J/70 EM: Silber für das Team von Markus Wieser – Frauenpower an der Spitze

Frau Rossi sucht - und findet - das Glück

Markus Wieser holt mit seinem Team die Silbermedaille bei der Europameisterschaft der J/70 Klasse. 124 Teams aus 24 Nationen waren am Start. Mit Claudia Rossi siegt eine Frau am Steuer. Und es ist keine Überraschung.

Seit vielen Jahren war die Weltspitze der jungen J/70-Klasse den Profis aus Italien und den USA vorbehalten. Zuletzt hatten auch die Spanier und Russen aufgeholt und im Jahr der WM im britischen Torquay geben auch immer mehr Engländer ernsthaft Gas.

Markus Wieser mit seinem Team auf dem Weg zur Vize-EM. © Lucchi/Lucarelli

Für deutsche Teams war bisher nicht viel zu holen. Im Liga-Modus gehören sie zwar zu den besten der Welt, und sie setzten den Standard bei den Manövern, aber das Segeln in den großen internationalen Feldern erfordert einen anderen Fokus. Die Kenntnisse über Riggtrimm und Segel-Entwicklung und Material-Vorbereitung müssten geschult werden. Das hilft beim Liga-Segeln nicht weiter, weil zum Beispiel die Wantenspannung nicht verändert werden darf, und das gestellt Material wird.

Entsprechend bescheiden waren die Auftritte deutscher Crews bisher im internationalen Bereich. Aber das hat sich nun mit dem Einstieg von Markus Wieser in die Klasse geändert. Der Profi-Segler, der viele Jahre lang im Flying Dutchman, und Match Race ganz vorne mitsegelte, schließlich die Drachen-Klasse dominierte und bei den TP52 (“Platoon”) und Maxi72 (“Momo”) als Taktiker Erfolge feierte, hatte sich intensiv auf seine erste Europameisterschaft der J/70 Klasse vorbereitet.

Das Siegertreppchen. © Lucchi/Lucarelli

Dafür holte er sich mit Diego Negri einen der besten italienischen Segler an Bord, der schon 2017 als Taktiker Bronze bei der J/70 WM in Porto gewann und Wieser insbesondere beim Momo-Projekt unterstützte. Außerdem bringt dessen Landsmann Victor Marino – Backstag-Trimmer auf “Platoon” von Harm Müller Spreer – jede Menge Spezial-Wissen an Bord und der langjährige Kumpel Wolfgang Käfer macht auf der hohen Kante das Team komplett.

Mit Rang fünf war er schon bei der Genralprobe am Gardasee vor einem Monat außerordentlich erfolgreich und überraschte die sieggewohnten Italiener. Bei der Europameisterschaft setzte er in diesem Jahr noch einen drauf. Platz zwei ist das beste internationale Ergebnis, das je einem Boot unter deutsche Flagge gelungen ist.

Die Top Fünf im Feld von 124 Booten bei der J/70 EM 2017

Mit einer stabilen Serie segelte er beständig im Medaillen-Bereich und ließ sich auch von einem Frühstart in der Finalserie nicht aus dem Konzept bringen. Das Format war sicher unüblich, da keines der sechs Qualifikationsrennen in die finale Wertung einging, sondern nur über Gold- und Silber-Gruppe entschied.

Während die Amerikaner bei ihrer WM 2018 noch 91 Schiffe an einer Startlinie auf die Bahn ließen und auch die Starboot EM im April vor Riva das mögliche Händling einer Maxi-Flotte von 94 bewies wollten die Organisatoren die 124 Schiffe aus 24 Nationen – die beschränkten Teilnehmer-Plätze waren wenige Stunden nach der Öffnung des Online-Meldeportals vergriffen –  nicht in einem Schub über die Linie lassen.

Wolfgang Käfer auf dem Vorschiff. © Lucchi/Lucarelli

So mussten die Crews das Beste ihrer Segelei erst in der zweiten Hälfte zeigen. Und das schaffte insbesondere die Italienerin Claudia Rossi am besten. Die Europameisterin von Kiel 2016, die zuletzt in der italienischen Rennserie eigentlich nicht mehr wie gewohnt mit Spitzenplätzen geglänzt hatte, gewann souverän auch wenn ihr in insgesamt 14 Läufen kein Rennsieg gelang.

Der ehemalige Weltmeister Joel Roenning vertrat die amerikanischen Farben, musste aber diesmal auf Rang neun die Vorherrschaft der Europäer akzeptieren. Gleich drei spanische Teams segelten unter die Top Ten ind vier Italiener. Carlo Alberini, der nach dem Absitzen einer einjährigen Betrug-Sperre wieder mitsegeln durfte, platzierte sich auf Rang sechs.

Ergebnisse J/70 EM 2019 Gardasee

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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