Golden Globe Race: Van den Heede verliert weiter auf Slats – Zaretsky hat Herzbeschwerden

Da waren es nur noch fünf

Golden Globe Race, van den Heede

Noch segelt er vorne, noch… Jean Luc van den heede © favreau/ggr

Der eine segelt mit angezogener Handbremse, der andere hat dafür kiloweise Muscheln unterm Rumpf. Doch alle im Rennen verbliebenen GGR-Racer liegen noch vor dem virtuellen Gegner Sir Robin Knox Johnston.

Nur noch fünf Boote im Golden Globe Race! Ehrlich gesagt, mit solch einem irgendwie ja desaströsen Ablauf der Regatta im Retro-Stil rund um den Globus hatte der Autor dieser Zeilen wirklich nicht gerechnet, als er die Segler enthusiastisch an der Startlinie in Les Sables d’Olonne auf den Weg schickte. Fünf von 17 gestarteten Booten befinden sich noch in der offiziellen Wertung dieses Abenteuers – weniger als ein Drittel versuchen noch, die Runde um den Globus voll zu machen (letzte SR-Artikel zum GGR). Ein Update zu den verbliebenen Booten:

Nachdem Jean Luc van den Heede nach überragenden Leistungen an der Spitze der Regatta aufgrund eines Mastschadens mit verminderter Power weitersegelt, sitzt ihm nun der zweitplatzierte Mark Slats im Nacken. Der holt nämlich permanent auf, schafft ein bis 1,5 Knoten schnellere Etmale und hat mit dem gestrigen Stand weitere 175 Seemeilen gut gemacht. 730 Seemeilen trennen die beiden jetzt „nur noch“ – der „Meister“ Jean Luc van den Heede muss sich buchstäblich angezählt fühlen, nachdem er bereits die Hälfte seines Vorsprungs eingebüßt hat. Rein rechnerisch ist es also nach wie vor möglich, dass sich die beiden kurz vor Europa zu einem Luvkampf auf der Zielkreuz treffen werden. Anders gesagt: Über mangelnde Spannung können wir uns bei diesem Rennen nun wirklich nicht beklagen.

Risse im Mast länger geworden

Beide hatten sie so ihre Probleme in den letzten Tagen. Mark Slats musste zu ersten Mal seit dem Start seine Rustler 36 beidrehen – 40 – 50 Knoten Böen gegenan haben ihm wohl einen Großteil der noch verbliebenen Nervenkraft gekostet. Und der 73-jährige van den Heede musste zum sechsten Mal in den Mast klettern: Der Riss am Wantenansatz hatte sich im Seegang bei Wind gegenan, gut sichtbar vom Deck aus, um weitere Zentimeter nach unten verlängert. Van den Heede erneuerte seine provisorische Reparatur, weiß aber nun endgültig, dass er nicht mehr im Angriffsmodus segeln kann. 

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Uku Randmaa passierte letzte Nacht Kap Hoorn © ggr/favreau

Susie Goodall wird derzeit nach ihrer glücklich verlaufenen Rettung auf Hoher See durch die Besatzung des Frachters „Tian Fu“ in dessen nächstem Stopover-Hafen Puntas Arenas /Chile wieder aufgepäppelt. 

Der Drittplatzierte Uku Randmaa rundete letzte Nacht Kap Hoorn und bog sozusagen auf die Zielgerade ein. Jetzt ist „nur noch“ der Atlantische Ozean der Länge nach zu durchqueren. Sein Abstand zu Mark Slats beträgt 2.100 Seemeilen.

Muschelbewuchs und Stürme

Istvan Koppar, der US-Amerikaner mit ungarischen Wurzeln, wurde im Southern Ocean während der letzten Tagen mehrfach von Stürmen arg gebeutelt. Mehrere, teils diffizile Reparaturen waren nötig geworden, um seine „Puffin“ auf Kurs halten zu können. Er erhielt einige Wetter-Warnungen seitens der der Rennleitung, inkl. der Erlaubnis, ein Stück weit südlich in die Verbotszone ( Treibeisgefahr ) zu segeln, um Tiefs mit über 50 Knoten-Böen auszuweichen. 

Der Finne Tapio Lentinen, mitten im Southern Ocean, 6.300 Seemeilen (!) hinter dem Führenden van den Heede, wird mehr und mehr vom starken Muschelbewuchs an seinem Rumpf eingebremst. Dennoch hält er sich tapfer als nunmehr Letztplatzierter mit einem heutigen Etmal von 2.8 Knoten Speed im Rennen. Immerhin liegt er noch deutlich vor dem virtuellen Gegner Robin Knox Johnston, der vor 50 Jahren auf seiner „Suahili“ nochmals 870 Seemeilen weiter zurück lag. 

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Istvan Koppar wurde von mehreren Stürmen arg gebeutelt © ggr/favreau

Der Russe Igor Zaretsky, der nach einem Reparatur- und Rumpfsäuberungsstopp im australischen Albany in die Chichester-Klasse „abstieg“ (Weltumseglung einhand mit einem Stopp), kündigte nun an, dass er für einen medizinischen Check nach Moskau fliegen werde. Zaretsky erlitt 2010, nachdem er die Jester Challenge (Transatlantik) gewonnen hatte, einen Herzinfarkt. Er ließ sich nun von australischen Ärzten untersuchen, die ihm wiederum empfahlen, für eine weitere Behandlung nach Russland zurück zu fliegen. 

Zum Herz-Check nach Russland

Zaretsky beteuerte vor Abflug, dass er in jedem Fall zurückkehren werde, um die Weltumseglung zu beenden. Nach den GGR-Regeln könnte er sich dafür reichlich Zeit nehmen, da es für den Stop in der Chichester Klasse kein Zeitlimit gibt. Namensgeber Sir Francis hatte sich 1967 immerhin 48 Tage Stoppover in Sydney gegönnt. Andrerseits müsste Zaretsky vor den gefürchteten Winterstürmen auf der südlichen Halbkugel durch den Southern Ocean kommen. Spätestens Ende Februar/Anfang März sollte er also wieder unterwegs sein. 

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GGR-Segler Mark Sinclair entdeckte die Yacht von Gregor MacGuckin, der nach einer Kenterung mit Mastbruch aufgab, auf Hoher See. An Bord soll sich ein Fass Whisky befinden – nur falls jemand zufällig in der Nähe sein sollte © sinclair/ggr

Allein wegen des Zweikampfes an der Spitze der Regatta lohnt es sich also, täglich einen Blick auf den Golden Globe Race-Tracker zu werfen. Im Windyty-Modus kann man zudem sehr übersichtlich die einzelnen Wettersysteme beobachten, die über die verbliebenen fünf GGR-Teilnehmer herfallen. Oder sie mit nervtötenden Flauten ausbremsen. Bleibt abzuwarten, ob van den Heedes Erfahrung mit den Wettersystem im Atlantik ausreichen wird, bis Europa einen Vorsprung beizubehalten. Derzeit segelt „der Meister“ relativ nah unter Land auf Höhe Brasilien bei 11.1 Knoten Windstärke. In den nächsten Stunden trifft er auf frischeren Wind bis zu 13,5 Knoten. Mark Slats segelt zeitgleich unter ähnlichen Bedingungen, hat sich aber offensichtlich für einen weiter östlichen Kurs entschieden. Dort erwartet ihn ein Hoch mit lediglich 6 – 7 Knoten Windstärke.  

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Michael Kunst

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