Jules Verne Trophy: Alexia Barrier startet „Famous Project“ – erst MOD70, dann Ultim

100 Prozent weiblich

Es war etwas still geworden um die IMOCA-Skipperin Alexia Barrier. „Kein Interesse an einer nächsten Vendée Globe-Kampagne“ – Madame Barrier hat nämlich viel Größeres vor: Die Jules Verne Trophy! Aber bitte nur mit Kolleginnen!

Die Route du Rhum ist vorbei. Es gab Rekorde, Desaster, Glücksmomente, sportliche Höhepunkte und kernige Niederlagen, es wurden Egos poliert und so manches Selbstbewusstsein angekratzt. Und es gab Statistiken, bei denen ein Zahlenvergleich besonders auffiel: 7 zu 138! Deutlicher formuliert: Unter 138 Teilnehmern waren lediglich sieben Frauen am Start. Kein berauschendes Verhältnis für eine Sportart, die sich bereits seit Jahren als „chancengleich“ und geschlechterspezifisch „ausgewogen“ bezeichnet.

Wurden bei der letzten Vendée Globe noch sechs Frauen neben 27 Männern als Rekordteilnahme-Ergebnis für das weibliche Geschlecht gefeiert, kann man das Verhältnis bei der Route du Rhum nur noch mit ernüchternd bezeichnen.

selbsterklärend © the famous project

Zwar zeigten die Route-du-Rhum-Spitzenplatzierungen von Justine Mettraux, Isabelle Joschke und Pip Hare in der IMOCA-Klasse, dass die Frauen „richtig was draufhaben“. Doch wird selbst mit äußerst wohlwollendem Blick auf die Szene mehr als deutlich, dass das weibliche Geschlecht auch beim Hochseesegeln deutlich unterrepräsentiert ist. Allen „Mixité“- und sonstigen Gleichstellungsinitiativen in der Szene zum Trotz.

Weg von den Quotenfrauen – hin zu Frauen-Teams

Keine neue Erkenntnis für Alexia Barrier. Die französische Vendée Globe-Finalistin (Rang 24 in 2021) ist in der Szene längst für ihr Engagement in Sachen „Gleichberechtigung“ bekannt. Und sie hat – durchaus vor Bekanntwerden der niedrigen Teilnehmerinnen-Anzahl bei der RdR – eine Initiative ins Leben gerufen, die Gleichberechtigung und einen „weg-von-den Quoten-Frauen“-Status“ zumindest anschubsen soll – und könnte!

Bereits am 13. Januar 2022 gab Alexia Barrier „The Famous Project“ bekannt. Sie will mit einer internationalen, 100 Prozent-Frauencrew 2025 die Jules Verne-Trophy holen, zumindest aber eine Referenzzeit für Frauencrews setzen, die dann von zukünftigen „100 %-Female-Crews“ angegriffen werden kann.

Alexia Barrier als Gastmoderatorin bei der Route du Rhum © The Famous Project

Nun ist die Jules Verne Trophy nicht irgendeine Rekordmarke, sondern DAS Prestige-Projekt aller Hochseeregattanationen. Es gilt, auf den schnellsten Boliden die Welt mit Crew nonstop zu umrunden. Derzeitige Bestzeit: 40 Tage, 23 Stunden und 30 Minuten brauchte Francis Joyon mit seinen Jungs auf dem Ultim-Trimaran IDEC Sport im Dezember 2016/Januar 2017. Mehrere Versuche, diesen Rekord mit den „neuen“ Foil-Ultim-Trimaranen zu brechen, mussten wegen Havarien oder ungünstigen Wetterfenstern abgebrochen werden.

Es wurde viel geunkt

Das sei wohl doch etwas zu hoch gegriffen, war dann auch die einhellige Meinung vieler britischer und französischer Insider. Ausgerechnet den wohl am schwersten zu knackenden Rekord mit einer reinen Frauencrew holen zu wollen, mag zwar ein hehres Ansinnen sein, frau solle das aber bitteschön den athletischeren Herren der Schöpfung überlassen, unkte es unisono aus der Szene.

Doch nichtsdestotrotz machte sich Barrier an die zunächst wichtigste Aufgabe für ihr Projekt. Nein, nicht der Kauf eines Bootes stand vornan, sondern die Rekrutierung einer fähigen, aber auch prestigeträchtigen reinen Frauencrew. Sieben Kolleginnen aus der Hochseeszene habe sie ins Visier genommen und interessanterweise haben alle ad hoc zugesagt, wie Alexia Barrier immer wieder in den sich häufenden Interviewanfragen betont.

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Michael Kunst

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