J-Class-Crash: Wie es zum Unfall kam – Schäden und Verletzte

Klärung der Schuldfrage

Die Kollision zwischen den J-Class-Yachten “Topaz” und “Svea” in Antigua war ein Schocker. Im Rahmen der Protestverhandlung sind mehr Hintergründe klar geworden.

Nach der massiven Kollision zwischen den beiden J-Class-Yachten “Svea” und der deutschen “Topaz” bei der 2020 Superyacht Challenge Antigua ist bei der folgenden Protestverhandlung der Hergang rekonstruiert worden. 

Demnach hat es bei dem Crash drei Verletzte gegeben. Besonders schwer erwischte es ein Crewmitglied auf “Topaz”, das vom gegnerischen Bug getroffen und über Bord geschleudert wurde. Der Mann soll sich vier Rippen gebrochen haben. Ein weiterer Segler auf “Topaz” wie auf “Svea” wurde leichter verletzt.

Winsch von Deck gerissen

Die größten Schäden an den Schiffen entstanden auf “Topaz”. Auf der Backbordseite riss die Backstagwinsch aus dem Deck. Der Großbaum brach unter der Last, ebenso wie beide Backstage und die Großschot. Der Süllrand wurde vom Heck bis zur Winsch schwer beschädigt. Und es wird vermutet, dass der Mast durch die große Stressbelastung weitere Schäden aufweist. Die sollen allerdings erst nach einer genaueren Untersuchung spezifiziert werden. Wie durch ein Wunder blieb er aufrecht stehen. “Svea” erlitt Beschädigungen unter dem Bug, mit dem sie über das Deck von “Topaz” schrammte.”

Zur Schuldfrage kursieren im Netz schon krude Theorien, die auch eine Mitschuld der deutschen Yacht in Betracht ziehen. So soll “Topaz” erst kurz zuvor gewendet und dadurch der gegnerischen Yacht keine Möglichkeit zum Ausweichen gegeben haben.

Das Video gibt eine solche Auslegung der Situation nicht her. Falls “Topaz” von rechts kommend zuvor gewendet hat, war dieses Manöver längst abgeschlossen. “Svea” hatte genügend Zeit zum Ausweichen, und wollte wohl auch hinter dem Heck des Gegners passieren.

Der Moment, als es kracht. “Svea” erwischt “Topaz” am Heck. Ein Mann wird vom Bug getroffen und geht über Bord.

Warum das nicht geklappt hat, bleibt nach wie vor offen. Möglich ist ein Missverständnis des Steuermanns mit seinem Vorschiffsmann, der ihn jeweils auf dem Bug stehend per Handzeichen dirigiert. Denn der Steuermann hat keine freie Sicht hinter der riesigen schwarzen Genua. Andererseits reagieren die 130-Fuß-Monster auch nur sehr zögerlich auf Steuerbewegungen.

Am Rad drehte offenbar der Amerikaner Charlie Olgetree (52), vierfacher Olympia-Teilnehmer und 2004 Silbermedaillen-Gewinner im Tornado. Er stand bei der Protestverhandlung jedenfalls für das Svea-Team Peter Holmberg (59) gegenüber, dem ehemaligen Alinghi-Steuermann von den US Virgin Islands.

Die Jury hielt nach der Befragung folgende Fakten zum Hergang fest:

Topaz nähert sich etwa 1 Minute 40 Sekunden vor dem Start mit Wind von Steuerbord der Startlinie. – Svea mit Wind von Backbord befindet sich auf einem Kollisionskurs. –
In der letzten Minute versucht Svea abzufallen, kollidiert aber dennoch schwer mit dem Gegner – Topaz luvte etwas an, um auszuweichen, als klar war, dass Svea sich nicht frei halten würde. Die Kollision konnte so aber nicht verhindert werden.

Die Entscheidung der Jury: Svea hat die Regel 10 und 14 gebrochen.
Topaz war es nicht möglich, die Kollision zu vermeiden.

Svea hatte zuvor schon die entsprechende Strafe durch Aufgabe angenommen. Topaz erhielt als Wiedergutmachung für die übrigen Rennen die Durchschnittspunktzahl des bisher einzigen absolvierten Laufes.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „J-Class-Crash: Wie es zum Unfall kam – Schäden und Verletzte“

  1. avatar Leisetreter sagt:

    Hoch interessanter Fall. Für mich sieht es so aus, als hätte Topaz durch die Drehung nach Steuerbord das Heck in den Ausweicher gedreht. Nicht erkennbar ist, ob Svea schon eine Drehung macht während ihr das Heck von Topaz entgegen kommt. Dann hätte sie nämlich wenig ausrichten können. Wer hat auf Topaz gesteuert? Ein in der Klasse erfahrener Regattasegler? Es wirkt von außen und in dem Video etwas so, als wäre es ein Autofahrer, der nach rechts ausweicht, um der von links kommenden Gefahr zu entgehen. Dabei macht das dumme Heck nur leider das Gegenteil. Von außen und mit nur einer Perspektive lässt sich das aber auch leicht sagen. Bin gespannt auf weitere Informationen.

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  2. avatar eku sagt:

    jup .. sieht so aus
    ob´s anders gereicht hätte? keine Ahnung!

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  3. Topaz hatte Wegerecht, aber die Kurshaltepflicht mißachtet, indem sie panikartig ein Manöver des letzten Augenblicks versuchte, um eine ohnehin nicht drohende Kollision zu vermeiden.
    Möglicherweise hätten sich bei der Begegnung der Yachten aber ihre Riggs berührt, und ob das glimpflicher ausgegangen wäre, bleibt von Experten zu beurteilen.
    Auf jeden Fall ist die Bauart der J-Class ein Segen, sonst hätte Svea nicht so elegant über Topaz’ Heck fahren können.
    Eine moderne Yacht mit einem geraden Steven häzte sich in das Heck von Topaz gebohrt, und Topaz wäre möglicherweise gesunken.

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  4. Topaz hatte Wegerecht, aber die Kurshaltepflicht mißachtet, indem sie panikartig ein Manöver des letzten Augenblicks versuchte, um eine ohnehin nicht drohende Kollision zu vermeiden.
    Möglicherweise hätten sich bei der Begegnung der Yachten aber ihre Riggs berührt, und ob das glimpflicher ausgegangen wäre, bleibt von Experten zu beurteilen.
    Auf jeden Fall ist die Bauart der J-Class ein Segen, sonst hätte Svea nicht so elegant über Topaz’ Heck fahren können.
    Eine moderne Yacht mit einem geraden Steven hätte sich in das Heck von Topaz gebohrt, und Topaz wäre möglicherweise gesunken.

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