Iskareen-Bordbuch TJV: Die Rache des kleinen Bruders

"Etwas gerammt, verdammt"

Das ist wohl die Chance, den großen Bruder für die Sünden in der Vergangenheit büßen zu lassen. Arnt Bruhns zelebriert die Äquator-Taufe mit Genuss

Day 18 – Äquator Mittwoch, 13.11.2019

Ein fast ganz normaler Morgen, wir schippern, wie gewohnt mit Groß und Solent, hoch am Wind gen Brasilien. Gegen 11.15 auf einmal ein dumpfer Schlag, das Schiff scheint stillzustehen und kommt erst langsam wieder in Fahrt – wir haben etwas gerammt, verdammt!

Ein kurzes Damage Assessment – es scheint keine Schäden am Schiff zu geben und auch die Crew ist mit dem Schrecken davongekommen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Hindernis als grüne Linie, die fast quer zur Fahrtrichtung im Wasser verläuft und in unserem Heckwasser eine etwas ausgefranste Lücke hat: Wir sind über den Äquator gefahren und befinden uns nun auf der Südhalbkugel!

Der Schreck sitzt nicht allzu tief, Sönke hat seine Stammposition am Lenker inne und sinniert darüber, warum das Boot kein Spülbecken hat, dann könnte man jetzt das Wasser gerade ablaufen sehen.

Da klettert urplötzlich aus dem Niedergang eine gedrungene Gestalt mit Strohhut und langem grauen Bart, der aussieht als sei er heimlich nachts aus Dyneema und Tauwerkresten geflochten worden, gehüllt in braune Tücher mit der Aufschrift eines der weltweit größten Kaffeekonzerne und in der einen Hand einen Dreizack – Neptun persönlich stattet dem Schiff einen Besuch ab, das gerade auf seine geliebte Südhalbkugel gesegelt ist. Ein kurzer Blick, und er nimmt den Segler wahr, der ob es Anblicks des Meeresgottes huldvoll schweigt.

Dieser zitiert Sönke zunächst in Cockpit und nimmt die Personalien auf. Befragt, ob er schon einmal auf der Südhalbkugel gewesen sei, muss Sönke einräumen, schon von Kapstadt nach Rio und in Australien gesegelt zu sein, was der Gottheit sichtlich missfällt.

Sie bietet dem Migranten trotzdem etwas zu Essen an, dem sich Sönke nicht widersetzen kann – leider ist er angebotene Mampf etwas scharf so dass Sönke das Gesicht verzieht, worauf der Rest auf seinem Kopf landet und Neptun verkündet, nun müsse man zur Reinigung übergehen, so dreckig sei man auf der Südhalbkugel nicht willkommen.

Gesagt, getan, Rasierschaum oben drauf und ein paar Pützen Wasser. Schließlich senkt sich er Dreizack über Sönkes Kopf und der Meeresgott spricht die Äquatortaufe aus: „Keule der Fischplätter“ lautet Sönkes neuer Titel, Urkunde folgt per Seamail.

Neptun verkündet schließlich , die Reinigung des verwüsteten Cockpits obliege dem Äquatortäufling, außerdem müsse er noch ein paar Boote weiter und verschwindet.
Was ist sonst passiert? Wenig, die Überquerung der Linie wurde natürlich in einem kleinen Festakt begangen, ansonsten kreuzen wir weiter gen Süden.

Bits & Bites

Flieg nicht zu weit, mein kleiner Freund: Fliegende Fische jagen strengt an, deswegen haben sich Sönkes (Vogel-)Freunde jetzt darauf verlegt, nachts bei uns mal zu pausieren. Ganz entspannt geht das nicht: Wenn das Boot in die Welle einsetzt, wird es auch für die Piepmätze auf dem Spisack sportlich, das Gleichgewicht zu halten.

Hitchhiking the Ocean II: Wie wir vernahmen, hat sich Greta auf dem Kat eines Youtuber-Pärchens eingebucht um von Virginia nach Spanien zu segeln. 3000 sm über den winterlichen Nordatlantik in drei Wochen – machbar aber kein Spaziergang. Wenns knapp werden sollte kann sie ja eine zweifellos mögliche Liveschalte von Bord vornehmen.
Jambon passé: Zwei Kilo Schinken sind alle, waren aber lecker. Jetzt geht’s mittags nur noch um die Wurst…

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