IMOCA Foiler: Tragfläche abgebrochen – Arkea Paprec will trotzdem über den Atlantik

"Plötzlich ein Knall"

Auf dem neuen IMOCA Kouyoumdjian-Design von Sebastien Simon ist bei der Überführung zum Transat-Jacques-Vabre-Start das Backbord-Foil gebrochen. Der Anfang einer Pannen-Serie für die Atlantik-Regatta?

Die neue Generation der 60 Fuß IMOCA Foiler bringt spektakuläre Yachten hervor. Die speziell für die jüngsten Versionen der seitlich aus dem Rumpf ragenden Tragflächen konstruierten Einrumpfer begeistern Segelfans und Sponsoren mit rasanten Gleitfahrten. Aber wie sieht es aus, wenn diese Gefährte in wirklich böser See 2020 um die Welt geprügelt werden – einhand.

Immer noch ist es kaum vorstellbar, wie die schmalen, langen Karbon-Konstruktionen die rund neun Tonnen schweren Rümpfe auch über die Southern-Ocean-Brecher heben sollen. Sie wiegen zwar selber gut 300 Kilogramm, sind aber länger und weisen kompliziertere Strukturen und Formen auf, als noch bei der vergangenen Vendée Globe (Banque Populaire und Hugo Boss).

Arkea Paprec hebt ab – noch im Besit zweier Tragflächen. © Defi Azimut

Offenbar ist die Befürchtung, dass diese neuen IMOCAs größte Schwierigkeiten haben werden, in einem Stück um die Welt zu rasen, nicht so abwegig. Auch wenn die klügsten Köpfe der Yachtbranche mit ihren immer ausgefeilteren Computer-Tools die auftretenden Belastungen viel genauer antizipieren müssten als noch vor vier Jahren vor der vergangenen Vendée Globe.

Backbord-Foil gebrochen

Aber der Drang, im Wettbewerb mit der Konkurrenz die Limits auszureizen, wird wohl immer wieder für Rückschläge sorgen. Das mussten Sebastien Simon und Vincent Riou mit ihrer neuen Arkea Paprec erleben, dem Neubau vom argentinischen Star-Designer Juan Kouyoumdjian.

“Plötzlich hörten wir einen Knall”, sagt Skipper Simon. Er überführte das Schiff von Port-La-Forêtnach Le Havre für den Start der Transat Jacques Vabre. Etwa eine Stunde vor dem Hafen brach die Backbord-Tragfläche einfach ab. Direkt am Austritt aus dem Rumpf. Der Speed betrug zum Zeitpunkt des Schadens rund 25 Knoten, und es herrschte kein großer Wellengang. Eine Kollision mit Treibgut wird vom Team bisher nicht als mögliche Ursache angegeben.

“Glücklicherweise ist das Boot dabei nicht beschädigt worden, und wir konnten sicher nach Le Havre segeln. Aber nun werden wir den Rest des Foils analysieren, um zu verstehen, was passiert ist.”

Den Speed-Vergleich nutzen

Simon macht aber auch klar, dass es für ihn und Co-Skipper Riou kein Grund ist, die Transat Jacques Vabre abzusagen. Man wolle dann eben nur mit einem Foil über den Atlantik. “Wir werden von dieser Erfahrung profitieren für die Vendée Globe im nächsten Jahr.”

Tatsächlich segelte bei der vergangenen Einhand-um-die-Welt-Regatta Alex Thomson auf seiner “Hugo Boss” auch einen Großteil der Regatta mit nur einem Foil. Und er machte trotzdem ordentlich Druck auf Armel Le Cleac’h. Aber die neuen IMOCAs sollen noch mehr auf die Hilfe ihrer “Stützräder” angewiesen sein. Es wird sich zeigen, ob das Duo wirklich den weiten Weg über den Atlantik beenden wird.

Wahrscheinlicher ist es, dass die ersten Meilen zum Speed-Vergleich genutzt werden, so lange die Steuerbord-Tragfläche eingesetzt werden kann. Wenn Simon und Riou früh abreißen lassen müssen, macht die Regatta für sie nur noch wenig Sinn.

Hohe Ausfallquote befürchtet

Mit dem Schaden von Arkea Paprec bestätigen sich die Befürchtungen vieler Beobachter, dass die kommende Atlantik-Regatta eine beispiellose Pannen-Serie nach sich ziehen könnte. Die TJV gilt ebenso als Generalprobe für die kommende Vendée wie 2015. Damals lag die Ausfallquote schon in einer frühen Phase bei 40 Prozent. Vier von fünf IMOCA Neubauten fielen aus. Alex Thomson musste sich sogar abbergen lassen.

Diesmal gibt es noch mehr neue IMOCAs und sie sind alles andere als ausreichend erprobt für den harten Test. Dennoch ist der Vergleich mit der Konkurrenz wichtig für neue Erkenntnisse. Deshalb zeigt die Vergangenheit, dass die Skipper auch taktisch versuchen, möglichst lange bei der Konkurrenz zu bleiben.

Andererseits gehen sie den härtesten Stürmen aus dem Weg, um keine Projekt-gefährdenden Schäden hinnehmen zu müssen. Es steht zu befürchten, dass der Arkea-Paprec-Bruch nicht der erste seiner Art sein wird.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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