Segelmädchen Laura Dekker: Gleichzeitig mit Volvo Flotte in Kapstadt

Im Sturm ums Kap

Laura Dekker bei der Anfahrt auf Kapstadt. Bei der Umrundung des Kaps wetterte sie über 50 Knoten ab. l © Dekker

Die Holländerin Laura Dekker (16) hat auf ihrem vielbeachteten Weg um die Welt das Kap der guten Hoffnung bezwungen, nachdem sie in 47 Tagen nonstop von Australien bis Durban gesegelt war. Sie ist fast gleichzeitig mit den verbliebenen Volvo Racern in Kapstadt eingelaufen.

Sie schreibt in ihrem Blog: Das letzte Stück nach Kapstadt war sehr rau. Während der Nacht mußte ich erst einmal, dann zweimal, und dann viermal reffen, und schließlich segelte ‘Guppy’ nur unter der Sturmfock mit 8 Knoten um das Kap der Guten Hoffnung herum und durch die tosenden fünf Meter hohen Wellen rings um uns herum.

Magischer Moment bei Laura Dekkers Etappe von Durban nach Kapstadt. © Dekker

Aus den vorausgesagten 35 Knoten Wind wurden allmählich 40, 45 und schließlich 50 Knoten, mit einzelnen Ausreißern von bis zu 55 Knoten! Das wurde selbst der Sturmfock zuviel, aber einrollen konnte ich sie nicht mehr, da sie sich aus irgendeinem Grund verklemmt hatte.

Und selbst mit diesem kleinen bisschen Segelfläche lief ich Gefahr zu kentern. Als es langsam hell wurde, konnte ich den Tafelberg als riesenhafte schwarze Masse neben mir ausmachen, dessen Gipfel in schwarzen Wolken verschwand. Trotzdem – die Sturmfock mußte herunter. Also hangelte ich mich aufs Vordeck und schaffte es, während ich andauernd mit eiskaltem Wasser überschüttet wurde, das Segel endlich zu bergen.

Das holländische Segelmädchen kommt unter Passatbesegelung gut voran.© Dekker

Seitdem wir das Kap Agulhas passiert haben, ist die Wassertemperatur stark gesunken, und zum ersten Mal seitdem wir die Galápagosinseln verlassen haben, schwimmen Pinguine und Seehunde um uns herum.

Nachdem ich das Segel vorläufig auf dem Vordeck festgebunden hatte, holte ‘Guppy’ trotz ihrer kahlen Masten immer noch stark über. Auf dem letzten Wegstück zum Hafen schien mir die aufgehende Sonne direkt in die Augen, und durch das überkommende Wasser konnte ich überhaupt nichts sehen.

Aber irgendwie habe ich es dann doch geschafft, ‘Guppy’ in den Hafen zu manövrieren, und als die Wellen endlich niedriger wurden, konnte ich endlich sehen, wo ich gelandet war: mitten zwischen den Booten des Volvo Ocean Race! Ich durfte dort anlegen, und nach einiger Zeit kehrte wieder Gefühl in meine kalten Hände und Zehen zurück.

"Guppy" kämpft sich um das stürmische Kap der Guten Hoffnung. © Dekker

Kurze Zeit später sah ich, wie die ‘Camper’ in den Hafen einlief. Mittlerweile liegt ‘Guppy’ im Jachthafen von Kapstadt, da mir der andere Platz zu überlaufen war, und ‘Guppy’ liegt hier viel schöner.

Nach einer guten Nachtruhe fühlte ich mich wieder soweit fit, daß ich den Kampf gegen die Unordnung in ‘Guppys’ Kabine aufnehmen konnte, denn durch den Wassereinbruch und die raue See hatte sich das Boot in ein einziges Chaos verwandelt…

Der Zweimaster von Laura Dekker macht im Volvo Ocean Race Hafen fest. © Dekker

Deutsche Übersetzung von Lauras Blog

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Segelmädchen Laura Dekker: Gleichzeitig mit Volvo Flotte in Kapstadt“

  1. avatar T.K. sagt:

    RESPEKT!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 21 Daumen runter 1

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