Golden Globe Race: Van den Heede kentert im Pazifik – Mast in Gefahr, Pit Stop nötig

War’s das?

Golden Globe Race, van den Heede

2.000 Seemeilen Vorsprung und dann das… © favreau ggr

Beinahe wäre die „Matmut“ durchgekentert. Zum Glück stand der Mast noch beim Wiederaufrichten. Doch wie lange hält er durch? Und der Sturm kommt zurück.

Wenn Jean Luc Van den Heede mitten in der Nacht bei Renndirektor MacIntyre anruft, kann man davon ausgehen, dass er in gewaltigen Schwierigkeiten steckt. Und tatsächlich, der 73-Jährige bekundet: „Non, so richtig gut geht es mir nicht!“ Was für alle, die den ansonsten nicht gerade pessimistisch und weinerlich auftretenden „Meister“ kennen, einer Katastrophenmeldung gleich kommt. 

Gekentert und angeschlagen wieder aufgerichtet

Van den Heede informierte die Regattaleitung über Satellitentelefon, dass er kurz zuvor in Böen von über 50 Knoten fast durchgekentert sei (150 Grad), das Boot sich aber wieder aufgerichtet habe. Danach stand der Mast zwar noch, doch der Franzose bemerkte sofort Probleme mit der unteren Wantenspannung. Die hatten sich deutlich gelockert, so dass der Mast unter Segeln in akuter Gefahr war. 

Golden Globe Race, van den Heede

So friedlich dürfte es auf der Matmut derzeit nicht zugehen – hier beim Film-Drop vor Tasmanien © favreau ggr

Van den Heede barg sofort alle Segel und lief vor dem Wind bei sieben bis zehn Meter hohen Wellen ab. Der Skipper der „Matmut“ hatte sich bei der Havarie nicht verletzt. 

Die Rustler 36 des mehrfachen Weltumseglers van den Heede (u.a. Rekordhalter gegen die vorherrschenden Windrichtungen) ist das einzige Boot im Golden Globe Race, an dem grundlegende Veränderungen am Rigg vorgenommen wurden. Van den Heede ließ den Mast im Vergleich zur Serien-Anfertigung um 1,5 Meter kürzen und setzte auf ein im Toppbereich weiter ausgestelltes Segel, das ihm die gleiche Fläche bot wie das Seriensegel. Der erfahrene Salzbuckel ging davon aus, dass er mit der niedrigeren Angriffsfläche für den Wind bessere Chancen habe, den Stürmen während seiner Weltumseglung zu trotzen. Eine Rechnung, die bisher auch durchaus aufging, nicht zuletzt, weil van den Heede gerade in Starkwind-Abschnitten deutlich schneller als die Konkurrenz unterwegs war. Und so einen Vorsprung von über 2.000 Seemeilen auf den zweitplatzierten Mark Slats herausfahren konnte. 

Bolzen „wandert“ um 5 cm nach unten

Doch nun könnte dem Führenden des Golden Globe Race ausgerechnet diese Veränderung am Rigg einen „Strich durch die Rechnung“ machen. Van den Heede berichtete dem Renndirektor, dass er nach der Kenterung einen auf See irreparablen Schaden am Mastansatz der vier unteren Wanten festgestellt habe. 

Diese Wanten werden backbord und steuerbord von einem durch den Mast führenden Bolzen fixiert. Und dieser Bolzen „wanderte“ ca. fünf Zentimeter nach unten und öffnete so auf jeder Seite des Mastes einen gleich langen Riss. 

Zwar konnte van den Heede offenbar zwei Wanten wieder auf eine gewisse Spannung bringen, doch will der Franzose wohl kein Risiko eingehen und kündigte einen Notstopp im chilenischen Hafen Valdivia an. 

Golden Globe Race, van den Heede

Der Sturm will VDH weiter ärgern © screenshot Tracker

Bis er dort anlegen wird, dürften allerdings noch einige Abenteuer zu bestehen sein. Denn der Sturm, der van den Heede im südlichen Pazifik soviel Ärger einbrockte, will nicht  weiter ziehen. Derzeit dreht er sich förmlich „auf der Stelle“ und schickt dem GGR-Segler in den nächsten Stunden erneut 50-Knoten-Böen von achtern (siehe Screenshot vom Tracker). 

So schnell kann’s gehen!

Sollte van den Heede nach dieser erneuten Sturmattacke tatsächlich keine Lösung für eine Reparatur an Bord finden, muss er den Sieg beim Golden Globe Race ad acta legen. Denn die Statuten des Retro-Rennens sehen vor, dass alle, die einen Reparatur-Stopp einlegen, in die sogenannte Chichester-Klasse wechseln. Sir Francis Chichester umsegelte ein Jahr vor dem Start zum Original-Golden Globe Race vor 50 Jahren die Welt mit einem Reparaturstopp in Australien.

Für van den Heede wäre das die wohl größte Enttäuschung in seiner grandiosen Seglerkarriere. Oder eben ein Ansporn, als Mittsiebziger erneut zu einer Einhand-Weltumseglung anzutreten? 

Tracker

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Michael Kunst

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