Golden Globe: Nach 263 Tagen im Ziel – Was Istvan Kopar (66) auf dem Weg um die Welt erlitt

Den schwarzer Schimmel besiegt

Der 66-jährige Einhandsegler Istvan Kopar ist mit seiner Puffin 36 zurück in Les Sables d’Olonne und hat als vierter Skipper das Golden Globe Race um die Welt beendet. Er überstand dramatische Phasen.

Istvan Kopar freut sich auf der Ziellinie. © GGR

Platz vier bei einem Wettkampf ist oft ein Grund zum Ärgern. Das Podium knapp verpasst. Keine Medaille. Aber angesichts der Leistung von Istvan Kopar ist dieser Automatismus fehl am Platz. Nach 263 nonstop auf hoher See mit einer Yacht aus einer anderen Zeit, die eher in die Kategorie von Erdmanns “Kathena Nui” passt, tritt der Wettkampf-Gedanke weit in den Hintergrund.

Seine Leistung können besonders die französischen Fans richtig einordnen. Sie kamen wieder in Scharen zum berühmten Kanal von Les Sables d’Olonne, um den aus Ungarn stammenden und in Florida lebenden Istvan Kopar zu begrüßten. Sie feierten mit dem 66-Jährigen, der seine Frau Eva an Bord herzen durfte. Sie konnte nur aus der Ferne mitzittern und hatte viele schlaflose Nächte in Sorge um ihren Mann zu überstehen.

Denn Kopar gab schnell zu, dass er sich wohl doch deutlich zu wenig auf das Abenteuer vorbereitet habe. Die Schrecken der Langfahrt mochten für ihn nicht so schwer wiegen wie für andere. Schließlich hatte der Kapitän der US-Küstenwache zuvor schon 1990 / 91  die Welt umrundet ohne die Hilfe eines GPS allein mit klassischen Navigationsmitteln. Er verließ sich auf Sextanten-, Seekarten und Wettervorhersagen, die im Morsecode übertragen wurden.

Vielleicht schien es ihm auch deshalb, in den ersten Tagen der Regatta an Motivation zu fehlen. Er überraschte mit der Aussage: “Im Moment fühle ich mich eher zur Gartenarbeit als zum Offshore-Segeln hingezogen.” Er sagt, dass er vor dem Start nicht ein einziges Mal den Spinnaker seiner Tradewind 35 “Puffin” getestet habe.

Mehr noch ärgerte er sich darüber, dass er zuvor nicht die Sauberkeit der Süßwassertanks überprüft hatte. In ihnen entwickelten sich schließlich gefährliche Schimmelpilz-Kulturen, die im Laufe der Zeit die gesamte Kajüte befielen.  Der sogenannte schwarze Schimmel griff seine Gesundheit an. Einzelne Fingernägel fielen aus.

Geschafft! © GGR

Aber besonders technische Probleme warfen ihn zurück. Die Selbststeueranlage sei vom ersten Tag an nicht in Ordnung gewesen, sagt Kopar. Er habe sie vorher einfach nicht ausreichend getestet. Nach einer Woche am Steuer und extremem Schlafmangel, ankerte er vor den Kapverden und wollte die Anlage tauschen, was den Ausschluss aus der Wertung bedeutet hätte. Aber schließlich entdeckte er, dass die Windpilot-Windfahne falsch montiert war.

Da er nicht an Land gegangen war oder von außen Hilfe erhalten hatte, bat er um die Wiederaufnahme in die GGR-Klassifizierung. Dies wurde gewährt, aber das GGR-Komitee verhängte eine Strafe von 6 Stunden für das Einlaufen in den Hafen und weitere 18 Stunden für die Nutzung seines Notsatellitentelefons.

Endlich wieder die Frau im Arm. © GGR

Später kämpfte er in schweren Stürmen gegen riesige Wellen und massiven Wasser-Einbruch. 300 Liter strömten durch das Cockpit in zerstörten einen Großteil der Elektronik.

Als Kopar am 5. November 2018 das obligatorische Tor vor Hobart passierte, verfügte er weder über kein funktionierendes Funkgerät, und hatte auch keine genaue Zeitvorstellung mehr. Schließlich beendete er das Rennen 51 Tage hinter dem Sieger Jean-Luc Van Den Heede und 11 Tage hinter Rang drei, aber das hat angesichts des bestandenen Abenteuers kaum eine Bedeutung.

Die Selbststeueranlage bereitete große Problme, aber Kopar bekam sie in den Griff. © GGR

Genauso wenig wie die weiteren künstlichen Zeit-Spiele, denen er ausgesezt war. Einmal um das Kap der Guten Hoffnung herum, half Istvan dem 71-jährigen Schweden Kjell Litwin, dem bei seiner privaten Alleinfahrt um die Welt das Wasser ausgegangen war. Istvan übergab am 27. September einige seiner lebenswichtigen Vorräte, ohne zu wissen, dass die eigenen Wassertanks verschmutzt waren.

Für die verlorene Zeit bekam er eine 6-Stunden-Gutschrift gewährt. Aber die waren später wieder verbraucht, als er mit 6 Stunden und 40 Minuten bestraft wurde. Er querte die südliche Verbotslinie im Southern Ocean Ozean, um einem schweren Sturm auszuweichen. Die Organisatoren hatten ihm dazu geraten.

Auch ein Viertplatzierter wir von den Franzosen ehrenvoll begrüßt. Sie wissen die Leistung einzuordnen. © GGR

Als einen der Höhepunkte seiner Reise bezeichnet Kopar die Rundung von Kap Hoorn am  1. Januar. Das Wetter war gut, und er setzte seinen Plan um, die Asche seines Vaters in der am Kaps zu verstreuen. “Das ist eine meiner schönsten Erinnerungen”, sagt er.

Nach der Ankunft von Kopar befindet sich nur noch ein Segler im Rennen. Tapio Lehtinen wird mit seiner Gaia 36 “Asteria” Mitte Mai in Les Sables d’Olonne erwartet. Von den 18 Startern haben zwölf Skipper aufgegeben.

Den Russen Igor Zaretskiy hat es besonders hart getroffen. Der 67-Jährige segelte auf dem  letzten Platz als sein Mast brach und er ein Notrigg bauen musste, um damit nach Albany in Westaustralien zu segeln. Der Halt nahm ihn aus der offiziellen Wertung, aber er wollte nach der Reparatur weiter segeln. Doch ein Medizincheck ergab, dass er sich einer Operation unterziehen muss. Der Eingriff soll in Russland erfolgen, aber Zaretskiy ist fest entschlossen,  seine Reise um die Welt fortzusetzen, wenn es ihm wieder besser geht. Er plant, im Oktober 2019 loszusegeln.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Golden Globe: Nach 263 Tagen im Ziel – Was Istvan Kopar (66) auf dem Weg um die Welt erlitt“

  1. avatar BA sagt:

    interessant dazu auch der Blogeintrag von Windpilot:

    https://windpilot.com/blog/blog/2019/02/24/sv-puffin-istvan-kopar-us/

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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