Kieler Woche Olympia-Klassen: Alicia Stuhlemmer rutscht ins Wasser – 49er-Frauen siegen

Frau über Bord

Das Frau-über-Bord-Malheur in der live-Übertragung:

Kieler-Woche-Siege in den Olypmiaklassen für 49er-Frauen und Kasüske im Finn Dinghy. Kohlhoff/Stuhlhemmer erleben Drama im Medalrace.

Die olympischen Klassen waren bei der Kieler Woche nur bei den 49er Skiffs stark besetzt. Die 470er-Wettbwerbe fielen mangels ausreichender Meldungen aus. Die Surfer sind schon länger nicht mehr dabei. Die Laser-Spitze weilt wegen der unmittelbaren WM-Vorbereitung in Japan. Bei den Finn Dinghies gingen nur 25 Boote an den Start.

Auch die Nacra17 bekamen nur 22 Katamarane an die Linie. Aber zumindest die fünf Spitzenteams gehörten zur Weltelite. So war das Medalrace ein schönes Spektakel auf hohem Niveau. Und eigentlich war ein Happy End für die Lokalmatadoren Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer geplant.

Kohlhoff/Stuhlemmer

Kohlhoff/Stuhemmer segeln lange im gelben Trikot. © segel-bilder.de

Die waren sehr stark in die Serie gestartet, hatten bei den ersten sechs Rennen gleich viermal gesiegt und ihren bei den jüngsten internationalen Events zu verzeichnenden Formanstieg nach der Krankheit von Kohlhoff deutlich bestätigt.

Aus dem Haken gerutscht

Aber am vorletzten Tag griffen sie mit zwei 14. Plätzen bei leichten, drehenden Winden auf der Innenbahn vor Schilksee ordentlich daneben, und der Sieg geriet nahezu außer Reichweite. Beim doppelt zählende Medalrace konnte aber noch etwas nach vorne geh. Und das Duo begann stark mit einer frühen Führung.

Aber dann die zweiten Kreuz. Der Wind wird plötzlich leichter. Die Führung gerät auf der linken Seite in Gefahr. Alicia Stuhlemmer verlagert akrobatisch ihr Gewicht am Trapezdraht nach vorne zwischen die beiden Rümpfe des Katamarans. Dadurch drücken auf dem Nacra17 die Hecks weniger ins Wasser.

Keine große Besonderheit. Aber die Vorschoterin rutscht aus dem Haken, fällt ins Wasser und treibt zwischen den Schwimmern achteraus. Kohlhoff versucht das Schiff abzustoppen. Stuhlemmer krault zurück zum Boot. Aber bis sie wieder an Bord ist vergeht zu viel Zeit.

Formanstieg

Das Duo kämpft, und überholt noch die Teamkollegen Polgar/Werner. Aber schließlich fehlen doch fünf Punkte zur Medaille. Platz vier. Ein unglücklicher Verlauf. Dennoch dürften für sie die 125. Kieler Woche positiv im Gedächtnis bleiben. Ihre Serie im Vergleich mit den Besten der Welt zeigt den Formanstieg, der sie in letzter Zeit immer häufiger international ganz vorne mitspielen lässt.

Gold sichern sich schließlich Zajac/Matz, denen ein vierte Platz im Medalrace reicht, um die Spitzenposition zu verteidigen. Der Jubel an Bord der Österreicher ist riesig: „Die Kieler Woche zu gewinnen, ist ein Mega-Ding für uns.

Es war wahnsinnig spannend. Ich habe die Babsi auf dem letzten Vorwind angefeuert und sie hat einen Super-Job gemacht“, feierte sich Zajac und seine Vorschoterin. Auf den weiteren Medaillenrängen landeten sschließlich die Italiener Vittorio Bissaro/Maelle Frascari und die Dänen Lin Cenholt/CP Lübeck. Johannes Polgar/Carolina Werner (Hamburg/Kiel) wurden Zehnte.

Fotofinish verloren

Besser läuft es für die deutschen Frauen im 49er FX Medalrace. Mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung gingen Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) in das Finale, und sie konnten die direkte Konkurrenz nach einem guten Start kontrollieren. An der zweiten Luvmarke schien auch alles klar. Die Deutschen waren Zweite. Aber dann verloren sie das Fotofinish zwischen drei Booten.

Jurczok/Lorenz

Die Kieler Woche Siegerinnen im 49erFX Victoria Jurczok und Anika Lorenz. © segel-bilder.de

Die direkten Gegner aus Holland Offerman/de Ruijter rutschten durch und auch noch Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande). Aber schließlich retten sie im Spitzenfeld  von 53 Booten einen Vorsprung von zwei Punkten. „Wir freuen uns riesig. Ein Medal-Race ist mental immer anstrengend. Eigentlich wollten wir noch eine Top-Drei-Platzierung einfahren. Aber jetzt sind wir glücklich, dass es mit dem Kieler-Woche-Sieg geklappt hat“, sagte Steuerfrau Victoria Jurczok.

Auch Lutz/Beucke befinden sich als  starke 5. nach wie vor in Schlagdistanz. Die Rennen der 49er ware auf derInnenbahn durch viele ausgefallenden Rennen geprägt. Nur drei Finalläufe konnten stattfinden. Die Olympiaqualifikation in dieser Klasse wird noch sehr spannend.

Das Foto-Finish der 49erFX im Medalrace:

Eine sehr starke Beteiligung zeigten insbesondere die 49er-Männer mit 82 Booten am Start. Selbst die Superstars Burling/Tuke, Olympia-, America’s-Cup- und fast Volvo-Ocean-Race-Sieger wollten in Kiel Match-Praxis sammeln.

Sie segelten auch eine ordentliche Serie und übernahmen die in den vergangenen Jahren angestammte Position an der 49er-Spitze. Aber nach ihrer Weltumseglungspause ist dann doch einiges anders. Die Überflieger sind doch noch weit entfernt von der unglaublichen Siegesserie, die sie 2016 mit dem Olympiasieg krönten, als man denken mochte.

Zwar war den Neuseeländern der Sieg bei der EM 2019 geglückt, in Kiel verpassten sie nach einer schlechten Finalserie als Fünfte das Podium aber gänzlich. Noch schlimmer: Die Widersacher aus dem eigenen Land Dunning Beck/Gunn zeigten eindrucksvoll, dass sie durchaus gewillt sind, den Superstars das Olympiaticket streitig zu machen.

Fischer/Graf im Medalrace

In Abwesenheit von Erik Heil, der für sein Medizinstudium büffelt und Thomas Plößel, ruhte die Hoffnung auf Schmidt/Böhme, die zuletzt mit Rang sechs bei der EM eine starke Vorstellung abgeliefert hatten. Aber sie bekamen die drehenden Winde auf der Innenbahn ihres Hausreviers insbesondere in der Finalserie nicht in den Griff und platzierten sich auf einem enttäuschenden 22. Platz.

Dafür zeigten die Überrschungs-Dritten der vergangenen WM Fischer/Graf einmal wieder eine starke Leistung und zogen ins Medalrace ein. Aber dort kollidierten sie beim Abdrehen eines Penalties mit dem Jury-Boot, wurden später im Rennen noch einmal bestraft und konnten schließlich nicht mehr als Rang 10 herausholen.

Da gestalteten sich die Finn Dinghy Rennen für Phillip Kasüske erfreulicher, auch wenn die Gegner nicht zu den Top Ten der Welt gehörten. Aber er nutzte die Gunst der Stunde, als der junge Kroate Milan Vujasinovic nach vier Siegen in Folge beim Medalrace als völlig daneben griff. Der Weltranglisten-27. wurde Vorletzter und rutschte gleich gänzlich vom Podium. 

Kasüske dagegen reichte Rang drei, um den Kieler-Woche-Sieg klar zu machen. Ein schöner Erfolg, der ihn noch einmal beflügeln kann, die schwindende Chance für eine Olympia-Teilnahme wahrzunehmen. Dabei konzentriert er sich auch schon auf die kommende Hochsee-Karriere zusammen mit dem Offshore Team Germany und Robert Stanjek. Max Kohlhoff segelte auf Platz fünf.

Ergebnisse Kieler Woche 2019

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *