Bundesliga: SKWB tritt zurück – wenig Trainingsmöglichkeiten und zu hohe Kosten

SKWB zieht sich aus Bundesliga zurück

Kurz vor dem Start der neuen Saison der Segel-Bundesliga gibt es noch Verschiebungen bei den für die 1. und 2. Liga qualifizierten Vereinen. Nun wurde bekannt, dass die Segelkameradschaft das Wappen von Bremen (SKWB) – vor allem als Ausbildungsverein für spektakuläre Hochseetörns und Offshore-Regatten bekannt – auf ihren Startplatz im Oberhaus der Liga verzichtet. Nachrücker ist das Team des Münchener Yacht-Club (MYC).

Das Team der SKWB war seit 2014 fester Bestandteil der 1. Segel-Bundesliga © Lars Wehrmann

“Unser Team konnte immer nur wenig zusammen trainieren, da wir sehr verstreut studiert und gearbeitet haben, in Bremen, Hamburg, München und Belgien”, sagt Gordon Nickel, der für das SKWB-Team die Pinne in der Hand hielt. “Nun sind die meisten voll im Job und wir haben noch weniger Zeit zum gemeinsamen Training. Bei dem Leistungsniveau, das die Liga inzwischen entwickelt hat, werden wir so unseren eigenen Ansprüchen nicht  mehr gerecht.”

Das Team der SKWB, dass sich neben Gordon und seinem Bruder Morten Nickel aus  Alexander und Björn Beilken, Thomas Dehler, Nils Fiege und Rasmus Nielsen zusammensetzte, war seit 2014 in der Liga vertreten und schaffte 2018 sogar die SAILING Champions League Qualifikation.

Nickel bleibt in der 1. Liga

Steuermann Nickel selbst, der in Flensburg studiert, wird der Liga jedoch erhalten bleiben. Er unterstützt künftig das Team des ebenfalls erstklassigen Flensburger Segel-Club (FSC), dessen Steuermann Jan Hauke Erichsen sich mehr auf seine Segelkarriere im Formula Kite konzentrieren möchte. Die Klasse der foilenden Kites hat bei den Spielen 2024 vor Marseille ihre olympische Premiere.

“Ein weiterer Faktor für die Absage der SKWB aus der 1. Bundesliga waren die für diese Saison massiv gestiegenen Kosten”, begründet der erfahrene Regattasegler Gorden Nickel, der im vergangenen Jahr Teil des erfolgreichen Europameisterteams auf der X-41 “Sportsfreund” von Axel Seehafer  in der Wertung ORCi B war, den Entschluss der Bremer Segler weiter. “Vor zwei Jahren mussten Erstligisten noch 4.500 Euro pro Saison bezahlen, dieses Jahr betragen Meldegeld und Bootsumlage zusammen 6.550 Euro, dazu kommt noch eine Kaution von 500 Euro.”

Mehr Kosten

Die Kostensteigerung, für die zum Teil auch der Wegfall des Sponsors Kraftwerk für die Segel-Bundesliga verantwortlich ist, kommt vor allem durch die neu eingeführte Bootsumlage in Höhe von 2.800 Euro pro teilnehmendem Verein. Darin enthalten sind nicht nur die Instandhaltungskosten und die Logistik für den laufenden Liga-Betrieb, sondern auch die Chartergebühr für Liga-Vereine. Vereine haben nun die Möglichkeit, die Liga-Boote während der Saison kostenfrei für Trainingszwecke zu chartern. Im Idealfall sind die Boote schon vor den Liga-Events auf dem jeweiligen Austragungsrevier stationiert. 

Durch die Absage der SKWB eröffnet sich für den MYC überraschend die Möglichkeit, wieder in der ersten Liga mitzumischen. Michael Liebl, Team-Manager des MYC, sagte: “Natürlich war die Freude im Team groß, als wir vom Verbleib in der 1. Segel-Bundesliga
erfahren haben. So ein Abstieg, vor allem, wenn er nach einer langen Saison so knapp ist, schmerzt schon sehr.” 

Das Team des MYC bekommt nun unverhofft die Chance, 2020 weiterhin erstklassig zu segeln © Lars Wehrmann

Der nun frei gewordene Startplatz in der 2. Segel-Bundesliga geht an die Segler der Segler-Vereinigung Wuppertal (SVWu), die im Herbst abgestiegen waren. „Die Freude im Team und bei den Vereinsmitgliedern über die überraschende Nachricht war groß”, sagte Roland Roos, Steuermann des SVWu. “Doch in Erinnerung an den Abstiegskampf im letzten Jahr sagten auch alle, dass wir es nicht wieder so spannend machen sollen!“ 

Die achte Saison der Deutschen Segel-Bundesliga wird am 08. Mai in Prien am Chiemsee eröffnet. Hier ist die Übersicht aller Spieltage 2020

16 Kommentare zu „Bundesliga: SKWB tritt zurück – wenig Trainingsmöglichkeiten und zu hohe Kosten“

  1. In Anbetracht der ganzen Logistik und des Materials was da zur Verfügung gestellt wird sind 6500€ pro Verein echt nicht viel. Ganz im Gegenteil wie ich finde 🤔

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  2. avatar JPK sagt:

    @Andreas: Das sieht als Aussenstehender vielleicht so aus, allerdings sollen die Ligavereine im kommenden Jahr die Boote zu den Spieltagen fahren und dazu ist Material schnell kaputt (natürlich durch den hohen Verschleiß).

    Der Schritt der Bremer ist garantiert nicht unüberlegt, es kommen kontinuierlich weitere Kosten auf die Vereine zu. Diese müssen von den Vereinen gegenüber den Mitgliedern verantwortlicht werden.
    Es wird bestimmt nicht ohne Grund ein Erstligastartplatz aufgegeben.

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  3. avatar Frankman sagt:

    Nicht unerhebliche Kostensteigerung mit einem Event weniger als im Vorjahr…..und trotzdem hohe Nachfrage nach dem Produkt: Aus Marketing Sicht alles richtig gemacht!!

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    • avatar frankman sagt:

      Ich vergaß nach dem Kommentar: “Sarkasmus / Ironie aus”.

      Zu Thema Reviere: Mich wundert auch das kein einziges Ostsee Event dabei ist, alles Binnenseen klingt für mich vom seglerischen her nicht so prickelnd.

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  4. avatar jorgo sagt:

    Spricht mal jemand über die Reviere? Habe gehört dass die seglerische Attraktivität gelitten haben soll… .

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  5. avatar Marc sagt:

    Naja 6500€ ausgeben damit vielleicht 5-8 Segler Spaß haben, das muss man schon gut im Verein verkaufen können.

    Da kann man das Geld lieber in Jugendprojekte und Ausbildung stecken, dadurch haben mehr Leute Spaß am Segeln und man bekommt sogar neue Mitglieder.

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    • avatar Bundesligasegler sagt:

      Da diese 6550 bei den Vereinen selten aus dem laufenden Etat kommen, sondern durch zweckgebundene Spenden reinkommen, wird das Geld nicht automatisch in die Jugend gehen. Vielmehr ist es so, dass dieses Geld automatisch im Portemonnaie der Zweckspender verbleibt.

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  6. avatar Andreas Jung sagt:

    Wenn man mal rechnet, was beispielsweise eine Opti (!)-Saison für Vaddi kostet, sind 6500 €/X Segler tatsächlich recht überschaubar. Bei dem Wehklagen scheint mir auch ein wenig Vollpension-Denke mitzuschwingen.

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  7. avatar BodenseeSegler sagt:

    Letztlich ist das tragende Argument an die Mitglieder eines Clubs ja das “Wir sind dabei”. Dass diese Repräsentation nun natürlich immer teurer wird, muss auch berücksichtigt werden. Wie auch immer es gerechtfertigt wird, der Effekt wird sein, dass sich durch diesen Trend zunehmend nur noch große, vermögende Clubs mit guten Beziehungen zu Geldgebern die Liga leisten können.
    Allerdings verspreche ich euch … diese Meldekosten sind lang nicht der größte Posten in der Saisonkalkulation eines Liga-Teams. Trainingsevents, Fahrtkosten, Unterkunft und Unterhalt eigener J70 Boot(e) verschlingt noch deutlich mehr.

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  8. avatar Christian sagt:

    Muddi hat also nix zu melden bei Opti-Regatten? Warst du schon Mal auf einer?

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  9. avatar Manfred sagt:

    Ich verstehe die Diskussion hier nicht, die sich darum dreht, dass “andere” für das eigene Segelvergnügen bezahlen sollen. Klärt mich auf. Wer BULI segeln möchte der sollte sich doch bitte schön zusammen tun und die Kosten teilen. Sind “all in” vielleicht 10T€uronen/Saison fällig, macht das doch für jeden nur 2000 €. Dafür bekommst Du doch kaum ein neues Großsegel für ein eigenes wettbewerbsfähiges Boot an dem Du auch hohe lfd Kosten im Regattabetrieb hast.

    Wo ist also das Problem? Jetzt kommt natürlich wieder der “arme Student”, der keine Kontakte hat, die ihn auf Grund seiner Leistung vielleicht unterstützen würden. Klar, Mutti und Vaddi haben ja in der Opti Zeit schon mächtig geblutet, so kann das ja nicht weitergehen. Der Nachwuchs muss doch auch mal auf eigenen Füßen stehen. Steht man im Berufsleben kann man die Spendenbescheinigung vom Verein doch prima bei der Steuer unterbringen oder dem Unterstützer zukommen lassen. So würd´s ja funktionieren aber einfach nur über die 6einhalb jammern, ist mir zu einfach.

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  10. avatar JPK sagt:

    @Manfred: wie du zuvor wahrscheinlich schon gelesen hast, geht es nicht alleine um die Meldekosten. Es kommen diverse Kosten on Top. Die reichen Clubs haben jährlich bis zu 100.000 € Budgets. Trainingslager über Winter, Trainingsboote, Reisekosten, Unterkünfte etc.

    Der Punkt der Bremer lautet: es wird alles teurer, aber die Leistungen weniger. Die Liga hat sich schlicht und einfach verkalkuliert, wodurch auch dort viele Köpfe gerollt sind. Nun sollen die Vereine das Auffangen?!

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    • avatar Manfred sagt:

      @JPK: Danke für die Aufklärung. Hatte selbst bei aller Bescheidenheit 10T€/Saison angesetzt. Übernachtung im Bulli und Ravioli aus der Dose auf eigene Kosten, An-und Abreise etc. OK, verstehe, die Zeiten sind vorbei. Das Budget von 100.000 €/Saison hätte ich schon mal gerne aufgedröselt.

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  11. avatar JPK sagt:

    Fortsetzung:
    Die SKWB ist ein Offshore Verein, wie soll den Mitgliedern ein minimum Budget von 25.000€ vermittelt werden. Die Liga findet dieses Jahr ausschließlich nur auf Binnengewässern statt. Das steht in keinen Verhältnis und ist bei anderen Vereinen mit einer anderen Ausrichtung eventuell anders.

    Hier bietet sich die Chance für richtige Reporter Arbeit, dieser Frage auf den Grund zugehen. Wie zukunftsträchtig ist die Liga? Muss das System angepasst werden. Eventuell ein Wochenende Teamrace, wodurch mehr Segler aus einem Verein gestellt werden müssen. Dann hätte ein Verein wie ONEKIEL schlechte Kiel schlechte Karten und stünde vor anderen Fragen, die durch Geld vielleicht nicht gelöst werden können.
    Es scheint leider so, also müsse die Liga geschützt werden, anstatt die Wahrheit einmal aufzudecken oder das Konzept + Umsetzung kritisch zu hinterfragen.

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  12. avatar Peter Molten sagt:

    In der ganzen Diskussion hier wird nur ein Mal der Revieraspekt beleuchtet. Obwohl segeln für die richtigen vereine von der Küste wichtig ist. Rechnet man die Netto segelzeit in Berlin mal um, sieht man die Leute bei den Übertragungen mehr rum sitzen.
    Ich glaube die maßgeblichen Nord-Vereine haben sich mehrfach für ein Event auf der Hochseeinsel Helgoland stark gemacht. Die Organisation war angeblich mit der Regattaorganisation der Nordseewoche wohl schon in trockenen Tüchern. Jetzt hat sich die Lobbyarbeit der Binnensegler scheinbar endgültig durch gesetzt. Die BuLi hatte ja auch seit Jahren versucht MaiOR als erstes Offshore Event in Deutschland die Segler abzusaugen. Die frühe Abmeldung vom KYC passt ja dazu. Leiden wird die seglerische Attraktivität.

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    • avatar moth sagt:

      Da stimm ich dir zu, der Kieler Yacht Club ist aber nun recht erfolgreich wieder dabei !

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