Laura Dekker Weltumsegelung: “Aufdecker” Gerhard Wisnewski glaubt an Betrug

"Holländisches Segelgör"

Angekommen. Laura Dekker wirft die Leine in St. Maarten an Land. War sie gar nicht alleine unterwegs? © lauradekker.nl

Der deutsche Journalist Gerhard Wisnewski, der sich mit Verschwörungstheorien über die RAF, den 11. September oder die Mondlandung einen Namen gemacht hat, nimmt sich nun die Weltumseglerin Laura Dekker vor.

In einem Artikel beim Koop-Verlag heißt sein Eingangs-Statement: “Oft funktionieren die neuen »Rekorde« jedoch nicht ohne mediale Trickserei und Etikettenschwindel. Jüngstes Beispiel: Das holländische Segelgör Laura Dekker und seine »Einhand-Weltumseglung«”.

Anonymer Kommentar als Aufhänger

Im Verlauf des Artikels wird ein anonymer User Kommentar auf SegelReporter.com zur Dekker-Geschichte (“Wer sagt mit, dass es kein Fake war) als Aufhänger genommen: “Segel-Freunde sind denn auch skeptisch”, konstatiert Wisnewski.

Der Autor sieht in der Dekker-Tour einen neuen Lüchtenborg-Fall. Er sucht Indizien dafür, dass die Holländerin nicht alleine an Bord gewesen ist. Ein Video aus dem Panama Kanal und ein anderes von Bord sollen das beweisen.

Aber neben der Theorie über die gefakte Mondlandung verblasst die Brisanz der Vorwürfe gegen Fräulein Dekker dann doch ein wenig. Von Anfang an war klar, dass sie offiziell keinen gängigen Rekord brechen würde. Das Alter mag für die Medien zählen aber nicht für die Rekordbücher.

Die seglerische Leistung von der Australierin Jessica Watson, die 22000 Meilen einhand nonstop segelte, ist ohnehin wesentlich höher einzuschätzen als ein Törn mit Stopps. Dabei hat selbst Watson nicht die Auflagen für einen “echten” Rekord erfüllt.

Dass sich Dekker im Panama-Kanal helfen lassen würde, war offiziell angekündigt. Sie hatte das Einhand-Thema nicht mehr so hoch gehängt, seitdem sie nach einem Gerichtsurteil in Holland Zugeständnisse bezüglich der Sicherheit machen musste.

Spricht Dekker wirklich zu jemandem an Bord?

Wenn das zweite Video beweisen könnte, dass sie auf den langen Törnabschnitten nicht alleine an Bord war, dann wäre das schon eine Enttäuschung. Aber spricht sie wirklich zu jemandem an Bord? Könnte schon sein.

Doch Wisnewski führt auch an, dass ihre Haut nicht gebräunt sei und Muskeln fehlen. Soll sie vielleicht gar nicht an Bord gewesen sein, oder ständig unter Deck? Das scheint schon sehr weit hergeholt. Ebenso wie der Vorwurf, dass eine Ketsch für Einhandsegler das falsche Boot sei, weil es zu viele Segel zu bedienen gebe.

Der erste einhand Nonstop Weltumsegler Robin Knox Johnson dürfte da eine andere Meinung haben. Er segelte mit der Ketsch “Suhaili”. Ein geteilter Segelplan kann für einen Einhandsegler hilfreich sein, weil die einzelnen Segel kleiner und die Kräfte geringer sind.

Vorwurf ohne Beweise

Ohne echte Beweise ist der Vorwurf, der Einhandtörn sei ein Fake, schon sehr mutig. Natürlich ist die Dekker-Story schöner, und verkauft mehr Bücher, wenn das Holland-Meisje einsam und alleine um die Welt segelt. Da könnte ein zeitweiliges Besatzungsmitglied das Bild durchaus stören.

Aber wer gezielt seine Vermutungen in Foren verbreitet, dem geht es auch nicht um viel mehr als Einschaltquote. Wisnewski kann nicht anders. Das “Aufdecken” ist sein selbstgewählter Auftrag. Er sieht sich “den Idealen des demokratischen und aufklärerischen Journalismus verpfichtet”.

Kommentar von Uwe Röttgering zum Mädchensegeln 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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13 Kommentare zu „Laura Dekker Weltumsegelung: “Aufdecker” Gerhard Wisnewski glaubt an Betrug“

  1. avatar TW sagt:

    “THE LAURA-DEKKER-CONSPIRACY”

    Beitrag vom 8. Februar 2012 auf

    http://www.facebook.com/pages/Zeilmeisje-Laura-Dekker/129715607107698

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    • avatar Hans-Juergen sagt:

      Herr Wisnewski sollte mal genauer in den Spiegel schauen , dann wird er erkennen ,wer ,was hier Fake ist.

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  2. Wie lange dauert es noch bis die Medien den ersten Todesfall mit diesen Kinderabenteuer melden müssen. Als Medienschaffende haben wir die Aufgabe über Ereignisse in unserem Sport zu berichten. Haben wir aber nicht auch Pflicht und Freiheit zu entscheiden über was wir berichten wollen.

    Frage mich wie motiviert das kleine Mädchen überhaupt gewesen wäre das zu machen, ob allein oder in Begleitung wenn sie keine Medienpräsenz erwarten konnte.

    Persönlich: wir sollten diese Blödsinn nicht mehr verfolgen, immerhin spielt das ganze in der Natur ab und diese ist eben unberechenbar.

    Hoffe schwer, dass wir nicht eines Tages über einem tragischen Ende einer Kid’s Umsegelung berichten müssen. Wir hatten ja schon am ein Fall mit teuren Rettungskosten die am Schluss der Steuerzahler berappen musste.

    Lieber Carsten und Andreas macht weiter so mit Euren Webseite die ist super aber geben wir unseren Kinder nicht noch ein Platform für so ein Blödsinn.

    Bekäme ich ein Auftrag so ein Geschichte zu fotografieren, würde ich den glatt ablehnen.

    Wünsche allen ein schönes Weekend

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    • avatar Hans-Juergen sagt:

      Es ist warscheinlicher , dass ein unerfahrener 60 jähriger der sich seinen Jugendtraum erfüllt bei einer Weltumseglung umkommt als ein 16järiger Teenager der mit Segeln aufgewachsen ist und diesen Traum zu Jugendzeiten lebt.

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  3. avatar Alex sagt:

    Keine Ahnung ob Wisnewski auch ernsthaften Jornalismus von der Front betreibt.
    Aber es gibt doch genügend Leute die auf die Mähr der Verschwörungstheoretiker rein fallen.

    Das einzige was diese Spinner suchen ist doch auch nur das Rampenlicht und um gute Bücher zu schreiben wird die Phantasie nicht reichen. Daher sollte der Ernsthafte Journalist diese Berichte einfach ignorieren.

    @Jürgen, ich bin auch etwas Vorbehalten gegen solche Aktionen. Aber wenn die psychischen- und physischen Voraussetzungen erfüllt sind und ein ausreichendes Können vorhanden ist, was ist daran dann schlimmer als Kids die in den Ecken sitzen und kiffen? Im Gegenteil, möglicherweise sind sie Vorbilder für andere Jugendliche um zu zeigen, man kann auch in jungen Jahren mit Ehrgeiz viel erreichen. Weil Nachahmungstäter kenne ich jetzt gerade keine.
    Ich weiß auch nicht wo Du den Unterschied fest machst zwischen einem Ehepaar welches vor Somalia in die Hände von Piraten fällt und wir sie raus holen müssen, Seglern die bei einer Regatta in Seenot geraten. Und einer jungen Seglerin die ebenfalls in Seenot gerät. Haben wir Alten mehr Anrecht auf bezahlte Rettung als unser Nachwuchs?

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  4. avatar Christian sagt:

    Pfui Teufel, das ist ja aus der übelsten Schmuddelecke, was hier mit dem Kopp-Verlag und Wisnewski präsentiert wird.

    Was immer man von Laura Dekker (und ihrem Vater) halten mag, das hat sie nicht verdient, von diesem Journalistendarsteller auch nur erwähnt zu werden.

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  5. avatar Ballbreaker sagt:

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Was für eine Aussagekraft hat dann erst ein Video? 😉

    Schaut Euch mal den Video-Link “das zweite Video” an und macht Euch ein eigenes Bild.

    Sieht zumindest, sagen wir es mal vorsichtig, ….. seltsam ….. aus.

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  6. avatar Capitan Futuro sagt:

    Und, …. spielt es eine Rolle, ob sie die ganze Strecke alleine gemacht hat oder nicht?

    Zumindest scheint sie selten angelegt zu haben, sonst könnte sie die Leine mit einer Hand werfen (siehe Foto) 😉

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  7. avatar Juemen sagt:

    Das es LD um mediale Aufmerksamkeit geht, kann man nur schreiben, wenn man von ihrer Geschichte nicht die geringste Ahnung hat. Sie und erst Recht ihr Vater legen keinen Wert auf Medienpräsenz, davon hatten sie schon im Vorfeld mehr als genug. Sponsoren und Medienberichte werden nur als notwendiges Übel in Kauf genommen. Auch Kommentare von selbsternannten Besserwissern und angeblichen Gutmenschen, denen jegliche Kentnisse fehlen, sind für sie völlig belanglos. LD hat bessere seglerische, physische und psychische Voraussetzungen als die meisten Erwachsenen, die sich auf den Weltmeeren herumtreiben. Damit sind die die üblichen Seenotargumente unsinnig. Es übersteigt wohl die Vorstellungkraft der meisten, daß sie das Ganze aus eigenem Antrieb, der Freude am Segeln, dem Wunsch, die Welt zu sehen, macht

    Auf Wisnewski überhaupt einzugehen, ist völlig überflüssig, verschafft nur einem Spinner die Aufmerksamkeit, die er sucht.

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  8. avatar Klaus Fohrmann sagt:

    @jürg
    es gibt eben Männer die sich in ihrem Selbstdarstellungswahn
    durch den völlig unspektakulären Vorgang einer ordentlich
    geplanten Segelreise eines Menschen mit viel Segelerfahrung
    angegriffen fühlen.
    @Segelreporter
    einem Schreiberling( Wisniewski) in Sachen Segeln hier eine Plattform zu
    geben ist schon erstaunlich

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    • avatar Ingo sagt:

      Hallo Klaus,

      ich denke, Carsten hat diesen Schreiberling schon von Anfang an in’s richtige Licht gesetzt, indem er – noch dazu gleich im ersten Satz – dessen sonstige Aktivitäten erwähnt hat (Verschwörungstheorien Mondlandung, 9/11 etc.).

      Wie hat mal ein Politiker so treffend gesagt: “Manche Journalisten sind eben doch nur Randfiguren der papierverarbeitenden Industrie”.

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  9. avatar Felix sagt:

    Ich muss Jürg hier recht geben!

    Ich finde es absolut richtig das es nach dem World Sailing Speed Record Council keinen Rekord für die “jüngste Weltumsegelung” mehr gibt!

    Ebenso sollten die Medien einmal darüber nachdenken ob sie mit Ihrer Berichterstattung solche Rekordversuche weiter unterstützt. Setzen wir in einigen Jahren unsereN 12 Jährigen Sohn/Tochter auf ein Boot über den Atlantik oder um die Welt um einen weiteren “ich bin der jüngste” Rekord aufzustellen?

    Wann ist eine Grenze im Alter erreicht an der es einfach nicht mehr jünger geht? Ich bin der Meinung das ohne offiziellen Rekord und ohne verbreitete Berichterstattung diesem blödsinn (weitestgehendst) einhalt geboten werden kann.

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  10. avatar Heiko Sieron sagt:

    Inwieweit sie nun Unterstützung hatte ist irrelevant. Laura hat sich ihren Traum erfüllt und sich danach nicht darüber beschwert, daß ihr Rekord nicht anerkannt wurde. Davon abgesehen hat ihr auch Jessica Watson für ihr bestandenes Abenteuer gratuliert.
    Laura ist eine sympathische, junge Frau, die über die nötige Erfahrung für einen solchen Törn verfügt und wie bereits Juemen erwähnt hat, gierten weder sie noch ihr Vater nach Medienpräsenz.
    Laura ist ein Vorbild für andere junge Menschen, ihren Traum zu leben, anstatt paralysiert vor dem Fernseher herumzuhängen oder die Zeit mit stumpfsinnigen Computerspielen totzuschlagen. Wo sind denn die lobenden Stimmen jener, die sich über letzteres ständig beklagen?
    Ich werde den Verdacht nicht los, es passt gewissen (v.a. männlichen) Personen nicht, daß hier eine junge Frau etwas leistet, zu dem ihrer verqueren Ansicht nach nur gestandene Männer in der Lage sein sollen.
    Wer sich sämtliche Fotos auf Lauras Seite genau ansieht, erkennt, welche Freude ihr das Segeln bereitet – und das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.

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