Junioren Champions League: Überlingen verteidigt Titel – 21 Teams aus 9 Nationen

Erwachsen geworden

Der Bodensee-Yacht-Club Überlingen hat in einem spannenden Final den Titel bei der Youth Champions League geholt. Besonders die Schweizer aus Oberhofen hielten dagegen. Auch Australien war am Start.

Im vergangenen Jahr hatte das neue Final-Format Konstantin Steidle und seinem Team vom Bodensee-Yacht-Club Überlingen noch geholfen, den Sieg bei der ersten Youth Champions League Regatta einzufahren. Als Dritte der Vorrunde halfen zwei Siege, um die beiden dänischen Teams zu übertreffen. Diesmal war schon nach einem Sieg die Serie entschieden. Konstantin Steidle, Finn Kenter, Tom Lembcke und Patrick Hasse haben für ihren Verein den Titel verteidigt.

Die siegreichen Titelverteidiger aus Überlingen. © Kieler Woche / Sascha Klahn

Allerdings erscheint die Dominanz auf dem Papier größer, als sie auf dem Wasser tatsächlich war. Die Favoriten hatten schwer zu kämpfen. Punktgleich zum Regattaclub Oberhofen aus der Schweiz waren sie nach 15 Rennen durch die Vorrunde gekommen. Nur ein Sieg mehr im direkten Vergleich sicherte die Pole-Position an der Spitze der Liste, die gleichbedeutend mit einem Punkt Vorsprung im Finale der Top Vier war.

Die “Youngsters Denmark”. © Kieler Woche / Sascha Klahn

Zwei Punkte reichten für den Sieg, und so musste das Team aus dem Süden, das für den BYCÜ auch in der zweiten Liga segelt, nur noch einen Finalsieg im Rennen der letzten vier einfahren. Ein interessante Regelung, das sich Markus Baur auch schon für das Champions League Finale in St. Moritz ausgedacht hatte, und fairer als etwa das Helga-Cup-Format, als ein Rennen der Top Acht über den Sieg entschied.

Flensburg startete mit fünf Siegen

Die Überlinger waren nicht so gut in die dreitägige Rennserie gekommen wie der Flensburger Segel-Club. Die Nordlichter um den Laser Radial-Segler Thore Kiesbye, der der schon an Bord von Jan Hauke Erichsen Bundesliga-Luft schnuppern durfte, gewannen am ersten Tag gleich fünf Rennen in Folge. Aber mit zunehmendem Wind wurde die Konkurrenz stärker und der FSC fiel auf Rang drei zurück, den er schließlich auch in der Endabrechnung belegte.

Der Münchener Yacht-Club in Aktion. © Kieler Woche / Sascha Klahn

Zuletzt lief alles auf einen Zweikampf der Überlinger mit den Schweizern hinaus, dessen Regattaclub Oberhofen seit Jahren zu den Top Ten der Champions League gehört und auch 2018 in St. Moritz zehnter wurde.

Das Finalrennen (im Tracker):

Im Finalrennen gewann der RCO das Duell um die Lee-Position an der Startlinie, weil die Titelverteidiger mit einem Frühstart abdrehen mussten. Das Rennen schien schnell verloren. Schließlich ging für die Schweizer auch das Vabanque-Spiel auf, als einziges Spitzenteam mit fünf statt vier Mitseglern zu segeln. Das sollte bei dem stärkeren Wind Speed-Vorteile an der Kreuz bringen.

Frühstart für die Führenden

Aber der BYCÜ reagierte früh auf die Frühstart-Flagge, drehte eine Halse um das Pin End, und segelte unbedrängt hinter den drei gegnerischen Booten nach rechts. Geplant war das nicht, aber manchmal soll es eben so sein. Die Rechtsdrehung setzt ein, und an der Lvtonne liegen die Youngster aus dem Süden vorne.

Sie verteidigen geschickt und nervenstark, und schließlich bestätigen sie die Leistung aus dem Vorjahr. 2018 hatten insbesondere noch die Dänen Paroli geboten, nun hieß es im Finale Schweiz gegen Deutschland. Damit spiegelt sich in der Leistung auch der Erfolg der Senioren-Liga. In beiden Ländern ist wohl das internationale Niveau erreicht.

Starker Auftritt der Flensburger, belohnt mit Bronze. © Kieler Woche / Sascha Klahn

Während die Erweiterung des Liga-Formats bei den Frauen nicht funktionierte, und die geplante Champions League in diesem Jahr mangels Beteiligung gestrichen worden ist, scheint die Jugend-Liga der 16 bis 23-Jährigen eine gute Resonanz zu erhalten. 21 Teams bedeuten ein ordentliches Feld. Jeweils die ersten drei Vereine der nationalen Youth-Leagues hatten eine Startberechtigung.

Die Italiener schickten ein Team nach Kiel. © Kieler Woche / Sascha Klahn

Aber so richtig etabliert sind die Ligen in den anderen Ländern kaum. Nur die Schweiz und Dänemark nutzten diese Möglichkeit aus. Die Nachrücker-Plätze wurden insbesondere an zwei weitere deutsche Vereine vergeben. Eine Wild Card ging auch nach Australien an die Royal Sydney Yacht Squadron. Die Aussies segelten auf Platz 13.

Sieg-Steuermann war Opti-Meister

Nun muss sich zeigen, ob die internationale Jugend-Liga schon erwachsen geworden ist. In Deutschland weiß man trotzt anfänglicher Kritiken längst, dass Vereine man mit dieser Art des Segelns auch ein attraktives Angebot für den Nachwuchs und die Junioren schaffen kann.

Auch in der Schweiz hat das Jugend-Format eingeschlagen. Der YCB segelte auf Rang vier. © Kieler Woche / Sascha Klahn

Sieg-Steuermann Konstantin Steidle ist vielleicht ein gutes Beispiel für das notwendige Angebot. Als Deutscher Optimist-Meister hat er Talent nachgewiesen, segelte dann im 420er auf WM- und WM-Niveau, stieg in den 470er um und wurde 2017 im DSV-Bundeskader gefördert. Dann beendete die Sport-Karriere als in diesem Jahr mit dem Ingenieur-Studium in München begann. Er wäre dem Segeln wohl verloren gegangen.

Eine typische Segelkarriere, wie sie immer häufiger in Deutschland passiert. Auch deshalb mag sich ein Verein wie der bisherige Liga-Verweigerer Kieler Yacht-Club inzwischen mit einem Jugendteam darauf eingelassen haben.

Aber kommt das Format auch international so an wie erhofft? Die Bilder aus Kiel, mit herrlichen Ostwind-Bedingungen, schicken Bilder um die Welt, die einige Zweifler überzeugen könnten.

Top Ten Ergebnisse

Ergebnisse Youth Champions League 2019

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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