Gebrüder Dalton: Grant (63) gewinnt den America’s Cup – Graham (66) will solo um die Welt

Rasend schnell – bedächtig langsam

„Die Mutigen leben nicht ewig, aber die Vorsichtigen leben nie.“ Mit diesem Leitmotiv traut sich der ältere Bruder des legendären Grant Dalton an das Golden Globe Race 2022. Über zwei segelfanatische Brüder mit dem gewissen Unterschied.

Graham, Grant und GGR-“Botschafter” Pickthall (von links) © pickthall/PPL

Jedem das seine – auch beim Segeln: Der eine Dalton ist Big Player bei den schnellsten Rennen unter Segeln, die je auf unserem Planeten stattfanden. Der andere Dalton will an der wohl langsamsten und längsten Regatta um die Welt teilnehmen. Was Grant und Graham Dalton vereint? Sie wollen siegen – nur eben jeder auf seine Art und Weise. 

Gegensatz und Unterschied

Größer können die Gegensätze innerhalb einer Familie wohl kaum sein. Der 63-jährige Grant Dalton hat gerade eben die Früchte jahrelanger harter Arbeit als CEO des Team New Zealand mit dem erneuten Sieg beim America’s Cup geerntet. Und sein älterer sowie großer Bruder Graham Dalton (66) gab kürzlich seine Teilnahme beim Golden Globe Race 2022 bekannt – der wohl langsamsten Weltumseglungsregatta unserer Zeit.

Trotz aller offensichtlichen Unterschiede, vereint beide eine fast schon fanatische Liebe zum „Big Blue“, den Weiten der Ozeane und dem unbedingten Wunsch, bis hintern Horizont zu segeln. Denn Grant Dalton ist bei uns zwar in erster Linie als America’s Cup-Spezialist bekannt, hat aber eine durchaus beeindruckend Karriere bei Rennen auf den Ozeanen und rund um den Globus hinter sich. Grant nahm an fünf Whitbread Round the World Races teil, er skipperte Amer Sports 2002-2002 beim Volvo Ocean Race (Rang 3) und siegte bei „The Race“ rund um die Welt auf dem Maxi Katamaran „Club Med“. Um nur einige seiner erfolgreichen Abenteuer auf Hoher See zu erwähnen. 

Zwei auf dem „Big Blue“

Auch Graham Dalton trieb sich im Laufe seines Lebens viel auf den Ozeanen herum, hat aber gegenüber seinem kleinen Bruder noch eine Rechnung offen. Obwohl Grant bereits zig Mal rundum segelte, war er nie alleine unterwegs. Dies wollte Graham bereits mehrfach mit einer Einhand-Weltumseglung toppen. Und das bitteschön bei einer möglichst prestigeträchtigen Regatta, mit dem immer gleichen Ziel vor Augen: Ein Segelabenteuer auf der Liste, das vom kleinen Bruder noch nicht abgehakt wurde. 

Doch Graham scheiterte zwei Mal. Beim Velux 5 Oceans 2003, einer Solo-Weltumsegelung mit vier Stopps, kam in der Nähe des Kap Hoorns die Palme von oben.  Und 2007 beendete er zwar das gleiche Rennen, aber nicht mehr im gewerteten Zeitrahmen. 

Woraus Graham eine fortan entscheidende Lehre zog: Geschwindigkeit ist nicht alles – auch nicht beim familieninternen Wettkampf mit dem achso erfolgreichen kleinen Bruder. 

Die Route des nächsten Golden Globe Race: Rundum auf Booten, deren Riss nicht jünger als Jg. 1987 sein darf! © ggr

Der logische Weg: Die Teilnahme bei einer Einhand-Regatta rund um die Welt, die zwar auch einen Sieger kürt, der oder die jedoch nicht unbedingt mit rekordverdächtigen Geschwindigkeiten unterwegs sein müssen. Wofür sich derzeit das Golden Globe Race 2022 nicht nur anbietet, sondern nahezu aufdrängt. 

Allerdings hat sich Graham Dalton die Entscheidung zur Teilnahme beim GGR 2022 nicht leicht gemacht. Denn der Neuseeländer beschreibt sich selbst als „gezeichneten Einhandsegler“. Soll heißen, er hat bei seinen bisherigen Weltumrundungsversuchen reichlich Federn gelassen. Graham verlor dabei seinen Mast, zwei Mal schredderten ihm UFOs das Ruder, er brach sich mehrfach die Rippen, verlor jede Menge Segel und musste eine chronische Lebensmittelvergiftung ertragen. 

Publicity? Brauche ich nicht!

Nachdem man ihm eine Teilnahme beim Golden Globe Race vorgeschlagen hatte, wollte Graham erstmal drei Nächte drüber schlafen. „Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich entschieden habe,“ sagte er Don McIntyre, dem Veranstalter des GGR. Der berichtete auf seiner Website von der Einschreibung des weniger berühmten Dalton beim GGR 2022. 

Apropos „berühmt“: Graham Dalton hat zwar einen entschlossenen Charakter und erfreut sich eines gesunden Selbstvertrauens. Attribute, die er mit seinem berühmten kleinen Bruder teilt.  Der große Unterschied zwischen den beiden ist, dass Grant gerne im Rampenlicht der Medien steht, Graham hingegen nicht. “Ich möchte lieber keine Publicity haben. Brauche ich einfach nicht!“ Wenn es möglich wäre, würde er am liebsten wie der anonyme japanische Maskenwrestler The Great Sasuka gekleidet am Start auftauchen und es mit allen Herausforderern aufnehmen. Er sei am glücklichsten, wenn er alleine ist, sagt er weiter zum MacIntyre. Kann es eine bessere Voraussetzung für einen Solos-Weltumsegler geben?

Mut und Vorsicht

Ein guter amerikanischer Freund von Graham, der 23 Jahre als US Navy Seal verbracht hatte, riet: „Die Mutigen leben nicht ewig, aber die Vorsichtigen leben nie.“ Ein weiser Satz, der jetzt zu Hause an Grahams Arbeitszimmerwand, neben dem arg verbogenen Titan-Steuerrad seiner letzten Yacht hängt. Und höchstwahrscheinlich nehme er die Inschrift auch mit an Bord seiner Rustler 36 „Matmut“, auf der er beim Golden Globe Race teilnehmen will. 

Golden Globe Race

“Matmut” beim Golden Globe Race  © PPL/GGR

Wem Boot und Name jetzt bekannt vorkommen – stimmt, bei der „Matmut“ handelt es sich um das Siegerboot der Golden Globe Jubiläumsregatta. Der 73-jährige Franzose Jean Luc van den Heede hat Graham Dalton sein Boot mit einem lachenden und einem weinenden Auge verkauft; bis zuletzt war nicht klar gewesen, ob van den Heede nicht doch nochmals auf seiner „Matmut“ teilnehmen wolle. Doch bei Graham wähnt er den Langkieler in besten Händen. Nicht zuletzt, weil er dem Neuseeländer auch noch ein Coaching anbot. 

Boot mit Geschichte

Das soll, eine gewisse Corona-Ruhe vorausgesetzt, im Mai 2021 beginnen. Dann will Graham erstmals die „Matmut“ segeln und testen, bevor er zu seinem obligatorischen 2.000 Seemeilen langen Qualifikationstörn im Atlantik ablegen wird. Außerdem habe er schon einige Ideen, wie er das Boot schneller machen kann, berichtete er begeistert dem GGR-Boss MacIntyre. Er sehe den Kauf speziell dieses Bootes als eine Art Aufforderung, ebenfalls zu gewinnen. 

Ob ihm das wohl sein kleiner Bruder Grant eingefüstert hat? 

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Michael Kunst

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