Frauensegeln: Weltseglerin des Jahres Marie Riou beim SailGP aussortiert

"Weiterhin eng befreundet"

Wie gut können Frauen beim Segeln gegen die Männer bestehen? Marie Riou hat gezeigt, dass es auf höchster Ebene eigentlich möglich sein sollte. Nun aber ist sie aber beim SailGP draußen.

Marie Riou als einzige Frau an Bord des französischen Teams. © Sail GP

Marie Riou ist das Aushängeschild der Frauen im Segelsport. Die 38-jährige Französin hat bisher gezeigt, dass weibliche Seglerinnen durchaus gegen die Männer bestehen können, wenn reine Kraftwerte keine große Rolle spielen.

Zwar half ihr bei den jüngsten Erfolgen die Frauen-Quote. Die unglaubliche Serie der vier aufeinanderfolgenden WM-Titel im Nacra17 (2013 bis 16) mit Steuermann Billy Besson waren durch die Mixed-Wertung möglich, und auch ihrem Volvo Ocean Race Erfolg mit Dongfeng liegt ein vorgeschriebene Frauenanteil zugrunde. Aber im SailGP auf den schnellsten Regattabooten der Welt war sie allein durch ihre seglerischen Fähigkeiten gefragt. Das französische Team um ihren Nacra17-Skipper Besson setzte sie als Flight Controller ein. Sie war dafür zuständig, den Winkel der Schwert- und Ruder-Tragfläche so einzustellen, dass sich der Katamaran im Flugmodus hält.

Hier wird diese Position beschrieben:

Eine filigrane Arbeit, die keine schwere Muskelanstrengung erfordert, aber Riou hat es nun offenbar doch nicht geschafft, die Verantwortlichen von ihrer Leistungsfähigkeit zu überzeugen. Sie ist jedenfalls in der neuen SailGP-Saison nicht für Frankreich an Bord.

Olympia-Quali verloren

Dabei hätte sie Zeit. Denn die Olympia-Kampagne im Nacra17 ist beendet. Zusammen mit Billy Besson hat sie es nicht geschafft, sich ein zweites Mal für olympische Spiele zu qualifizieren. Die Gewinnerin des Rolex World Sailors of the Year Award 2018 (zusammen mit Dongfeng Teamkollegin Carolijn Brouwer) ist im aktuellen Olympia-Zyklus, seit die Nacras mit Tragflächen bestückt wurden, nie mehr so richtig in Fahrt gekommen. Platz 15 bei der jüngsten WM in Auckland bedeutete die Niederlage in der internen Olympia-Qualifikation.

Marie Riou als Flight Controller beim französischen SailGP Team. © SailGP

Während sich Besson allerdings als Steuermann nun voll auf den SailGP stürzen kann, ist für Riou kein Platz mehr. In der Pressemitteilung heißt es dazu: “Das Duo, das zusammen vier Weltmeistertitel errungen hat, bleibt trotz des gemeinsamen Endes dieses Kapitels weiterhin eng befreundet.”

Die Franzosen waren in der ersten SailGP-Saison dann doch oft chancenlos hinterher gesegelt und schließlich Vorletzte geworden. 40 Tage vor dem Start der zweiten Saison in Sydney soll nun durch eine personelles Upgrade eine deutliche Verbesserung eingeleitet werden.

So kommt der belgisch-kanadische Segelexperte Bruno Dubois als Teammanager von dem abgemeldeten chinesischen Team dazu, und möglicherweise geht damit auch die Demission von Riou einher. Jedenfalls wird die Schlüsselposition des Flight-Controllers nun durch den Mehrrumpfexperten und Match-Race-Spezialisten François Morvan bekleidet. Er gehörte in der Saison 2019 als Ersatzmann zum Team und soll schon einige Einheiten am Simulator erfolgreich hinter sich gebracht haben.

Neuer junger Grinder

Außerdem treten die Franzosen mit dem neuen Trainer Thierry Douillard an, der große Fähigkeiten in der Datenanalyse haben und sich im angelsächsischen Umfeld wohlfühlen soll. Darüberhinaus wird die Crew durch den jungen Grinder Jules Bidegaray (25) verstärkt, der sich in einem größeren Rekrutierungsprozess durchgesetzt hat.

Team France vor dem Openhaus in Sydney © Eloi Stichelbaut for SailGP

Matthieu Vandame bleibt als Flügeltrimmer erhalten. Er muss es ab dem zweiten Event mit seiner Erfahrung schaffen, möglichst schnell den neuen modularen Segelflügel auf den Einheitskatamaranen zu kontrollieren, der ab der zweiten Veranstaltung der Saison in San Francisco (2. bis 3. Mai) zum Einsatz kommen wird.

Er kann die Größe verändern, indem das Top auf 18 m Höhe abgesenkt oder auf 24 m Höhe ausgefahren wird. Dadurch kann das Profil an eine größere Bandbreite von Segelbedingungen angepasst werden. Entsprechend soll die Geschwindigkeit der F50 Katamarane weiter steigen. Die 50 Knoten dürften dauerhaft überschritten werden

Die Crew darf in der neuen Konstellation erst ab dem 20. Februar in Sydney trainieren bevor die eigentliche Veranstaltung am 28. und 29. Februar über die Bühne geht. Zuvor kann sie sich nur bei zwei Simulator-Einheiten auf die neuen Anforderungen vorbereiten.

Die Besatzung des französischen SailGP-Teams für 2020:

Billy Besson/ Steuermann – Alter: 38 – Heimatstadt Sevrier, Frankreich
François Morvan / Flight-Controller – Alter: 36 Jahre – Heimatstadt: Nantes, Frankreich
Matthieu Vandame / Wing Trimmer – Age: 37 –  Hometown: Rennes, France
Olivier Herledant / Grinder – Age: 39 Hometown: Douarnenez, France
Devan Le Bihan / Grinder – Age: 36 – Hometown: Hennebont, France
Timothé Lapauw / Grinder – Age: 27 – Hometown: Antibes, France
Jules Bidegaray / Young Grinder – Age: 24 – Hometown: Hyères, France

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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