Kieler Woche: Peter Ramcke tritt zurück – Die Sorgen bleiben

Von Bord

Die Kritik an der Kieler Woche wurde zuletzt von Aktiven immer größer. Nun hat Regatta-Chef Peter Ramcke seinen Hut genommen. Ein dauerhafter Nachfolger ist nicht in Sicht.

Peter Ramcke

Ex Kieler Woche Chef Peter Ramcke. © www.segel-bilder.de

Die Sorge um die Kieler Woche wächst. Zunehmend wird die Veranstaltung von der ISAF ignoriert. Seit der World Cup Status aberkannt wurde und die europäische neue EUROSAF Serie in der Bedeutungslosigkeit verharrt, wird es immer schwerer, Spitzensegler nach Kiel zu lotsen.

Die mediale Präsentation hat zwar Dank Audi und SAP ein Niveau erreicht, das kaum noch höher zu schrauben ist. Aber wenn die Stars fehlen, wird auch die Berichterstattung beliebig. Der Wert eines Kieler Woche Sieges ist längst gesunken.

Nun kommt auch noch eine Termin-Kollision dazu. Die ISAF ließ sich nicht davon abbringen, vom 8. bis 14. Juni einen Weltcup nach Weymouth zu vergeben. Bis zum Start der Kieler Woche verbleiben den Spitzenseglern dann nur noch sechs Tage. Es wird befürchtet, dass durch diese Planung noch mehr starke Teams Kiel links liegen lassen.

Es ist noch nicht abzusehen, ob sich das Problem so extrem entwickeln wird wie befürchtet. Die Meldzahlen werden es zeigen.  Aber die Organisation hat zuletzt von Teilnehmern viel Kritik einstecken müssen. Die Attraktivität der Kieler Woche ist besonders bei den Normalo-Seglern, die sich in der zweiten Wochenhälfte treffen, gesunken.

So kommt die Meldung von Änderungen nicht unerwartet. Der Regatta-Chef Peter Ramcke hat seinen Posten „aus persönlichen Gründen“ mit sofortiger Wirkung aufgegeben. Ein dauerhafter Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Bis dahin soll Vorgänger Jobst Richter interimsweise als Berater zur Verfügung stehen.

Der Wechsel geht einher mit eine Häufung von Amtsaufgaben im KYC. Zuvor hatte Cheftrainer Patrick Böhmer gekündigt und der Vorsitzende Ulrich Ellerbeck sein Amt aufgegeben. Aber laut Pressemitteilung betont Nikolaus Rickers, Geschäftsführer der Kieler-Woche-Vermarkters Point of Sailing (POS), das sei zufällig und stehe in keinem inhaltlichen Zusammenhang.

Er betont auch, die Kieler Woche müsse in Zukunft professionell, hauptamtlich geleitet werden. “Nebenberuflich ist das kaum noch zu leisten,” sagt auch Ramcke. Deshalb will Point of Sailing “mehr Aufgaben in das Hauptamt überführen und lediglich für die strategische Ausrichtung einen ehrenamtlichen Kopf haben“.

Die Strategie müsse insbesondere auch auf den Kurs des Weltverbandes ISAF ausgerichtet sein. Denn zuletzt seien die großen ISAF-Ereignisse stets an Kiel vorbei geleitet worden.

Aus Ramckes Sicht ist laut PM die große Aufgabe für die Kieler-Woche-Zukunft, den Spagat zu schaffen zwischen einer professionellem Regatta für die Spitzensegler und einem Angebot für die Breitensportler. “Die Ausrichtung im Leistungsbereich ist auf dem Wasser sehr gut gelungen, auch die mediale Aufbereitung. Jetzt gilt es weiter, die Segler an Land nicht zu verlieren, sie noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist ein Paradigmen-Wechsel, der mit neuen Köpfen besser zu leisten ist.”

Eine große Aufgabe. Es wäre Klasse, wenn sich wirklich etwas tun würde an der Kieler Woche Front.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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10 Kommentare zu „Kieler Woche: Peter Ramcke tritt zurück – Die Sorgen bleiben“

  1. avatar Björn sagt:

    Einfach das Luzifer wieder öffnen und die Stimmung ist gleich wieder doppelt so gut!

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Zunächst Dank an Peter für die harte ehrenamtliche Arbeit! Und jetzt bitte zusätzlich zu “Olympiaklasse & Q7” eine kräftige Aufwertung von “Nichtolympiaklasse & Mount Gay”! Das Ganze dann noch abzüglich 50% der Pommesbuden und plus bisschen mehr Wertschätzung denen gegenüber, die nicht nach Rio wollen. Dann geht es bestimmt wieder bergauf.

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Sehr richtig!
      Zusätzlich sollte man über einen Anlaufpunkt für die Segler nachdenken. Da wo man die letzte kritische Tonnenrundung beim Bier regeln kann und nicht im Protestraum und natürlich über die heldenhafte Zielkreuz mit Gleichgesinnten fachsimplen kann.

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      • avatar Kieler sagt:

        Es gibt doch den Anlaufpunkt für Segler: Das große Zelt bei den Ergebnistafeln. Dort gibt es W-LAN, Bier, Sitzsäcke, Cocktails, viele andere Segler, … Unsere Klasse trifft sich dort regelmäßig und regelt beim Bier die Dinge auf der Bahn ohne Jury 🙂

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 8

  3. avatar friedrich Göing sagt:

    Vor vielen Jahren wollte man nationale Klassen nicht mehr haben und tat alles um jede neue Klasse nach Kiel zu holen. So segelten jahrelang Klassen mit 10- 20 Booten über die Bahn .viele dieser Klassen liegen heute am Boden und nun jammert man . Die Wasa Halle ein Treffpunkt der Segler an jedem Abend dient nun zum Verkauf von Seife,Kerzen und uninteressanter Bekleidung . Die Segler haben kein Anlaufpunkt mehr.
    VIP Karten mit Band um den Hals sind heute wichtiger als Flair und Stimmung welches die Segler früher täglich verbreiteten.für 3Tage Segeln ohne Flair und Stimmung im Rahmen der großen Segler Familie kommt keiner mehr nach Kiel Die vielen Besucher die durch die Medien geistern sieht man nur auf der Kiellinie.Das Leben in Schilksee ist trostlos . Hauptsache man trägt Kleidung vom Sailing Team Germany.das Team hat ca 2000 Segler

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  4. avatar heinalfredo sagt:

    Vielleicht sind das auch einfach die Zeichen der Zeit und Deutschland eben einfach keine Segelnation mehr! Ähnlich wie im Tennis sind die Zeiten eben einfach vorbei und andere Nationen eben einfach besser. GBR ist uns enteilt, warum sollen die mit ihrem Weltcup auf die Kieler Woche Rücksicht nehmen? Wir haben kein AC-Team, Volvoocean auch ohne deutsche Beteiligung, Olympia ist mager in der Ausbeute, warum soll die ISAF irgendetwas in Deutschland pushen??

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  5. avatar alex sagt:

    und von der medialen Aufbereitung im Breitensport habe ich auch nicht so wahrgenommen, da lief jeden tag nur die videos vom olympischen part und Tracker oder etwas haben die “normalos” auch nicht bekommen…

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  6. avatar Wilfried sagt:

    Mcih hält von der Kieler Woche einfach ab, dass das Regattaprogramm für mich schlicht zu anstrengend ist. Die Kondition reicht einfach nicht für 8 Stunden auf dem Wasser im Contender. Ich habe kein Begleitschlauchboot für Verpflegung und Getränke an das ich mich in den Wartezeiten ranhängen kann.
    Vielleicht will mich ja Kiel auch nicht haben, aber dann werden sie in einigen Klassen eben auch nicht auf Meldezahlen kommen. Ich fahre dann eben in Zukunft lieber Euro oder WM die sind nicht so stressig.

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