ISAF Skandal: Dünne Reaktion auf Israel Sperre

"Das darf nicht wieder passieren"

Die mit Spannung erwartete Erklärung des Welt-Seglerverbandes World Sailing zum Skandal um das Startverbot der Israelischen Jugend-Weltmeister in Malaysia ist moderat ausgefallen.

RSX Surfer Israel

Yoav Omer, prominentes Opfer der Politik. Der 2015 U-19 Weltmeister durfte nicht in Malaysia starten. © RSX class

“In Zukunft soll so etwas nicht mehr passieren”, heißt es sinngemäß. “Alle Organisatoren von internationalen Segelwettkämpfen werden spezielle Bedingungen erfüllen müssen, die gewährleisten, dass Segler aller Nationen gleichgestellt teilnehmen können. Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden, müssen spezielle Sanktionen für alle zukünftig in diesem Land ausgetragenen Wettkämpfe ausgesprochen werden.”

In der nächsten Woche sollen die konkreten Bedingungen veröffentlicht werden. Sanktionen für den bestehenden Fall in Malaysia sind offenbar nicht zu erwarten. Vize Präsident Gary Jobson ließ bei der London Boat Show durchblicken, dass er nicht rückwärts gewandt agieren möchte.

“Die Regatta ist vorbei, und die beiden Israelis durften nicht starten. Wir sammeln immer noch die Fakten und werden in der nächsten Woche einen Bericht veröffentlichen.” Eine harte Strafe scheint er nicht zu erwarten. “Es ist sehr schwer, zurückzublicken.”

Wissen von Problemen

Es habe die Frage gegeben, ob man die Regatta hätte boykottieren sollen. Aber das hält Jobson für keine gute Maßnahme. Der Kritik, dass die ISAF schon 2011 bei der Vergabe der Regatta nach Malaysia von den zu erwartenden Problemen wusste, geht der bekannte Segel-TV-Kommentator aus dem Weg.

Er verweist darauf, dass es schon andere Fälle gegeben habe. So sei vor einem Jahr einem kubanischen Segler das Visum für den Miami Weltcup erst vier Tage nach dem Start ausgehändigt worden.

Die Politik in Malaysia sieht bei der Sperre offenbar nicht besonders unter Druck gesetzt von World Sailing. Sport Minister Khairy Jamaluddin hatte noch während der laufenden Regatta gesagt: “Heute haben wir gesehen, wie glücklich alle mit der Organisation in Malaysia sind. Von World Sailing ist mir gegenüber nichts von diesem Fall angetragen worden, denn sie kennen ja auch unsere Politik.” Der Verband sei über die Haltung von Malaysia  im Falle einer jeglichen Teilnahme von Israel bei einer Weltmeisterschaft im Land informiert worden.

Tischtennis-Verband macht Druck

Dass man auch heftiger reagieren kann, zeigt die Reaktion des Weltverbandes im Tischtennis, der kurz vor dem Beginn der Weltmeisterschaft ein ähnliches Problem droht. Malaysia will die Israelis nicht einreisen lassen.

Daraufhin droht der Tischtennis Verband dem Land mit einer zukünftigen Sperre für die Ausrichtung internationaler Wettbewerbe, wenn die Visa nicht ausgestellt werden. Eine Entscheidung in dem Streit ist noch nicht gefallen.

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „ISAF Skandal: Dünne Reaktion auf Israel Sperre“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Dann ist der der WM Titel in den betroffenen Surf Disziplinen nichts Wert, wenn der aktuelle Amtsinhaber seinen Titel nicht verteidigen durfte. Das geht dann auf die Kappe von World Sailing, da die Haltung von Malaysia nicht neu oder überraschend ist.
    Wenn ein Verband nicht allen Qualifizierten die Teilnahme “ermöglichen” kann, sind die Wettkämpfe nur eine Regatta und bestimmt keine Weltmeisterschaft.

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  2. avatar Frank sagt:

    Auf der Hochglanz Webseite der Veranstaltung und den Youth World Facebookseiten der ISAF sieht das alles super aus – toller Segelspass und -leistungen, tolle Landschaft, die Freude der Teilnehmer springt einem nur so ins Auge.
    Umso bedauerlicher finde ich sowohl dass eine solche großartige Veranstaltung sehenden Auges politisch missbraucht wurde als auch das dröhnende Schweigen der Mehrheit der teilnehmenden Verbände dazu. Der DSV hat sich mit einigen wenigen Verbänden schriftlich distanziert, ich hätte mir noch ein paar Signale und Denkanstöße vor Ort gewünscht, wie zum Beispiel den Verzicht auf eigene Farben bei den offiziellen Zeremonien.

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  3. avatar Christian sagt:

    Ein Verband, der sich “World Sailing” nennt, verliert jede Berechtigung dazu, sich so zu nennen, wenn er nicht dafür sorgen kann, dass WM wirklich Teilnehmern aus aller Welt offen stehen. Das feige Verhalten von Word Sailing “moderat” zu nennen, ist eine echte Untertreibung, lieber Carsten…

    Es wird immer Teilnehmernationen gegen, deren politische (Regierungs-)Haltung man zum Kotzen findet (z.B. Malaysia, Saudi Arabien, Iran, Simbabwe; die Liste lässt sich leider problemlos erweitern). Aber wenn irgendwas das Potential hat, einer ausgrenzenden Politik ihre Grenzen aufzuzeigen und Menschen zusammenzubringen, dann ist es der Sport. Gerade deswegen ist das Verhalten von Word Sailing so schäbig. Zum Schämen ist er, dieser Verband.

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Carsten hat schon in richtiger wortwahl über die Erklärung von World Sailing berichtet. Es soll ja neutral sein und wir Leser bilden uns dann eine Meinung zu dem was berichtet wurde und drücken dies in Kommentaren aus. Deswegen war es mir auch ein Bedürfnis meinen Kommentar dazu oben zu schreiben.

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