Hyères Weltcup: Heil/Plößel holen Bronze – Gerz/Szymanski vierte – GER drittbeste Nation

"Aus dem Weg!" Die Deutschen sind los

Das Audi Sailing Team Germany hat beim Weltcup der jeweils 40 Besten eine extrem starke Leistung abgeliefert: Sieben Medalrace-Teilnahmen der Olympioniken und zweimal Bronze bei den Paralympics Klassen.

Das Negativerlebnis der Santander WM 2014 ist noch nicht so lange her. Es hatte zu einem heftigen Streit zwischen DSV und Sailing Team Germany geführt und dem deutschen Segelsport viele negative Schlagzeilen gebracht. Aber nach dem ersten hochklassigen Weltcup mit dem neuen Format der besten 40 Boote ist alles vergessen. Die Schwarzrotgold-Flotte schnitt so gut ab, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Mit sieben Teilnahmen am finalen Medalrace der Top Ten liegt Deutschland nur hinter den Briten (11) und Franzosen (9) zurück. Für die überraschende Leistungssteigerung sorgten vier Boote, die man zuvor nicht auf der Rechnung haben konnte.

So gelang insbesondere dem Olympiastarter von 2012 im 470er Ferdinand Gerz im absoluten Weltklassefeld das beste Ergebnis der Karriere. Die nach London neu gebildete Partnerschaft mit Oliver Szymanski trägt Früchte. Die Formkurve zeigt steil nach oben.

Der vierte Platz in Hyères ist ein großartiges Ergebnis. Ein neuer Ziegelmayer 470er, wie auch Verbesserungen am Segelmaterial scheinen bestens zu funktioneren. Die hochklassige Serie bei unterschiedlichsten Windbedingungen hat das Duo aus Bayern und Berlin die fest zementierte Hierarchie in der 470er Klasse durcheinanderwirbeln lassen.

Noch überraschender ist der 8. Platz von Annika Bochmann und Marlene Steinherr bei den 470er Frauen. Die Crew hatte sich nach einigen Überkreuz-Wechseln  bei den 470er Mannschaften erst zu Beginn der Saison zusammengefunden, nachdem Bochmanns Vorschoterin Lisa Panuschka zur ärgsten Konkurrentin Annina Wagner ins Boot gewechselt war. Bis 2011 hatte Wagner mit Steinherr gesegelt.

Die Finanzierung der Kampagne des neuformierten Duos steht noch auf wackligen Füßen, und so startete das Team sogar eine Crowdfunding-Kampagne. Und es muss seine Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft neu beweisen. Dafür ist im Juli ein EM Top Ten Platz notwendig. Aber schon der achte Platz  ist sicher ein starker, so früh noch nicht erwarteter Beweis für das Potenzial.

Die dritte große Überraschung gelang Paul Kohlhoff und Carolina Werner mit Platz zehn im Nacra 17. Der erst 20 Jahrel alte Steuermann ist mit der 21-jährigen Vorschoterin direkt aus dem 29er in den Nacra Katamaran umgestiegen und tritt dort gegen die erfahrensten Profis der Welt an.

Zu den Geschlagenen im Feld gehören Franck Cammas (12.) und Iker Martinez (22.), der Mapfre Skipper beim Volvo Ocean Race, der gerade wieder eine Etappenpause einlegt. Außerdem hängen Melges 24 Weltmeister Lorenzo Bressani (31.), 470er Olypiasiegerin Sofia Bekatorou (26.) oder Match Race Weltmeisterin Lucy Macgregor (19.) am Draht.

Kohlhoff/Werner konnten einen Sieg und zwei zweite Plätze verbuchen, absolvierten ihre erstes Medalrace aber noch auf Rang zehn. In Palma war die junge Crew wegen eines Mastbruchs noch in die Silberflotte abgerutscht.

Erk Heil Siegerehrung

Erik Heil (2.v.r.) auf dem Treppchen mit den 49er Größen. Als Thomas Plößel die Siegerehrung verpasst, springt Max Böhme ein. © Phillip Buhl

Schon bekannte Gesichter aus der zweiten Garde nach dem Aufsehen erregenden Platz acht in Palma sind Justus Schmidt und Max Böhme im 49er. Sie bestätigten das Ergebnis eindrucksvoll mit einem sechsten Platz in Hyères. Dabei zeigten sie im Medalrace beeindruckendes Potenzial, als sie mit Burling/Tuke auf Augenhöhe an der Spitze segelten. Erst eine Kenterung kurz vor dem Ziel ließ sie auf Rang fünf zurückfallen.

Beeindruckend stabil präsentierten sich wieder einmal Erik Heil und Thomas Plößel. Dabei starteten sie schwach in die Serie, verloren aber nie die Nerven und sorgten doch noch mit Bronze für die einzige DSV Medaille bei den Olympiaklassen.

Der Abstand von 95 Punkten zu Gold und 46 zu Bronze erscheint riesig. Aber gleich zweimal konnte das deutsche Parade-Duo die Kiwi Überflieger Burling/Tuke bei zwei Rennsiegen im direkten Zweikampf bezwingen.

Auch Toni Wilhelm lieferte als Sechster bei den RSX Surfen eine grundsolide Leistung ab. Allerdings gelang ihm außer im Medalrace (3.) bei elf Rennen keine bessere Platzierung als sieben. Aber der erfahrene Surfer hat es zuletzt immer besser verstanden seine Leistungsfähigkeit für die absoluten Saison-Höhepunkte aufzubauen.

Etwas rätselhaft sind die Ergebnisse noch bei den 49FX zu interpretieren. Nach wie vor wechselt die Hierarchie der deutschen Top Teams bei fast jedem aufeinanderfolgenden Event. Diesmal gelang Leonie Meyer und Elena Stoffers einmal wieder das beste deutsche Ergebnis auf Rang acht. Lutz/Beucke wurden 14. Görge/Görge 18.  Ziemlich außer Form präsentieren sich zurzeit  Jurczok/Lorenz, die nach Platz 24 in Palma nun auch über Rang 25 nicht hinaus kamen.

Im Laser legte Phillip Buhl nach zwei grandiosen Erfolgen diesmal eine kleine Ruhepause ein. Aber Platz 15 ist im immer eng zusammenliegenden Laser Feld auch kein Desaster. Immerhin gelang ihm wieder einmal ein Laufsieg. Zum Schluss setzte er alles auf eine Karte, um noch im Medalrace auftrumpfen zu können.  Aber Platz 36 warf ihn zurück.

Neben der enormen Leistung der Olympioniken konnte das Sailing Team Germany auch im paralympischen Bereich Erfolge verbuchen. Heiko Kröger musste diesmal als Dritter im 2.4 seinem alten französischen Rivalen Damien Seguin den Vortritt lassen, der auch in französischen Profi Serie einen Diam24 Trimaran bewegt.

Außerdem ist mit dem Australier Matthew Bugg als Zweiter ein neues Gesicht in die Phalanx der 2.4 Spitze eingebrochen. Lasse Klötzing wird auch immer besser, landete einen Sieg im 18 Boote Feld und belegte schließlich Platz sieben. Auch die Sonar-Crew von Jens Kroker/Robert Prem/Siegmund Mainka holte Bronze gegen sechs Konkurrenten.

Ergebnisse Hyères Weltcup

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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