Helgahard Cup: Australier siegt auf der Alster – 118 Rennen an drei Tagen

„Klassentreffen“ der Segelszene

Der Auftakt der ersten Mixed-Regatta auf der Hamburger Alster hat 69 Teams an den Start gebracht. Olympiateilnehmer, Weltmeister, Profis aber auch weniger erfahrene Segler versuchten sich auf gestellten Booten vom Typ Laser Bahia. Champions-League-Sieger David Chapman (30) siegte mit Julia Röttger.

Was es genau werden würde, war nicht klar, als die NRV-Macher nach dem großen Helga-Cup-Erfolg nun diese zweite große Veranstaltung aus dem Hut zauberten. Sie wollten ein wenig den Schwung aus den Olympia-Entscheidungen mitnehmen. Denn für 2024 hat World Sailing gleich vier Mixed Disziplinen beschlossen. In Paris werden zum Nacra17  die Kitesurfer, 470er und das Offshore-Kielboot dazukommen.

Helgahard sollte die neue Regatta an der Alster heißen – ein Mix aus den Namen von Eberhard Wienholt und seiner Lebensgefährtin Helga Strelow, den Förderern dieser Veranstaltung. Wer würde sich angesprochen fühlen?

Tatsächlich zukünftige Möchtegern-Olympioniken? Unwahrscheinlich, denn das Boot der Wahl sollte der Laser Bahia sein – nicht gerade ein Boot, bei dem man sofort an Olympia denkt. Der NRV benutzt es erfolgreich als Schulungsboot ohne Gennaker. Der Polyäthylen-Rumpf verzeiht viele Fehler und ist besonders gut für die Benutzung am Strand oder als Familien-Badboot geeignet (Video).

Regattasegeln ist damit eher unüblich. Aber beim NRV findet jedes Jahr das interne Club- Match-Race statt, das genauso regelmäßig vom Geschäftsführer Klaus Lahme gewonnen wird – dem ungekrönten Laser-Bahia-König.

Diese Siegesserie hat wohl einen großen Anteil dran, den Bahia als mögliches Sportgerät für den Helgahard-Cup zu betrachten. Außerdem hat der Bootstyp schon einen Einsatz in der Segel-Bundesliga hinter sich. Im zweiten Jahr war eine J/70 beim Antransport zur Alster vom Trailer gefallen, und da es sich um eine Match-Race-Veranstaltung im Liga-Modus handelte – die bislang erste und einzige – wurde kurzerhand auch mit Laser-Bahias um Duell-Punkte für den Sieg gesegelt.

“Gleichmacher” Laser Bahia

Das Boot also hat seine Feuertaufe als “Gleichmacher”-Sportgerät für Segler mit unterschiedlichem seglerischen Hintergrund schon zuvor bestanden. Es bestätigte ihn aber am Wochenende. Denn es lockte tatsächlich gemischte Crews nach Hamburg, die unterschiedlicher nicht hätten sein können:

Gestandene Ehepaare, frisch Verliebte in der Testphase, Opti-Kinder mit Eltern, gestandener Sohn mit Mutter oder sich anbahnende Beziehungskisten – wer weiß, was sich während der Regatta entwickelt hat. Ein geschätztes Viertel der Teilnehmer hat sich nur  für dieses Rennen zusammengefunden. Dabei spielte die Gewichtsoptimierung offenbar eine Rolle.

Laer Bahia, Helgahard

Eine der drei Laser- Bahia-Flotten mit acht Booten an der Luvtonne. © Sven Jürgensen

Jedenfalls ist unter den Topp-Acht, die am Ende das Finale ausgesegelt haben – auch nach intensiver Recherche – kein Paar zu finden. NRV-Liga-Trimmer und J/70-Meister Malte Päsler belegte den undankbaren neunten Platz mit seiner Freundin Anna.

118 Rennen an drei Tagen

Nach 13 etwa 12minütigen Kurzrennen ging es für die 69 gestarteten Teams darum, sich für das Finale der besten Acht Teams zu qualifizieren. Das Format sah vor, wie beim Helga Cup nur dieses eine Rennen dann über Sieg und Niederlage entscheiden zu lassen. Wettfahrtleiter Jens Hahlbrock vom Hamburger Segel-Club startete im Minutentakt insgesamt 118 Rennen an den drei Tagen.

Mit einer Serie von Siegen und zweiten Plätzen steuerte insbesondere Favorit Tobias Schadewaldt auf das Finale zu, der Juliane Adelssen an Bord nahm, mit der er schon den Liga-Pokal in der J/70 gewonnen hatte. Aber am Sonntag Morgen kam es zum Drama, weil das NRV-Duo die Vorverlegung des ersten Starts von 10 auf 9 Uhr nicht mitbekommen hatte und das erste Rennen verpasste. Nach einem Frühstart wurde es schließlich ganz knapp mit Finalteilnahme. Es folgte dann Rang fünf.

Eine ganz starke Leistung lieferte Constanze Stolz (24) ab, die es als eine von zwei Steuerfrauen zusammen mit Timo Sommer souverän ins Finale schaffte. Die ehemalige Jugend-Olympia-Bronze-Gewinnerin, Laser- und 470er-Seglerin, die sich zurzeit auf ihr Psychologie-Studium konzentriert, segelte aber schließlich auf Rang acht.

Comeback der Surf-Olympionikin

Überraschend schaffte es auch der zweimalige Platu-Vize-Weltmeister (mit “Flexi”) Niklas Ganssauge (46) unter die Top-Acht mit der langjährigen 470er Vorschoterin Caro Hentschel. Der Rechtsanwalt hatte in den vergangenen zehn Jahren eher die Opti-Spaßregatta “Kalte Kanne” als Regatta-Höhepunkt anvisiert, aber dieser Laser Bahia ist ihm offenbar auf den Leib geschnitten. Im Finale segelte das Duo auf Platz sechs.

Ein ganz starkes Team bildeten auch Florian Spalteholz (42) und Moana Delle (30). Der Steuermann war 2008 als Vorschoter von Johannes Polgar Olympia-Achter in Qingdao geworden. RS:X-Surferin Delle war 2012 als Fünfte haarscharf an einer Olympiamedaille vorbei gesurft. 2014 hatte sie ihre Leistungssport-Karriere beendet. Mit Rang vier segelten sie ganz weit nach vorne.

Die Topp-Drei hätte man auch vor der Regatta auf dem Zettel haben können. Der australische Segel-Profi Chapman schwimmt gerade auf einer Erfolgswelle nach dem ungeplanten Sieg bei der Sailing Champions League in St. Moritz. Und Julia Röttger gehörte schon bei der J/70 EM am Gardasee zu seinem Team.

NRV-Liga-Steuermann Florian Haufe hat schon einige Club-Match-Races beim NRV mit dem Laser Bahia gesegelt und mit Laser-Radial-Seglerin Carlotta Crüsemann die perfekte Partnerin. 

Jan-Philipp Hofmann vom Düsseldorfer Yachtclub ist seit Jahren einer der besten deutschen Liga Steuermänner, war schon Meister der Meister und 505er Champ. Mit Lena Böhnke segelte er stabil auch mit dem Bahia vorne und wurde erst auf den letzten Metern vor dem Ziel aus der Führungsposition auf Platz 3 verwiesen.

Begeisternde Atmosphäre

Wie immer ist der große Erfolg der neuen Veranstaltung aber nicht den Spitzenseglern zu verdanken, die ohnehin ihren Spaß haben. Besonders die Segler, die im Mittelfeld und auf den hinteren Rängen kämpften, die das unglaubliche Wetter und die guten Gespräche am Abend genossen, machten die begeisternde Atmosphäre der neuen Veranstaltung aus, die eher einem riesigen Klassentreffen glich.

Auch die NRV-Verantworlichen waren zufrieden mit der Resonanz des neuen Regattaformats. Allen voran Sven-Erik Horsch, NRV Inshore Vorstand, der zusammen mit seiner Frau Insa teilnahm und selbst hohe Baby-Sitter-Kosten nicht scheute, mal wieder an der Pinne aktiv zu sein.

Er bedankte sich bei allen Teilnehmern, die unter anderem sogar in großer Mannschaftsstärke aus Bayern angereist waren. Besonders der Chiemsee-Yachtclub ließ sich die Regatta nicht entgehen und trat mit mehreren Teams an. Auch sie genossen, dass nicht allein der Sport im Vordergrund stand, sondern ebenso das Treffen mit ehemaligen Segel-Kumpels.

Mit großem Applaus wurde bei der Siegerehrung die Information aufgenommen, dass der Helgahard Cup im nächsten Jahr seine Fortsetzung finden wird. Der Termin: 21.-23. August 2020 wieder beim NRV

Die Platzierungen 1 – 8:
1. David Chapman und Julia Röttger
2. Florian Haufe und Carlotta Crüsemann (NRV)
3. Jan-Philipp Hofmann und Lena Böhnke (DYC)
4. Florian Spalteholz und Moana Delle (NRV)
5. Tobias Schadewaldt und Juliane Adelssen (NRV)
6. Niklas Ganssauge und Caro Hentschel (NRV)
7. Silke Basedow und Bastian Seibt (HSC)
8. Constanze Stolz und Timo Sommer (DYC/NRV)

Der Helgahard Cup wurde gesponsert von: Hamburg Active City, EWS, Laser Deutschland by Ziegelmayer, MÖVE Bikes, boot Düsseldorf und Ernst Kabel Druck

Die gesamte Helgahard-Ergebnisliste

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Helgahard Cup: Australier siegt auf der Alster – 118 Rennen an drei Tagen“

  1. avatar thorsten sagt:

    Als ich das Titelbild gesehen habe, erinnerte mich das irgendwie an mein A-Schein-Buch 😀

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