampen optimal zu erwischen:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Freies Pumpen: Die härteste Art zu segeln – Was aerodynamisch am Finnsegel passiert“

  1. avatar Ernst Heinrich Bruns sagt:

    https://youtu.be/WXpt9dXP6SU?list=PL06119UfBJUBHVHGdLiQRPVp8Z6hcpq1k
    Windrudern Duell zwischen Voltolini und Poggi , Italien

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