Nikolaus Gelpke: mareverlag beendet Engagement im Segelsport mit Jörg Riechers

"Ich musste die Reißleine ziehen"

Der Mare Verlag steigt aus dem Segelsport aus. Nikolaus Gelpke hat zugesagte Gelder nicht erhalten und stoppt die Offshore Projekte mit Jörg Riechers.

Nikolaus Gelpke

Nikolaus Gelpke in der NDR Talkshow.

Es war eine der schönsten Erfolgsgeschichten im deutschen Segelsport der vergangenen Jahre. Einhand-Segler Jörg Riechers segelte von einem Erfolg zum nächsten, entwickelte sich von der Class Mini zur Class40 und ist mit der Open60 in die erste Liga eingestiegen.

Das Barcelona World Race sollte am 1.1.2015 um die Welt starten und schließlich wollte Riechers der erste Deutsche sein, der bei der Vendée Globe teilnimmt. Die Finanzierung des Projektes übernahm Mare Verleger Nikolaus Gelpke, ein Segel-Enthusiast, der sein Herz an den Sport verloren hat.

Jörg Riechers

Jörg Riechers. © Breschi

Aber nun hat er das Projekt überraschend beendet. Gegenüber SegelReporter sagt Gelpke: “Ich musste die Reißleine ziehen. Das Ganze hat schließlich einfach zu viel Geld gekostet.” Er habe immer wieder betont, dass ein Co Sponsor gefunden werden müsse. Aber vielversprechende Gespräche hätten nicht erfolgreich abgeschlossen werden können.

Der überraschende Schritt habe jetzt mit nicht eingehaltenen Versprechungen des Barcelona World Race Organisators FNOB (Fundació Navegació Oceànica Barcelona) zu tun. Die Vereinigung hatte zugesagt, wie auch bei der Teilnahme von Boris Herrmann 2011 mit “Neutrogena”, ein Großteil der Finanzierung zu übernehmen. Aber die Gelder seien nie eingetroffen.

“Das ist jetzt eskaliert”, sagt Gelpke. “Ich kann dieses Projekt aber alleine nicht tragen.” Er könne seinen Verlag nicht aufs Spiel setzen. Das Ganze sei natürlich sehr traurig, besonders für Jörg Riechers, aber er habe jetzt eine Entscheidung fällen müssen.

Für Jörg Riechers soll das aber nicht das Ende sein. Er bleibt weiterhin am Ball und versucht auch weiterhin seine Pläne für das Barcelona World Race und die Vendée Globe zu realisieren.

Die Pressemitteilung von mare:

Der Hamburger Jörg Riechers wurde seit 2007 vom mareverlag in den internationalen Einhandregatten als Profisegler aufgebaut. Die erfolgreichste Karriere eines Seglers in der Geschichte des deutschen Einhandsegelns begann mit dem Bau eines 6.50 Mini und wurde 2010 in der Class 40 fortgesetzt, in der das mare racing team ab 2011 ebenfalls mit eigenem Neubau an den Start ging.

mare, open 60

Riechers segelte seinen Open 60 “Mare” schon mit reichlich Druck beim Fastnet Race. Mit neuem Bug will er auch mit den Besten mithalten. © Breschi/Mare

Der mareverlag stieg mit dem Team 2013 in die Königsdisziplin des Regattasegelns ein: die IMOCA-Klasse (Open 60). Ziel war es immer, gemeinsam mit einem großen Co-Sponsor die erste deutsche Teilnahme an einer Vendée Globe-Veranstaltung zu ermöglichen. Von Anfang an wurde offen kommuniziert, dass die Open 60-Kampagne für den kleinen Hamburger mareverlag nur mit Co-Sponsoren langfristig finanziell tragbar sein würde.

Leider blieb die Suche nach einem Co-Sponsor trotz einiger Offerten am Ende ergebnislos. Der mareverlag hat in der Classe Mini und der Class 40 zusammen mit Jörg Riechers große Erfolge feiern und bedeutende Meilensteine für den deutschen Segelsport setzen können. Jetzt aber wird sich der Verlag wieder ganz auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Das mare racing team ist aufgelöst, die Zusammenarbeit mit Jörg Riechers beendet. Die beiden kleinen Boote sind bereits planmäßig veräußert; der Open 60 steht ab sofort zum Verkauf.

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Carsten Kemmling

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23 Kommentare zu „Nikolaus Gelpke: mareverlag beendet Engagement im Segelsport mit Jörg Riechers“

  1. echt schade…

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  2. Ach so ein Mist … Das tut mir für alle Beteiligten echt leid. Wollen wir hoffen, dass sich doch noch jemand findet, der das Projekt übernimmt.

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  3. avatar SR-Fan sagt:

    Schade, wenn man bedenkt, dass eigentlich “nur” ein Co-Sponsor gesucht wurde. Aber in so nem G8-Staat – ach nee jetzt ja nur noch G7 – der ja lt. offizieller Meinung boomt wie noch nie, ist das offenbar selbst für bewiesener maßen funktionierende Projekte nicht lösbar. Soviel zum Thema “die privatisierten Gewinne der letzten Jahre kämen irgendwie wieder der Allgemeinheit zugute …”

    Ein weiteres, versenktes Segelprojekt in Deutschland.

    VG und alles Gute an Jörg und ebenso an den Verlag bzw. Hr. Gelpke

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  4. avatar sven sagt:

    Schade um das Projekt Vendée Globe.

    aber wer die Entwicklung der Printmedien in den letzten Jahren verfolgt hat, fragt sich schon länger wie der kleine Mare Verlag das so lange stemmen konnte.

    Ich wünsche Jörg viel Glück für seinen weiteren Weg,

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  5. avatar jorgo sagt:

    Das ist ja eine traurige Geschichte!
    Ich finde es aber toll, was das MARE Team in den letzten Jahren gemeinsam so erfolgreich auf die Beine gestellt hat. “Hut ab” kann man immer nur wieder sagen!
    Das wäre jetzt aber auch echt mal eine Gelegenheit für ein deutsches Unternehmen etwas Patriotismus zu zeigen, damit Jörg seinen erfolgreichen Weg weitergehen kann. Warum haben die Franzosen und auch andere es da so viel leichter? Das frage ich mich schon seit Jahren aus eigener bitterer Erfahrung. Das einzige nennenswerte Sponsoring in über 35 erfolgreichen Segler-Jahren kam bei uns bezeichnenderweise aus Frankreich. Dort hatten wir es sogar schon mal in die 20:00 Uhr TV Nachrichten geschafft, während man hierzulande auch schon mal von Lokaljournalisten als “Paradiesvogel” bezeichnet wurde.
    Das MARE Team …. eine der wenigen deutschen Erfolgsgeschichten auf den Weltmeeren …. vielen Dank dafür vor allem an die Herren Gelpke und Riechers!!!!

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  6. avatar Heini sagt:

    Es ist wie es ist …. und schon immer war…
    Wen interessiert hierzulande Segeln? 10.000? 20.000? 50.000? Na und, bei 80.000.000 Einwohnern?
    Und damit ist es für Sponsoren einfach unattraktiv. Und obendrein medial schwierig rüberzubringen.
    20 Mio für Fussball oder Formel 1 sind leichter zu bekommen als 5 Mio für so eine “Randsportart” wie Segeln.

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    • avatar Sid Vicious sagt:

      Wenn man das Boot als Werbefläche versteht, wird das bei internationalen Events ja weltweit wahrgenommen. Insofern könnte ein deutscher Konzern und globaler Player schon mal überlegen ob er da nicht einsteigen sollte.

      Dazu müssten die Vendée Globe Coverage aber deutlich besser werden. Fotos die vor Rennbeginn bei Promo-Terminen geschossen werden in die dürftigen Reportagen während des Rennens einzubauen reicht ebenso wenig wie Selfie-Videos von dürftiger Qualität.

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    • avatar Peter Sorowka sagt:

      Hast schon recht, aber es sind doch einige mehr Segler in Deutschland. Allein die Hamburger Segelvereine haben zusammen > 20.000 Mitglieder, in ganz Deutschland gibt es schätzungsweise 3 Millionen Segler. Dass Segeln darüberhinaus auch für Nichtsegler spannend sein kann, haben wir beim AC gesehen. Das liegt natürlich zum großen Teil an der medialen Präsentation, die auch Geld kostet. Am Ende ists ein Henne-Ei-Problem.

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  7. avatar Ketzer sagt:

    Ich frage mich, ob Michael Illbruck seine Millionen vom VOR jemals wiedergesehen hat? Finanziell rentiert hat sich die Sache vermutlich nicht. Das zeigt, das sowas nur mit extrem viel privatem Engagement geht und ich kann’s keinem verübeln, wenn er das nicht tut. Was soll das denn auch, zig Millionen ausgeben, damit einer (und nicht mal man selbst) seinen Spaß hat und gesellschaftlich relativ sinnlos um die Welt heizt?

    Wenn jemand die vollständigen Kosten übernimmt, beklebe ich gerne mein Boot mit Werbung. Es liegt immer präsent im Stadthafen, also quasi auf Pole-Position. Bessere Werbung geht nicht. Ich vermute, es wird trotzdem keiner tun, ich täte es auch nicht. Willkommen in der Realität.

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  8. avatar hurghaman sagt:

    Interessant wäre doch mal zu wissen wie groß die Finazierungslücke ist.
    Mit dem Jugendprojekt beim AC hat es doch mit dem Crowdfunding auch geklappt. Mann muss ja nicht gleich Golfbälle verkaufen.

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    • avatar BA sagt:

      Bertrand de Broc hat das bei der VG 12/13 mit Votre nom autour du monde auch gemacht. Ob dabei aber hinreichend Mittel in Deutschland zusammenkommen bezweifel ich.

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  9. avatar Sid Vicious sagt:

    Wieder hat sich ein Deutscher die Zähne an der Vendée Globe Teilnahme ausgebissen. Es war einfach zu schön um wahr zu sein.

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  10. avatar T.K. sagt:

    Wirklich schade, jedoch scheint auch die unterschiedliche Zielsetzung zwischen Riechers und Gelpke zu dem Entschluss geführt haben….
    Bin mal gespannt wenn Jörg hier dazu Stellung nimmt.

    Bei Y…. steht zumindest:
    “Wir haben zuletzt nicht mehr in die gleiche Richtung gedacht. “

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  11. avatar Einer sagt:

    Wirklich schade!

    Aber hier mal der Versuch eines konstruktiven Vorschlags, um vielleicht doch einen Neubeginn zu starten:

    Wie wäre es mit einem Crowdfunding der besonderen Art ?

    Ziel dieses Crowdfundings sollte es nicht sein, mit möglichst vielen Segelbegeisterten die finanziellen Mittel für das Projekt zu entlocken.

    Da es ja offenbar recht viele “Fans” gibt, könnte jeder mal in seinem Bekannten- und Freundeskreis nachfragen, ob irgendjemand jemanden kennt, der vielleicht in einer entsprechenden Position eines Konzerns sitzt, der da in Sachen Sponsoring für das gut aufgestellte Team um Jörg Riechers etwas bewegen kann.

    Möglicherweise kann so ein “Schneeballsystem” ja rasch zu konkreten Ergebnissen führen.

    Frage an SR:
    Wie denkt das Redaktionsteam? Habt Ihr in der Branche vielleicht jemanden, der Zugang zu entsprechenden Entscheidern in der Wirtschaft hat?

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  12. avatar Uwe Liehr sagt:

    Schwarzer Tag geh zu Ende!

    Danke Nikolaus, Danke Jörg für immerhin erfolgreiche – und nicht immer einfache -sieben Jahre! Die Entscheidung ist nachvollziehbar, wenn auch etwas abrupt. Das Geld wächst eben nicht auf den Bäumen. Und es macht nur Sinn solch ein Projekt ganz oder gar nicht durchzuziehen.

    Die Sponsoringlandschaft ist sehr schwierig geworden. Vor allem in Deutschland ist man fiskalisch sehr schnell bei “Liebhaberei” und dann wird es richtig teuer. Das ist inzwischen auch in anderen europäischen Ländern angekommen. Nicht ohne Grund fahren z.B. auch in Frankreich einige Profis wieder in Klassen eine oder zwei Etagen tiefer. Dort sitzt der Euro lange nicht mehr so locker.

    Und das Segeln in D medial kaum wahrgenommen wird ist eben so. D ist eine Fußball-, keine Segelnation.
    Die Teilnahme an der Vendee Globe hätte da sicher nicht sehr viel bewirkt. Aber etwas sicher schon.

    Ich drücke Jörg die Daumen. Auch wenn es schwer wird: Er hat sich ja den Ruf der “Kampfsau” erworben. Viel Glück und Erfolg weiterhin!

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  13. avatar Kerstin sagt:

    Wir haben so oft mit Jörg Riechers und seiner mare mitgefiebert. Schade, dass das vor bei ist!

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  14. avatar Trolli sagt:

    Vielleicht war die Entscheidung für den Open 60 auch falsch und er hätte lieber erst mal in der Class 40 weiter segeln sollen. Zumindest solange bis er einen zusätzlichen Sponsor hat.

    Aber vielleicht schafft er es ja auch so bis an den Start zu kommen 🙂

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  15. avatar arne reuter sagt:

    Dürfte ich kurz in die Runde fragen, wer aus diesem Forum ein mare abo hat bzw. sich regelmäßig die Zeitschrift mare gekauft hat? Die Finanzierung von Jörgs Kampagne wäre ein leichtes, wenn ab sofort jeder ein Jahresabo abschließen würde. Vielleicht wäre dies ein Ansatz. Sponsoren möchten einen return für Ihr Engagement sehen! Also los jetzt…

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Ist natürlich ein berechtigter Einwand – aber.
      Glaubst Du ernsthaft, dass der Rückschluss von Sportsponsoring zu gekauften Produkten so einfach ist? Das klappt doch schon beim Fußballortsverein und der Spaßkasse nicht. Selbst da, erwartet keiner eine Kontoeröffnung mehr wegen des Engagements. Da gehört es eher zum guten Ton und zur Verankerung vor Ort. Sozusagen eine begleitende Maßnahme um bei den Leuten vor Ort allgegenwärtig zu sein.

      Anders in den USA – da ist es eher Mäzenatentum. Eine erfolgreiche Persönlichkeit möchte Ihr Ego (über die Öffentlichkeit) streicheln lassen und/oder hat ein Faible für Kunst oder Sport. Ich glaube kaum, dass Oracle mehr Systeme verkauft, weil der Chef 100te Mio. in eine Veranstaltung gepumpt hat (von den Gerichtsprozessen mal abgesehen und dem möglichen Verliererimage). Sowas fehlt bei uns aber. Es sollte ja nu wirklich – gerade an den Küsten – ausreichende Unternehmerpersönlichkeiten mit einem Hang zum Segelsport geben, die sich z.B. auch in einer Sponsorengruppe zusammenschließen. Wir reden ja hier von (Ex-)Hansestädten 😉 Dann sind das nachher vielleicht 30 bis 50.000 für jeden. Für einige ist das ein Fliegenschiss und viele haben in diversen “Steuersparmodellen” deutlich mehr Geld sinnfrei versenkt.

      VG

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  16. avatar Sven 14Footer sagt:

    Sch…! Wirklich sehr, sehr schade! Ich hatte schon Nachrichten von den Baufortschritten der Mare vermisst und werde Berichte von Jörgs Segelabenteuern noch mehr vermissen. Also drücke ich Jörg fest beide Daumen um sich an den Start in Barcelona und auch die Vendee zu bringen.
    Danke an den mare Verlag, Herrn Gelbke, Herrn Riechers und auch SR für das tolle Projekt und die tollen Berichte darüber!

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  17. avatar Uwe Liehr sagt:

    Ist zwar was dran, nach dieser Lesart müsste aber auch jeder Bayern München Fan seine Versicherungen bei der Allianz haben, nur mit der Telekom telefonieren und Audi fahren. Nikolaus macht seine Kohle nur zum Teil mit dem Magazin.

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