IMOCA: Sechs Vendée Foiler-Neubauten – Volvo-Veteranen sind skeptisch

"Eine schlechte Idee"

Die IMOCA-Klasse erkennt einen “Neubau-Boom” für die Vendée. Mit dem Volvo-Ocean-Race hat das wohl wenig zu tun. Crews brauchen andere Boote und es wird teuer.

Route du Rhum, Qualifikation

Der Stier “Charal” in Action © charal

Bertrand Pacé (57) gilt als einer der renommiertesten Segler Frankreichs. Das Wort des Match-Race-Weltmeisters, America’s Cup-Steuermannes, -Navigators und sowie Coaches vom Dongfeng- und “Charal”-Team hat Gewicht. Und so hallt sein Urteil über die Volvo-Ocean-Race-Entscheidung, auf die IMOCA-Yachten umzusteigen mächtig nach in der internationalen Segelwelt.

“Charal” hebt ab. © Yvan Zedda

In einem Interview mit der französischen Zeitschrift Voile et Voiliers sagt er: “Das klingt für mich nach einer schlechten Idee!” Es sei einfach nicht möglich, beide Veranstaltungen mit dem selben Boot auf hohem Niveau zu segeln.

Bertrand Pacé

Bertrand Pacé © JEAN-MARIE LIOT

Auf der neuen IMOCA “Charal” gehe es beengter zu als auf einer Figaro 2. Platz für eine fünfköpfige Crew ist nicht vorhanden. Auch das manuelle Steuern sei eher schwierig. Die Einhand IMOCAs werden überwiegend per Autopilot gesteuert, und das soll beim Volvo Ocean Race verboten sein. “VOR und Vendee im IMOCA zu verbinden erscheint mir eine eigentlich gute, aber doch fehlgeleitete Idee. Wir müssen fast alles überdenken.”

Die Absicht, parallel auch noch Jugendteams mit den VO65 Onedesigns segeln zu lassen, hält er für einen möglichen Killer der Veranstaltung.  “Das wird zu einem großen Durcheinander führen.”

Mapfre macht sich bereit

Xabi Fernandez, der als Mapfre-Skipper nur hauchdünn den Sieg beim Volvo Ocean Race verpasst hat, sieht das grundlegende Problem ähnlich. Er glaubt auch nicht daran, dass Vendée und Volvo mit dem gleichen IMOCA-Design gesegelt werden können. In einem Interview mit französischen Medien sagt er:

“Es ist wie damals mit den Volvo 70. Man muss schnell ein großes Budget aufbringen, und die Designer früh genug beginnen lassen.” Fernandez arbeitet zurzeit wieder für das britische America’s Cup Team von Ben Ainslie, aber er hat schon das nächste um-die-Welt-Rennen im Auge, das dann nicht mehr Volvo Ocean Race heißt.

Xabi Fernandez ist 2017 erstmals alleinverantwortlicher Skipper bei Mapfre. © Mapfre

Er sagt, dass Mapfre sehr zufrieden war und glaubt, zusammen mit dem spanischen Sponsor wieder ein Projekt auf die Beine stellen zu können. Die Ausgaben für die VO65 Onedesigns bei der vergangenen VOR-Ausgabe werden auf 10 bis 12 Millionen Euro geschätzt, diesmal ist wohl ein deutlich höheres Budget erforderlich. Fernandez beziffert es mit 25 Millionen Euro.

Drei bis fünf neue Boote?

“Eines der Probleme mit diesen Booten wird die Zuverlässigkeit sein. Deshalb muss man genügend Geld aufwenden, um ein gutes Boot zu entwerfen, und genügend Zeit zum Trainieren und zum Probieren einiger Foil-Sätze zu haben. Es wäre wohl verrückt, das mit einem alten Boot zu versuchen.”

Eine spezielle IMOCA-Erfahrung hält der Spanier nicht für wichtig. “Man braucht einfach gute Segler. Wir hatten ein sehr gutes Beispiel mit Blair Tuke, dem 49er Olmpiasieger. Junge Segler können beim VOR sehr schnell zeigen, wie gut sie sind.”

Fernandez glaubt, dass nicht mehr als drei bis fünf neue Boote starten werden und vielleicht ebenso viele gebrauchte IMOCAs. “Ich hoffe nur, dass wir ein schnelles Boot bekommen, das gut genug ist, um die ganze Zeit vorne mitzumischen. Ein großer Nachteil bei dieser Art von Rennen ist, dass man am ersten Tag schon erkennt, ob man langsam ist. Dann wird es ein sehr, sehr langes Rennen.”

Vier Konstrukteure

Zuvor hatte die IMOCA-Klasse gejubelt, dass 2019 wohl sechs neue Foiler fertiggestellt werden. Jérémie Beyou’s “Charal” ist die erste und einzige IMOCA der neuen Generation, aber weitere werden folgen. Die Skipper: Alex Thomson, Charlie Dalin, Sébastien Simon, Armel Tripon, Kojiro Shiraishi und Thomas Ruyant.

Die Boote stammen aus der Feder von vier verschiedenen Konstrukteuren, Juan Kouyoumdjian, Guillaume Verdier, Sam Manuard und das VPLP-Team. Ein achtes Boot scheint möglich, das in der Form eines der aktuell neugebauten Schiffe entstehen soll.

Die IMOCA-Klasse führt in ihrer jüngsten Pressemitteilung die positive Entwicklung auf die Kooperation mit dem Ocean Race zurück, aber dieser Zusammenhang scheint so nicht zu bestehen, wenn man den Ausführungen  der Profis folgt. Zwei verschiedene IMOCA-Versionen scheinen notwendig, um die jeweiligen Rennen gewinnen zu können. 

Dennoch gibt es Verbindungen zwischen beiden Welten. Dongfeng-Vorschiffsmann Kevin Escoffier übernimmt von Vincent Riou das Ruder der zum Foiler umgebauten “PRB”, zurzeit eine der drei schnellsten IMOCAs der Welt. Im Alter von 38 Jahren bereitet Escoffier nun den Umstieg zur Einhandsegelei vor und will bei der Vendée Globe dabei sein. Riou führt die Rolle des Coaches aus. Er verzichtet auf seine fünfte Vendée.

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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