Harte Kreuz beim Fastnet Race: 79 Yachten geben auf – Vendée-Sieger sauer über Kollision

"In Frankreich wäre das nicht passiert"

Am zweiten Tag des Rolex Fastnet Races sind die schnellen Trimarane schon im Ziel angekommen. Für das Gros der Flotte ist das Abenteuer eigentlich gerade erst gestartet.

Harte Kreuz für die Kleinen. © Carlo Borlenghi / Rolex

Der zweite Tag des 49. Rolex Fastnet Race macht deutlich, wie weit der Yachtbau in den vergangenen Jahren fortgeschritten ist. Das Speed-Potenzial der modernen Konstruktionen ist längst so groß, dass die 695 Meilen von Cowes um den Fastnet Rock (neuerdings) zum französischen Cherbourg mehr ein Sprintrennen darstellt. Der Ultim Trimaran Maxi Edmond De Rothschild absolvierte den Kurs in einem Tag und neun Stunden – 9,5 Stunden schneller als Actual (ex Macif von Francois Gabart) und gut 11 Stunden vor der enttäuschenden Sodebo.

Der 125-Fußer “Skorpio” am Fastnet Rock. © Carlo Borlenghi / Rolex

Damit segelt der schnellste Ultim gut doppelt so schnell, wie die nagelneue ClubSwan 125 “Skorpio”, die erst kurz vor dem Zieleinlauf des Multihulls den Felsen vor Irland rundete. Das Gros der kleineren Flotte dagegen hat es bei härtesten Kreuzbedingungen kaum geschafft außer Sichtweite von England zu segeln. 79 von den 330 gestarteten Crews mussten schon aufgegeben.

Mastbruch auf der führenden Class 40 Project Rescue Ocean. © Axel Trehin

Sportlich spektakulärster Ausfall ist der von “Project Rescue Ocean”. Die mitfavorisierte Class40 von Alex Trehin mit Co Skipper Frédéric Denis erlitt einen Mastbruch. Ärgerlich ist aber auch die Kollision beim Start von Vendée-Globe-Sieger Yannick Bestaven. Der Schaden am Bug ist nicht so groß. Der Franzose segelte direkt nach der Kollision mit einer Yacht nach Gosport, wo er es mithilfe von Alex Thomsons Hugo Boss Team notdürftig reparierte. Aber der Skipper regt sich über die Umstände auf.

Aufkreuzen unter der britischen Süd-Küste um starken Gegen-Strömungen zu entgehen. © Carlo Borlenghi / Rolex

Eine Fahrtenyacht ist ihm vor den Bug geknallt. In einem Interview mit französischen Medien äußert er sich empört. Es sei unglaublich, dass sich eine Zuschauer-Yacht nur wenige Minuten vor dem Start in das Feld der Segler bewegt. Es sei nur ein Mann an Bord gewesen, der bei 30 Knoten Wind im Startbereich segelte und offenbar etwas überfordert war.

“In Frankreich wäre das nicht passiert. Wir haben immer abgesicherte Bereiche am Start. Hier in England ist diese Regatta aber so wie ein großes Seglerfest.” Das sei ganz nett und wohl ein Teil der Show. Dreimal war er schon am Start. “Aber die Yachten werden immer leistungsfähiger. Was wenn dieser Skipper mit seinem Schiff vor einem Ultim gestanden hätte? Er wäre wohl ein schwerwiegender Unfall gewesen. Bei einem Formel 1 Rennen fahren auch keine Zuschauerautos auf der Startlinie rum.”

Apivia segelt immer npch knapp hinter Skorpios und vor Rambler

Man dürfe nicht vergessen, dass einer Frau nach einer Kollision mit dem Maxi-Trimaran Spindrift im Juni 2015 beim Start des Volvo Ocean Race vor Morbihan das Bein amputiert werden musste. Anfang September will Bestaven Maitre Coq das Segelprogramm wieder aufnehmen. Die Reparatur dauert etwa zehn Tage.

Das Gros der Flotte hat noch viele Meilen vor sich

Das Rennen wird nach wie vor von der starken Leistung des IMOCA Apivia mit Charlie Dalin und Paul Meilhat geprägt. Er hält sich dauerhaft gut 15 Meilen vor dem 88-Fußer Rambler und segelt nur knapp 40 Meilen hinter der mehr als doppelt so großen “Skorpios”. Die zweitplatzierte Charal liegt schon 50 Meilen achteraus. Hugo Boss hat gerade erst den Fastnet Rock gerundet.

Zu den Gründen der schwachen Leistung sagt Thomson, er sei nicht überrascht von der schlechten Platzierung auf Rang zehn. Sein Schiff sei für die Vendée Globe konstruiert worden und kreuze deshalb nicht besonders gut. Das Gleiche sollte allerdings auch für die drei konkurrierenden Neubauten gelten, die auf den ersten drei Plätzen liegen. Es sei aber auch das Kabel gebrochen, an dem das J3 Vorsegel gesetzt wird.

In der laufenden IRC-Handicap-Wertung, über die das Rennen entschieden wird, sind nach wie vor die großen Yachten bevorteilt. Der Volvo 70 “I love Poland” (ex Puma Il Mostro) liegt berechnet mehr als sechs Stunden vor Rambler 88. Jens Kellinghusen ist als bester deutscher Skipper auf Platz 16 zurückgefallen, zwei Plätze vor der Carkeek 47 “Störtebeker”, die von der 25-jährigen Kathrina Westfal auf höchstem Niveau für den Hamburger Verein Seefahrt geskippert wird.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Harte Kreuz beim Fastnet Race: 79 Yachten geben auf – Vendée-Sieger sauer über Kollision“

  1. avatar Jonas sagt:

    Die Störtebeker (Carkeek 47) und die Haspa Hamburg (JV52) sind verschiedene Schiffe.

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