Interview: Lennart Burke im Gespräch mit SR zu seinem Rang 2 bei Les Sables – Acores

„Das hat schon mal sehr gut funktioniert!“

Lennart Burke plaudert aus der Trickkiste: Wie  der erst 21-Jährige mit einem zweiten Rang (fast) die gesamte Mini-Elite düpierte. Strategie, Routing, Fehler, Schlafmanagement… „stay focused until the end“.

Lennar Burke: von Anfang an in Hochstimmung bei dieser ersten Etappe des SAS © blanchard

SR: Lennart, klassische Sportreporterfrage zu Beginn eine Interviews: Wie fühlt man sich nach einem zweiten Rang im Feld der versammelten, aktuellen Mini-Elite? Dein Endspurt war ja richtig spannend zu verfolgen.

Lennart Burke: Ja, das war auch für mich emotional. Eigentlich hatte ich mich mit dem dritten Rang abgefunden und konnte ja schließlich zufrieden damit sein. Aber ich hab dann doch bis zum Ende gekämpft, bin permanent richtig schnell gesegelt und 10 Stunden vor dem Ziel auf den zweiten Platz gerutscht. In dem Moment hab’ ich das noch gar nicht so richtig verstanden. Ich hab mir immer gesagt: Volle Konzentration, du bist schnell, du hast es nicht mehr weit zum Ziel, du schaffst das! Aber es war schon nervenaufreibend, wenn man nach so einer Etappe den Konkurrenten eine halbe, später eine Meile hinter sich hat. Logisch, als ich dann über der Ziellinie war, war ich nur noch überglücklich.

SR: Diese erste Etappe des modifizierten SAS war ja von leichten und teils sehr schwierigen Windverhältnissen geprägt. Kommt Dir das entgegen?

Lennart Burke: Auf der Melges habe ich mich tatsächlich als Leichtwindspezialisten gesehen, auf dem Mini ist das aber anders. Da fühle ich mich in fast allen Verhältnissen gleich gut und kann dann auch jeweils schnell segeln. Das habe ich im Training oft genug bewiesen. Ich glaube, wir aus der Trainingsgruppe in Lorient wären auch bei viel Wind richtig gut gewesen, weil wir mit Abstand das meiste Training absolviert hatten.

Eigentlich war Die gesamte Regatta ein einziger Schlüsselmoment © blanchard

Aus meiner Erfahrung weiß ich aber auch, dass bei wenig Wind das Bootshandling gar nicht so sehr entscheidend ist. Du musst mit der Taktik zurecht kommen und wissen, wie man das Boot schnell segelt. Ich bin kontinuierlich guten Speed gefahren, hab’ immer versucht, ein Maximum rauszuholen. Einige andere haben zum Beispiel nachts relativ viel verloren oder sie waren demotiviert, weil sie die nächste Flaute vor sich gesehen haben. Außerdem ist es mir gelungen, gegen Ende der Regatta keine großen Fehler zu machen, nachdem ich am Anfang durchaus mal „daneben gegriffen“ habe. 

SR: Was waren das für Fehler?

Lennart Burke: Auf dem ersten Upwind, als wir alle nach Westen segelten, hab ich zwei Konkurrenten beobachtet, die den Gennaker gesetzt haben. Das sah auch ganz gut aus – die waren aber deutlich weiter in Lee. Die müssen irgendwie einen anderen Wind gehabt haben, denn als ich auch den Gennaker oben hatte, konnte ich überhaupt nicht die gleich Höhe fahren. Da hab’ ich schon einiges verloren durch Setzen und Bergen und durch die fünf Minuten, die ich ihn dann oben hatte , bis ich gemerkt habe, dass hier etwas nicht stimmt. 

Der nächste Fehler war, dass ich durch diesen Verlust meine Wende früher als geplant gemacht habe. Meine Strategie war eigentlich, noch weiter in den Westen heraus zu fahren. Also war ich nicht mehr in meiner strategischen Planung. 

SR: In der darauf folgenden Nacht hast du dann wieder aufgeholt.

Lennart Burke: Ja, Wir hatten Rochebonne gerundet, den Gennaker gezogen. Alle anderen haben sich relativ weit westlich gehalten. Mein Routing war jedoch, erstmal östlich. Dann hatte ich noch die Worte des Trainers im Ohr, der empfohlen hatte, sich immer eher westlich zu halten, weil auf dem Kurs bald eine Flaute zu erwarten war und danach der “neue” Wind wieder zuerst westlich auftreten wird . Ich hab dann so ein Mittelding gemacht, bin erst nach Osten und dann im genau richtigen Moment in einem weiten Bogen um die anderen herum gefahren hab’ mich direkt vors Feld gesetzt. Ich muss sagen, das hat sehr gut funktioniert. 

SR: Mit solchen individuellen Entscheidungen hast du immerhin die meisten der derzeit besten Mini-Segler schlicht überholt. Wie fühlt sich das an, als Youngster?

Burke: Und dann hab’ ich das Feld von vorne kontrolliert © blanchard

Lennart Burke: Ein bisschen komisch ist das schon. Als ich dann wieder aufgeholt hatte, fühlte sich das gar nicht „wahr“ an. Für mich war klar: Du musst in der Szene noch einiges lernen; klar, ich kann segeln, aber ich brauche noch Erfahrungen und muss noch ordentlich was abgucken. Aber nun denke ich mir schon, dass ich meine Erwartungen etwas höher schrauben kann und noch einiges „mehr“ geht. 

SR: Setzt dich das jetzt nicht unter Druck?

Lennart Burke: Wie du ja eben schon gesagt hast: Ich bin jung, ich darf noch Fehler machen, aus denen werde ich dann wieder lernen und ich habe ja noch alles vor mir. Aber Druck? Den versuche ich mir immer auszureden!

Lennart Burke © champy mac lean

SR: In Einhandkreisen wird ja immer wieder betont, wie wichtig das Schlafmanagement bei Offshore-Regatten ist. Nun war diese Etappe noch nicht so richtig lang, es folgen aber mit den nächsten zwei Etappen durchaus mehr Tage und Nächte auf dem Wasser. Wie hältst Du es mit dem Schlafmangement?

Lennart Burke: Das ist eigentlich so pauschal nicht zu beantworten. Ich bin kein Typ für feste Schlafrythmen, also grundsätzlich um 20 oder 22 Uhr für 20 Minuten nach unten verschwinden. Bei mir – und besonders bei kürzeren Etappen wie der gerade beendeten – kommt es auf die äußeren Umstände an. Bei wenig Wind funktioniert der Autopilot hervorragend und man kann durchaus mal länger schlafen. Aber nur, wenn kein Konkurrent in der Nähe ist, wenn man mit dem Speed zufrieden ist, wenn im Prinzip alles in Ordnung ist. Das ändert sich natürlich bei viel Wind – aber auch da zählen zunächst eben die äußeren Umstände. In der ersten Nacht dieser Etappe habe ich jedenfalls relativ viel und gut geschlafen, weil ich für die nächsten Stunden ausgeruht sein wollte, um konzentriert zu handeln.

SR: Gibt es Schlüsselsituationen während dieser Etappe, von denen du sagen kannst, die haben dich entscheidend nach vorne gebracht oder vorne gehalten?

Lennart Burke: Nein, eigentlich nicht. Sondern eher so permanente Regeln, die ich befolgt habe. Immer konzentriert bleiben, immer aufmerksam sein, nie nachlassen, nicht auf kleinen Zwischenerfolgen ausruhen, nicht durch Misserfolge aus dem Konzept bringen lassen. Sagt Trainer Leglatin auch immer: „Stay focussed until the end!“ 

© blanchard

Vielleicht war aber auch der Start ein entscheidender Moment. Ich bin Mitte links gestartet und wenn man von Anfang an vorne dabei ist, hat man auch bei Offshore-Rennen gute Möglichkeiten, vorne zu bleiben. Links war eindeutig bevorteilt, hat mich gewundert, dass die meisten rechts starten wollten. Ich wollte dann aber nicht allzu weit weg vom Feld bleiben, also Mitte links… 

SR: Mit der nächsten Etappe geht es ja am Montag, den 10.8. weiter?

Lennart Burke: Ja, ich werde jetzt ein bisschen das Boot aufräumen, mich ausruhen. Am Boot ist ja nichts kaputt gegangen – auf meiner Liste steht, dass ich ein Tape erneuern muss! 

SR: Mit einer klassischen Fragen habe wir angefangen, und dann hören wir auch mit einem Klassiker auf: Was wünschst du Dir für die kommende Etappe an Wetterverhältnissen? Vielleicht mehr Druck in der Luft?

Lennart Burke: Ich wünsche mir genau das, was derzeit vorhergesagt ist – der Forecast sieht klasse aus für mich. Es gibt wohl erstmal eine lange, lange Kreuz bis Wolf Rock, dann einen Downwind bis Roscoff. Das sind super Bedingungen für meine Pogo 3. Sobald es gute Bedingungen für die Maxi-Plattbug-Minis gibt – wie raumere Kurse –  werden wir auf den Pogos etwas nervös.

SR: Danke für das Gespräch, Lennart. Und viel Erfolg bei Etappe 2 – auf dass die Pogo-Winde aus der richtigen Richtung wehen!

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Michael Kunst

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