IMOCA: 5 Tage-Spektakel beim Dèfi Azimut/Lorient – 14 Boote dabei, mit neuer „11th Hour“

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14 IMOCA treffen kommende Woche beim traditionellen Speed-Spektakel „Defi Azimut“ aufeinander. Highlight: Der erste Auftritt der nagelneuen 11th Hour Racing“, konzipiert für das Ocean Race im nächsten Jahr. 

Langsam, aber sicher wird’s wieder mal voll im Hafen La Base vor Lorient. Nachdem zuletzt die Figaros während eines Etappen-Stopovers der „Solitaire“ hier die Stege belegten und die zahlreichen Fans der Figaristen sich auf denselben drängelten, sind jetzt wieder die IMOCA mit einer Show an der Reihe. Also müssen die 34 Minis, die derzeit in la Base von den Kran-Meistern Gildas und Yannick zu Wasser gelassen werden und die sich für die Überführung zum Mini-Transat-Starthafen les Sables d’Olonnes vorbereiten, in dichte 5er-Reihen gepackt werden.

Es gilt ab kommendem Wochenende 14 IMOCA unterzubringen – kein Problem in La Base, wo man sich für solche Events vor zwei Jahren einen x-tra-großen IMOCA-Steg anbauen ließ.

Fünf-Tage-Spektakel

Das „Defi-Azimuth-Rennen ist eine dieser Regatten, die sich durch abwechslungsreiche Formate und entsprechend große Beteiligung fest in die Terminliste der IMOCA-Segler und -Seglerinnen eingetragen hat (SR-Bericht vom letzten Jahr). 

Die nagelneue IMOCA 11th Hour Racing – gebaut … nein, nicht für die Solo-Vendée Globe, sondern fürs Crew-Rennen Ocean Race © Ross

Beginn am kommenden Mittwoch mit den „Runs“: Über eine je nach Windstärke festgelegte Stecke (ca. 1 Seemeile) hat jedes teilnehmende Boot mehrfach die Chance, mit möglichst Full Speed zu rasen. Je mehr „Druck in der Luft” ist, desto größer der Spaß- und performance-Faktor bei den Beteiligten und bei den Zuschauern, die sich meist auf Hunderten Booten entlang der Strecke das Spektakel anschauen. Sieger ist, logisch, wer die Runs in der schnellsten Zeit schafft. 

Tags drauf fällt der Startschuss zu 48-Stunden-Regatta: Zwei Segler respektive Seglerinnen und 1 Mediamensch segeln einen Dreieckskurs in der Biskaya, für den sie je nach Wetterlage ca. 48 Stunden benötigen werden. Zum Abschluss dann noch ein Rennen rund um die Insel Groix vor Lorient, das mit großer Crew bestritten wird, weil reichlich Manöver in kurzer Zeit zu absolvieren sind. 

Wurde das Defi Azimut früher eher als Spektakel und großes Spaß-Event angesehen, bei dem auch die Sponsoren auf ihre Kosten kamen, hat sich das nun grundlegend geändert: Seit diesem Jahr nimmt die Azimut an der IMOCA Globe Series 2021-25 teil, und zwar als Koeffizient-1-Rennen. Nach der 48 Stunden-Regatta erhält der Sieger somit 14 Punkte (Anzahl der Teilnehmer), der Zweite 13, der Dritte 12 usw. 

Mehr Sport als Gedöns

Eine Aufwertung des Rennens, das sich in diesem Jahr noch nicht in übermäßig vielen Teilnehmern niederschlägt. Denn traditionell gewinnt diese Regatta umso mehr Akzeptanz, je näher die Vendée Globe rückt. Es können  aber immerhin auch Qualifikationspunkte für die Transat Jacques Vabre gesammelt werden. 

So sieht herrmanns Malizia heute aus – immer noch ein starker Foiler, mit Romain Attanasio als Skipper © riou

In diesem Jahr ist die „Défi Azimut“ die dritte IMOCA-Regatta der Saison und zudem die letzten Möglichkeit, sich in Sachen Speed mit der Konkurrenz zu messen, bevor das Saison-Highlight Transat Jacques Vabre (Zweihand-Transat, Start 7.11. in Le Havre) angeschossen wird. 

Die Szene in Lorient geht jedenfalls davon aus, dass in diesem Jahr mehr Sport und Wettkampf als Spaß und Gedöns bei den meisten Teilnehmern auf dem Programm steht. 

Wer könnte das Rennen machen? Es sind für die nächste Woche ehe leichte Winde vorhergesagt, so dass auch die etwas älteren Boote durchaus ihre Chancen haben dürften. Sicher ist nur eines: Der Vorjahressieger Jeremie Beyou auf „Charal“ wird seinen Triumph nicht wiederholen, da er gar nicht erst antritt. Der spektakuläre, silberschwarze Foiler „Charal“ raste auf dem Rückweg vom Fastnet Race auf ein UFO und fristet seitdem sein Dasein in der Werfthalle zwecks Reparatur. 

Neue IMOCA, aber (erstmal) nicht für die Vendée Globe

Ganz besonders gespannt ist die Szene auf den Auftritt von 11th Hour Racing. Der nagelneue IMOCA ist der erste seiner Art, der zunächst für das anstehende Ocean Race 2022/23 (mit Fünfer-Crew) gebaut wurde. Die beiden Skipper Charlie Enright und Pascal Bidégorry werden sich auf dem von Guillaume Verdier gezeichneten Renner erstmals der (ziemlich gespannten) Konkurrenz stellen. Schon allein dieser Auftritt ist die ganze Regatta wert und wird vor allem Segler wie Charlie Dalin und Paul Meilhat interessieren, die auf „Apivia“ das Fastnet Race überragend gewonnen haben. Auch Thomas Ruyant und Morgan Lagraviere wollen in Sachen „Speed“ auf „LinkedOut“, nach ihrem zweiten Rang beim Ocean Race Europe (nach den deutschen Siegern Offshore Team Germany auf „Einstein“) wieder von sich reden machen. 

Apivia im Flugmodus © horlaville

Wie viele andere sieht Louis Burton, der zusammen mit Davy Beaudart auf Bureau Vallée (ex L’Occitane en Provence) dabei sein wird, jedoch die beiden Letztgenannten Apivia und LinkedOut als Referenzboote an: „Die Skipper und Skipperinnen, die es zu schlagen gilt, sind in erster Linie diejenigen, die ihr Boot seit einiger Zeit segeln und genau dies zu einer hohen Kunst gemacht haben.“ Zum elften Mal wird Louis, der noch nie eine Ausgabe dieses Rennens verpasst hat, von Saint-Malo aus um die Bretagne herum nach Lorient segeln.

Viel Talent und reichlich Technik

Übrigens, im Gegensatz zu Konkurrenten, die ihre Foils mittlerweile mehrfach gewechselt haben, profitiert Charlie Dalin auf „Apivia“ von einem Foilpaar, das vor der Vendée Globe getestet wurde und das länger und im Prinzip leistungsfähiger ist. „Es stimmt, dass dies beim Segeln vor dem Wind und beim Reach ein Vorteil sein sollte”, erklärt Paul Meilhat, Co-Skipper. Der Vorteil der Azimuth Challenge und insbesondere der 48-Stunden-Regatta ist jedoch, dass der Kurs im letzten Moment je nach Wetterlage ausgewählt wird. So komme es eher auf die Segler und deren Flexibilität als aufs Material an, präzisiert er.

Isabelle Joschkes MACSF steht als etwas älteres Boot in Sachen Highspeed den neueren Konstruktionen kaum nach © Liot

Apropos Segler, Talent und Erfahrung: Da wären weiterhin Teams wie Sébastien Simon und Yann Eliès (ARKÉA PAPREC), Nicolas Troussel und Sébastien Josse (CORUM L’Épargne), Damien Seguin und Benjamin Dutreux (Groupe APICIL) zu nennen. Oder Romain Attanasio und Sébastien Marsset (Fortinet-Best Western), die mit der ex-Malizia von Boris Herrmann endlich ein Boot „unterm Hintern“ haben, das ihren Talenten und Fähigkeiten entspricht. Sam Davies und Nicolas Lunven (Initiatives-Coeur) werden ebenfalls auf ihre Erfahrung zurückgreifen müssen, ebenso wie Isabelle Joschke und Alain Gautier (MACSF). Dass Isabelle ihren Teamchef Gautier (Sieger der zweiten Vendée Globe) als Co-Skipper dabei haben wird, hat pragmatische Gründe. Denn Fabien Delahaye, mit sie eigentlich die Saison 2021 bestreitet, segelt derzeit bei der Solitaire du Figaro, wo er in der Gesamtwertung auf einem hervorragenden Rang 7 nach 3 von 4 Etappen liegt. Aus den Reihen von Joschkes Rennstall ist zu vernehmen, dass Alain Gautier über die „ärgerliche“ Terminüberschneidung ganz und gar nicht unglücklich sei… 

11 th Hour Racing mit gleich zwei Booten dabei

Eine gewisse Aufmerksamkeit wird auch dem britisch-schweizerischen Paar Simon Fisher/Justine Mettraux auf der zweiten und älteren 11th Hour Racing (ex Hugo Boss von 2016) im Rennen gezollt werden. Die beiden führen derzeit nämlich die IMOCA Globe Series Championship an. Justine Mettraux: „Wir sind natürlich hier, um Punkte zu sammeln, aber auch, um zu lernen, da wir beide uns noch eher als Anfänger sehen!“ 

Auch die Boote der älteren Generation könnten bei den derzeit etwas unstetigen, eher schwachen  Wetterverhältnissen punkten. Arnaud Boissières nimmt den jungen Guadeloupeaner Rodolphe Sépho an Bord, um seine Erfahrungen weiterzugeben. Clément Giraud wird zum ersten Mal an der Seite von Erik Nigon segeln. Die beiden Männer verbindet das Farr-Design von 2008, das Erik an Clément für die letzte Vendée Globe (Compagnie du Lit) verlieh.

In jedem Fall handelt es sich bei der Konkurrenz für die anstehende Defi Azimuth um„un beau plateau“, wie die Franzosen sagen würden. Als letzter Check vor Großem wie die Transat Jacques Vabre 2021 oder im letzten Jahr die Vendée Globe hat sich die Defi Azimuth seit jeher bewährt. Es lohnt sich also, per Tracker ab kommenden Mittwoch, 15 h dabei zu sein. 

Website inkl. Tracker

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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