IMOCA: “Charal” gewinnt 1,2 Meilen Speed-Run – Warmlaufen für den Atlantik

Zeigt her eure Flügel

Kaum Welle, strahlende Sonne und mehr als 20 Knoten Wind. Ideale Bedingungen für den Speed-Run beim Azimut Challenge. Nahe dran am 30 Knoten-Schnitt. Danach sind 21 IMOCAs zur 48-Stunden-Regatta gestartet. Der Favorit ist überlegen.

Formtest für den Saisonhöhepunkt, das Transat Jacques Vabre, zweihand über den Atlantik. Vor Lorient sind 21 IMOCA 60 Fußer bei der Azimut Challenge gestartet, einem 48-Stunden-Rennen vor der französischen Küste. Einige der Neubauten treten gegen die schnellsten aufgerüsteten Monohulls an.

Dabei durften die Boote beim Auftakt ihre Schokoladenseite zeigen, als es darum ging, die beste Zeit auf einer 1,2 Meilen langen Strecke zu erreichen. Esl wehte mit über 22 Knoten und viele Beobachter hatten erwartet, dass ein Schnitt von 30 Knoten erreicht werden könnte. Aber der schnellste IMOCA “Charal”, erster Foiler der neuesten Generation und Fastnet-Race-Sieger, brachte es schließlich mit seiner Bestzeit auf einen 26,18 Knoten Schnitt.

Charal von Jérémie Beyou ist der zurzeit schnellste IMOCA. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

Für Kevin Escoffier wurde PRB mit Foils nachgerüstet. Sie ist zurzeit der schnellste “alte” IMOCA. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

Drei Läufe durfte Jérémy Beyou mit Co-Skipper Christopher Pratt absolvieren, zweimal raste er unter die Top drei und bestätigte damit, dass er nach einem Jahr Optimierungszeit deutlich schneller ist, als die jüngst vom Stapel gelaufenen “Arkéa-Paprec” von Sebastien Simon oder Thomas Ruyant mit “aDvens for Cybersecurity”.

Auf Augenhöhe bewegte sich dagegen die mit Tragflächen nachgerüstete “PRB”, die bei der vergangenen Vendée Globe bis zu ihrem Ausfall das schnellste Schiff ohne Foils war. Die älteren Designs sind mit weit ausladenden Profilen ausgerüstet worden und können damit extrem viel Power entwickeln. Deshalb ist es keine Überraschung, dass Kevin Escoffier beim Speedrun die zweitbeste Zeit erreichte.

Die zehn besten Zeiten auf 1,2 Meilen

1-Charal : 2’45
2-PRB : 2’59
3-Charal : 3’00
4-Arkéa-Paprec : 3’12
5-PRB : 3’13
6-aDvens for Cybersecurity : 3’14
7-Arkéa-Paprec : 3’19
8-MACSF : 3’19
9-11th Hour : 3’20
10-Initiatives Cœur : 3’24

Erst danach wurde es aber richtig ernst. Vor Lorient erfolgte der Start zum 665 Meilen langen Hauptrennen des Azimut Challenge. Bei starken Raumschotsbedingungen stand insbesondere die Frage im Raum, wie sich der amerikanische Volvo Ocean Profi Charlie Enright mit der alten Hugo Boss schlagen würde. Schließlich konnte er für seine neu benannte “11th Hour” sogar die Navigator-Legende Pascal Bidegorry einkaufen, der mit Dongfeng das vergangene Volvo Ocean Race gewonnen hat.

Der erste Eindruck: Enright segelt erwartet stark. Zwar scheint gegen “Charal” kein Kraut gewachsen – Beyou hat schnell eine solide Führung eingenommen – aber das schwarze ex Boot von Alex Thomson übernahm auf dem Weg zur südlichen Wendetonne schnell einen soliden zweiten Platz. Zuletzt sah es sogar so aus, als wenn ein ernsthafter Angriff auf “Charal” erfolgen könnte.

Kurz nach dem Start der Azimut Challenge hat Charal klar die Führung übernommen vor der alten Hugo Boss.

Azimut Challenge Tracker

Aber die Duos nutzen diese Veranstaltung eher für einen Leistungstest im Hinblick auf das Transat Jacque Vabre. Besonders die Skipper der Neubauten tasten sich noch an die Grenzen der Leistungsfähigkeit ihrer Yachten heran. Dabei ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die Foil-Designs zurzeit ausfallen.

Die ehemalige “Banque Populaire” hat die vergangene Vendée Globe gewonnen und weist noch ein klassisches Foil-Design auf wie auch “Malizia”. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

MACSF ex Safran von 2007 ist für Isabelle Joschke mit langen Foils bestückt worden. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

Sébastien Simon mit seinem Arkea-Paprec Neubau. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

 

 

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „IMOCA: “Charal” gewinnt 1,2 Meilen Speed-Run – Warmlaufen für den Atlantik“

  1. avatar jorgo sagt:

    Der Klimawandel schlägt immer neue Kapriolen:

    Jetzt weht der Mistral schon auf dem Atlantik vor Lorient…. bald auch auf der Ostsee?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar miku sagt:

    Jep, nach kurzfristigem Abstecher zu atlantischen Gewässern weht der Mistral jetzt wieder verlässlich in den Golfe du Lion, ergo Richtung Mittelmeer!😏

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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