Gesunken: Wie Cup-Veteran Peter Gilmour mit seinem Drachen plötzlich auf Tiefe ging

Down Under

Der Australier Peter Gilmour (59) ist als viermaliger Match Race Weltmeister und America’s Cup Veteran einer der berühmtesten Segler der Welt. Sein Einstieg in den Drachen verläuft noch holprig.

Der fünfmalige America’s Cup Teilnehmer Peter Gilmour kommt zwar aus dem windigen Perth in Australien, aber mit dieser heftigen Böe hat dann auch er nicht gerechnet. Bei heftigen Bedingungen während der 24. H.M. King Juan Carlos Trophy im portugiesischen Cascais, einem Drachen-Event der höchsten internationalen Kategorie, wurde die Flotte der 29 Boote auf dem Weg in den Hafen von plötzlichen Sturmböen überrascht.

Peter Gilmour

Geisterboot mit Auftriebstonne. © Juan Carlos Trophy Elena Razina

Ein Mast brach, und die Teams beeilten sich, in den Schutz der Marina zu kommen. Gilmour, der mit seinem 25-jährigen Sohn Sam – ebenfalls ehemaliger Weltranglisten-Erster im Match Race (2017) – und Yasuhiro Yaji segelt, dem langjährigen Weggefährten aus der Zeit zweier America’s Cup Kampagnen für Japan (Nippon Challenge), wurde von einer großen Welle ins Boot geworfen.

Peter Gilmour

Der Drachen von Peter Gilmour wird halb geborgen wieder Richtung Hafen geschleppt. © Juan Carlos Trophy Elena Razina

Dabei drehte der Drachen in eine unfreiwillige, plötzliche Wende. Die Genua stand back, und das Großsegel ließ sich auf dem neuen Bug nicht fieren, weil der Baum im angezogenen Backstag hing. Der Drachen legte sich auf die Seite, die berüchtigten portugiesischen Atlantik-Wellen klatschten in das Cockpit, und der Drachen begann zu sinken.

Peter Gilmour

Peter Gilmour mit Sohn und seinem langjährigen Mitstreiter Yaji Yasuhiro vor Mallorca © Elena Razina

Der eine Tonne schwere Kiel-Ballast zog das Boot unter Wasser. Das Absinken des insgesamt 1700 Kilo schweren Schiffes kann enorm schnell passieren. Und es sind schon Segler dabei verunglückt, wenn sie sich nicht schnell genug vom Boot lösen konnten.

Aber der moderne Drachen des Australiers ist als eines der neuesten Designs mit einem erhöhten Doppelboden und damit verbundenem erhöhten Auftrieb versehen. Das verhindert nicht das Sinken, aber der Crew wird ausreichend Zeit gewährt, sich sicher vom Boot zu befreien. Sie notierte im Wasser schwimmend sogar noch die GPS-Position des Unglücksortes.

Cup-Veteran Peter Gilmour hat den Drachen für sich entdeckt und startet mit seinem alten Yanmar Sponsor wieder für Japan.

Das half bei der Bergung am nächsten Morgen durch ein Tauchteam. Die Crew aus Down Under und Japan, die den ersten Lauf gewonnen hatte, brauchte einen Tag, um das Schiff wieder flott zu machen und trat dann bei der Rennserie wieder an. Zwei Rennen musste sie ausfallen lassen aber erst ein Frühstart im letzten Lauf verhinderte eine Top-Ten-Platzierung.

Yaji sagt gegenüber SegelReporter zu dem Vorfall: “Das war das übliche Drachen-Problem bei starkem Wind und hohen Wellen. Man sollte sehr vorsichtig sein.”

Das Schock-Erlebnis hat Gilmour nach längerer Regattapause offenbar nicht den Spaß an der neuen Herausforderung genommen. Der australische Altmeister entdeckte den Drachen für sich als Sportgerät bei der WM in Australien. Er versucht er nun auch in den starken europäischen Flotten Fuß zu fassen. Einer der Höhepunkte auf seinem Programm in dieser Saison wird der Dragon Grand Prix in Kühlungsborn Anfang Juli sein.

Ergebnisse Juan Carlos Trophy Dragon 2019

 

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Gesunken: Wie Cup-Veteran Peter Gilmour mit seinem Drachen plötzlich auf Tiefe ging“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Interessanter als dieses Missgeschick finde ich, dass unter den TopTen mit Otto Pohlmann und Mateus K. eine Finncrew auftaucht. Von Otto – dem Finn-Shooting Star der frühen 80er – hat man ja lange wenig gehört. Und dann gleich mit einem echten Heavyweight im Cockpit. Angriff auf die Drachenspitze oder spontane Männertour? Spannend…..

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