Kieler Woche: Die unglaublichen letzten Meter – Buhls Herzschlag-Finale im Video

"Göttliche Chance"

Manchmal läuft es einfach. Video-Sequenzen: Wie Philipp Buhl zweimal hintereinander bei Großereignissen auf den letzten Metern den Sieg holt und Iker Martinez auf dem Nacra-Foiler durch das Feld fliegt.

Während sich Segel-Laien nach dem unglaublichen Volvo Ocean Race Finale wundern, wie spannend der Sport sein kann, hat Philipp Buhl bei der Kieler Woche gezeigt, dass es solche Herzschlag-Finishes beim Segeln öfter vorkommen, als man denken mag. Man muss nur genau hinsehen.

In Kiel spielte für Buhl das Glück eine große Rolle. Am Vortag des Finals hatte er noch die Wettfahrtleitung heftig kritisiert, weil sie den Starkwindtag nicht genutzt hatte, wie international üblich, nun sah er den vorprogrammierten fünften Kieler-Woche-Sieg schwinden.

Philipp Buhl

Philipp Buhl bei der Kieler Woche. © KiWo

Nach einem für seine Verhältnisse eher schwachen Medalrace-Beginn und dem vorletzten Platz an der letzten Tonne war der Zweikampf mit Elliot Hanson, dem 35. der Weltrangliste, eigentlich schon verloren. Der Brite lag zwar achteraus, aber Buhl musste einen Platz zwischen sich und den Gegner bekommen.

Dann kam die “göttliche Chance” wie es Vater Buhl in seiner Beschreibung des Medalraces nennt. Der Este bekommt auf dem kurzen letzten Schenkel zum Ziel von der Jury einen Strafkreis wegen Pumpens (Regel 42) aufgebrummt. Und er beendet ihn gerade so, dass er um Zentimeter hinter Buhl und vor Hanson ins Ziel kommt.

Das Wunder, das Philipp Buhl zum Sieg verhalf:

Dieses knappe Finish ist umso bemerkenswerter, weil Buhl wenige Wochen zuvor das Weltcup-Finale in Marseille nach fast der gleichen Dramaturgie gewonnen hatte. Auch bei dieser Regatta war er als Weltranglisten-Zweiter neben Doppelweltmeister Nick Thompson der haushohe Favorit, verpatzte den Auftakt des Medalraces, kam dann immer besser in Schwung und setzte sich schließlich beim Zieldurchgang um Zentimeter gegen den Norweger Tomsgaard durch. Diesmal hatte er allerdings den Ausgang selbst in der Hand.

Die spannende Sequenz aus Marseille:

Beide Siege sind in Abwesenheit der zurzeit stärksten Segler aus der Weltspitze zustande gekommen. Aber im Laser sind die Leistungsunterschiede so gering, dass Kleinigkeiten entscheiden. Auch für den Favoriten muss alles zusammenpassen, damit er dem Anspruch gerecht wird.

Wenn dann manchmal diese Macht von oben mithilft, kann man als Sportler auf die Idee kommen, dass es einfach passen soll. Dass die Zeit reif ist für die ganz großen Siege. Daraus folgt Selbstbewusstsein und eine Art Selbstverständlichkeit beim Suchen und Finden der Siegerstraße. So ist ein Ben Ainslie zu einigen seiner Olympiasiege gekommen. Und danach war er noch stärker.

Für Philipp Buhl entscheidet sich Anfang August, was die starken, knappen Siege tatsächlich wert sind. Dann werden bei der Weltmeisterschaft in Aarhus wieder alle Spitzensegler am Start sein.

Mit dem Nacra Turbo Boost an die Spitze

In Dänemark sind auch die anderen Olympischen Klassen dabei, denn es geht schon um Olympia-Startplätze für Tokio 2020. Dabei werden sich viele Augen auf das Nacra17 Feld richten, bei dem noch niemand die Hackordnung so genau definieren kann, wie bei den Lasern.

Paul Kohlhoff

Beim Abfallen auf die Foils. Paul Kohlhoff mit Alica Stuhlemmer. © Sven Jürgensen

Mit dem Wechsel zu den Tragflächen ordnet sich die Spitze in der Klasse völlig neu. Warum das so ist zeigt eindrucksvoll eine Sequenz vom Spanier Iker Martinez mit Olga Maslivets, die sich im Medalrace plötzlich anders als die Konkurrenz auch am Wind auf die Foils hebt und sechs Knoten schneller als die Konkurrenz auf den ersten Platz rast:

Die Klasse befindet sich noch in der Lernphase, und entdeckt, wie man die Tragflächen am besten einsetzen kann. Deshalb ist die Premiere der Geschwister Outteridge sehr bemerkenswert verlaufen. Der 49er-Olympiasieger und America’s Cup Profi verursachte zuerst einen Crash, wurde disqualifiziert und die Reparatur des Bootes kostete ein weiteres Rennen. Aber ohne den Ausfall wäre der Foiler-Spezialist mit seiner Schwester auf Anhieb um die Medaillen mitgesegelt.

Den beiden deutschen Teams Kohlhoff/Stuhlemmer und Polgar/Werner gelang das mit Rang 13 und 14 noch nicht ganz, aber ihre Formkurve steigt im Vorfeld der Aarhus-WM  stetig an.

Die Höhepunkte der Medal Races bei der Kieler Woche:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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