Kieler Woche: Rekord-Meldungen bei den Para Worlds – Neue Klasse am Start

Hässliches Entlein

Segeln ist wegen zu geringer Beteiligung aus dem Paralympics-Programm 2020 geflogen. Aber der neue Anlauf in Kiel macht Mut. Auch wenn Ästheten mit der neuen Klasse ihre Probleme haben.

Die Hansa 303 ist nicht gerade das hübscheste Segelboot. Mit ihren 3,03 Metern ist sie noch kleiner als der “Mini-Zwölfer” 2.4 mR (4.18 Meter) und mutet mit den altmodischen Dreiecksegeln an wie ein Relikt aus alten Zeiten.

Aber es könnte der Heilsbringer für die Zukunft des Paralympic-Segelns sein. Denn der 62 Kilo Rumpf mit dem 30 Kilo schweren Ballast-Schwert soll möglichst vielen behinderten Seglern den Zugang zu dem Sport erleichtern.

Hansa als Perspektive

Deutschlands Vorzeige-Paralympionike Heiko Kröger, der auch in Kiel segelt, äußerte sich schon sehr despektierlich zu dem Schiffchen und kritisierte, dass die Segler nur ungenügend in die Wahl der Bootsklassen eingebunden würden.

Aber nun könnte es so sein, dass die Einführung dieser Hansa genau der richtige Weg ist, um dem Segeln wieder eine Perspektive für die Teilnahme bei den Paralympics zu bieten. Aus dem hässlichen Entlein mag ein stolzer Schwan werden.

Hansa 303 Paralympics

Hansa 303, soll das neue Paralympics-Boot werden. © World Sailing

Denn die aktuellen Meldezahlen für die Para World Sailing Championships in Kiel im Rahmen der Kieler Woche (19. bis 25. Juni) belegen, dass  der Hansa 303 aus dem Nichts mit 29 männlichen und sechs weiblichen Teilnehmern ein großer Erfolg gelingt.

Der Ausschluss aus den Paralympics erfolgte überwiegend, weil die Zahl der magischen 32 Nationen nicht erreicht wurde. Nun können die Kieler mit 39 Ländern einen Rekord verbuchen.

Crew-Klassen nicht besetzt

Die 2.4 Klasse stellt mit 44 Seglern nach wie vor den Löwenanteil, aber Skud 18 und die neue Trimaran Weta-Klasse haben jeweils nur ein Team in der Meldeliste stehen.

Hansa 303 Paralympics

Seit 2005 von Weltseglerverband anerkannt. © Hansa Class

Para World Sailing Manager Massimo Dighe ist begeistert über die große Resonanz. Die  großen Anstrengungen und Werbemaßnahmen im Hintergrund  tragen offenbar Früchte. Der Weltseglerverband kümmert sich inzwischen deutlich mehr um die Paralympic-Segler, und es wurden Trainingslager in Argentinien, Hong-Kong organisiert. Weitere sollen in Polen und Frankreich folgen.

Hansa 303 Paralympics

Bunte Segel sind das Markenzeichen. © Hansa Class

So konnten neue Teilnehmer gewonnen werden aus Chile, Indonesien, Litauen Macau, Namibia, Süd-Afrika, Türkei, Tunesien und Uruguay. “Hoffentlich ist das nur der Start für die neuen Nationen, um bei diesem Sport, den wir alle lieben, dabei zu sein”, sagt Dighe. Im Frühjahr 2018 fällt die Entscheidung, ob Segeln wieder in den Kreis der paralympischen Sportarten aufgenommen wird.

Die Zahlen von Kiel werden dabei eine große Rolle spielen. Ziel ist es, bis Ende 2020 die weltweite Teilnehmerzahl auf 40 Nationen und vier Kontinente zu erweitern. Die Hansa 303 könnte dabei strategisch eine große Rolle spielen, auch wenn Ästheten mit dem Schiffchen Probleme haben.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Kieler Woche: Rekord-Meldungen bei den Para Worlds – Neue Klasse am Start“

  1. ….die Bezeichnung Mini-Zwölfer für eine 2.4mR ist falsch und irreführend. Das wird auch nicht besser wenn die Bezeichnung in Anführungsstriche gesetzt wird. In den letzten 20 Jahren hat sich die Klasse 2.4mR zu großer Eigenständigkeit mit hervorragender segeltaktischer Performance entwickelt. Diese Entwicklung muß weiter gestärkt werden. Dafür hat die deutsche Klassenvereinigung, wohl die aktivste und größte in Europa, viele Anstrengungen unternommen. Hier wünschen wir uns von Segelreporter.com und Herrn Kemlming eine präzise und richtige Berichterstattung.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 10

    • avatar Bernd Ehler sagt:

      Moin Herr Schröder,
      wenn ich mich recht erinnere, ist der 2.4mR tatsächlich aus den Mini-Zwölfern entstanden. Das in dem Sinne, dass die verschiedenen Mini-Zwölfer, die damals in den Achtzigern als Promotionsschiffchen für verschiedene America’s-Cup-Kampagnen entstanden und dann fleißig gesegelt wurden, vereinheitlicht wurden. So ist die Vermessung und Klasse der 2.4m entstanden.
      Daher und weil die 2.4 eine Meterklasse ist, ist es durchaus berechtigt und gar nicht abwegig, sie Mini-Zwölfer zu nennen.

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  2. avatar Carsten Kemmling sagt:

    Herr Schröder, offenbar sehen sie in der Bezeichnung Mini-Zwölfer eine Abwertung. Das ist schwer nachvollziehbar…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  3. avatar Käptn Brassmann sagt:

    Kleinkarrierter als Megapixel

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

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