Seenot: Maxi “Beau Geste” mit Gavin Brady knapp vor Untergang gerettet

Riss bis zum Kiel

Der 80 Fußer "Beau Geste" ist einer der schnellsten Monohulls der Welt. © Rolex

Wie unheimlich muss das gewesen sein? “Es gab einen lauten Bang, dann entdeckten wir einen großen Riss, der quer durch das Boot verlief”, erzählt ex BMW Oracle Steuermann Gavin Brady im neuseeländischen Fernsehen nach seiner Rettung von dem 24 Meter Maxi “Beau Geste”.

Der Skipper hatte befürchtet, dass der 80 Fußer beim Rennen von Auckland nach Noumea in Neu Kaledonien, bei dem sie 180 Meilen in Führung lagen, in der Mitte durchbrechen würde.  “Wir sahen an der Seite am Rumpf entlang und erkannten, dass der Riss bis zum Kiel verlief.” Das Schiff habe Wasser übernommen, die Pumpen arbeiteten auf Hochtouren.

Die 18-Köpfige Crew machte die Rettungsinseln klar und bereitete sich darauf vor, das Schiff zu verlassen. “Ich telefonierte mit dem Designer Bruce Farr und er empfahl, das Schiff sofort zu verlassen.”

Aber bei Starkwind mit bis zu 50 Knoten 100 Meilen östlich von Norfolk Island habe er davon abgesehen, bevor Hilfe in unmittelbarer Nähe war. Die Neuseeländer mussten allerdings lange warten in der Nacht, bis um zwei Uhr morgens die Retter von Norfolk Island eintrafen. Die Crew hielt sich auf Deck auf im Bewusstsein, dass das Schiff jeden Moment sinken könnte.

"Beau Geste" kurz nach dem Start in Auckland. © sailnoumea.com

Bei abnehmendem Wind gelang es schließlich in Begleitung des Rettungsbootes vorsichtig mit dem Schiff nach Norfolk Island zu motoren und dort zu ankern. “Ich denke, wir hatten viel Glück”, sagt Brady. “Als wir den Bang hörten, befand sich ein Großteil der Crew unter Deck. Wir dachten daran, wie “One Australia” 1995 in 1:30 Minute versank (Video) und hatten ziemliche Angst.”

Brady glaubt, dass ein Design Problem zu dem Unglück führte. Ähnliche Strukturprobleme seien zuletzt auch beim Volvo Ocean Race passiert und “Beau Geste” habe schon 55000 Meilen zurückgelegt. Seit 2009 seien drei größere strukturelle Schäden aufgetreten.

Die Designer hätten an den Problemen gearbeitet, aber sie bekämen wohl die dynamischen Lasten nicht in den Griff, die bei den hohen Geschwindigkeiten auftreten. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei er nur mit etwa 80 Prozent der Maximalleistung gesegelt.

“Beau Geste” ist eine der schnellsten Rennyachten der Welt und gehört Karl C. Kwok aus Hong Kong, für den Gavin Brady seit vielen Jahren steuert. 2009 gewann sie die Line Honours beim Fastnet Race

“Beau Geste” 2010 im High Speed Modus beim RORC Caribbean 600 

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Carsten Kemmling

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11 Kommentare zu „Seenot: Maxi “Beau Geste” mit Gavin Brady knapp vor Untergang gerettet“

  1. avatar Seelenverkäufer sagt:

    Ich sags ja gerne, dass ganze Plastikzeug taugt nichts. Egal wie konstruiert,wird es haarig -wird es rissig. siehe auch Elan 40 bei der Nowo

    • avatar Uli sagt:

      Genau, wir bauen die Schiffe wieder aus Beton.
      …und übrigens, Baumwollsegel wären auch viel umweltfreundlicher als der ganze Polymerkrams.
      😉

    • avatar Constructur sagt:

      es ist ja wohl kein dauerfall, dass etwas kaputt geht. außerdem besteht dch ein erheblicher unterschied zwischen CFK und GFK. zudem ist es ein unterscheid ob serienboot oder One Off. bei einem serienboot kann man sehen wo die schwächen sind und sie mit der zeit ausbessern. geht bei einem one off nicht.

  2. avatar SR-Fan sagt:

    Tja, da kann Farr ja schon mal einen Verhaltenskodex fürs nächste VOR ausarbeiten 😉

    VG

  3. avatar Wilfried sagt:

    ich finde es immer wieder drollig wenn Crews und Skipper glauben zu meinen wo 80 % der Leistungsfähigkeit gerade bei dynamischen Lasten sind. Das einzige was die Wissen ist ob die Kiste noch mehr Segel verträgt ohne Umzukippen. Von den maximalen Lasten auf die Struktur wissen die gar nichts.

    • avatar Constructur sagt:

      falsch! es gibt mittlerweile Sensoren, programmiert von den IT Leuten der Konstrukteuren, die auf den B&G´s anzeigen können, bei wie viel Prozent des Leistungspotentials man ist. dadurch wissen die Skipper und die crew sehr genau wie hoch die Belastung ist.

    • avatar Uwe sagt:

      Der Skipper sprach von “80 Prozent der Maximalleistung” des Schiffes. Mit der Belastbarkeit des Schiffes hat diese Angabe nichts zu tun.

    • avatar Manfred sagt:

      Moin Wilfried,
      lies zu dem Thema auch mal den Artikel von VPLP in der aktuellen Seahorse. Solltest Du keinen Zugriff darauf haben, mail mich an.
      Smooth sailing!

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