Kino-Trailer: Französischer Segel-Spielfilm „Turning Tide“ ab 17.4. in deutschen Kinos

Spannend oder flach?

Ein Mann lebt seinen Traum und rast während der Vendée Globe auf einem Open 60 um die Welt. Doch dann stellt er fest, dass ein blinder Passagier an Bord ist. Ein Muss für Segler?

Cineasten unter den Seglern werden derzeit reichlich verwöhnt. Nachdem jahrelang kaum ein Segel auf den großen Leinwänden gesetzt wurde, soll nach „All is lost“ mit Robert Redford am 17. April ein weiteres Hochsee-Segeldrama in die deutschen Kinos kommen: „Turning Tide“ von Christophe Offenstein.

Turning Tide, Cluzet, Vendée Globe

Cluzet macht sich ganz gut als VG-Skipper © gaumont

Der Film heißt im französischen Original „en solitaire“, was mit „alleine unterwegs“, „im Alleingang“ oder eben auch „einhand“ übersetzt werden könnte und somit den Kern des Films besser trifft, als der englische Titel „Turning Tide“ (= „Gezeitenwechsel“, aber auch „Das Blatt wendet sich“). Ob sich der deutsche Filmverleih zu einer Übersetzung des Filmtitels ins Deutsche durchringen wird, ist noch nicht bekannt.

Wie auch immer, der Handlungsstrang des Films verspricht interessante Stunden im Kino, nicht nur für Segler: Der Hochseeprofi Yann Kermadec, gespielt von dem französischen Filmstar Francois Cluzet (der Rollstuhlfahrer im Kino-Erfolg “Ziemlich beste Freunde”)  springt für einen Segel-Kollegen bei der Vendée Globe ein. Nach jahrzehntelanger Träumerei kann sich der bretonische Skipper endlich seinen großen Traum erfüllen und brettert auch gleich prompt auf Rang Zwei den meisten Konkurrenten davon.

Vendée Globe, Turning Tide, Cluzet

Die Handlungen in dem Film seien durchweg vorhersehbar. Ein Manko? © gaumont

Doch auf Höhe der Kanarischen Inseln muss er wegen eines Ruderschadens einen Reparaturstopp in einer Ankerbucht einlegen, um kurz darauf wieder mit Vollgas den Atlantik in Angriff zu nehmen.

Ganz alleine?

So weit, so realistisch. Tage später macht Kermadec dann aber eine dramatische Entdeckung: Mano (bestens gespielt von Sammy Seghier, dem neuen Youngster-Star des französischen Kinos) , ein mauretanischer Teenager, hat sich während der Ankerpause unbemerkt an Bord geschlichen. Trotz lautstarker Wutausbrüche bleibt Kermadec nichts anders übrig, als den blinden Passagier mitzunehmen. Die beiden sprechen zunächst kaum ein Wort miteinander, die Stimmung ist eisig, bis sich eine dritte Person zu ihnen „gesellt“: Eine Konkurrentin (Karine Vanasse) ist mit ihrem Open 60 in Seenot geraten und muss von Kermadec gerettet werden. Logisch, dass auch sie bald von dem jungen Mitsegler erfährt…

Vendée Globe, Turning Tide, Cluzet

Die meisten Szenen auf Hochsee wurden tatsächlich dort gedreht © gaumont

Kritik ist geteilter Meinung

Der Film wurde im segelbegeisterten Frankreich vor allem über die Weihnachtszeit relativ häufig besucht (Start war dort Anfang November), die Meinung von Zuschauer und Kritik war allerdings geteilt. Neben durchweg begeisterten Zuschauern, die immer wieder die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller hervorhoben, gab es auch viel Kritik, hauptsächlich seitens der Cineasten.

Regisseur Offenstein wird vor allem vorgeworfen, dass die Handlungen zu vorhersehbar seien, echte Spannung würde in dem Film nur selten aufkommen, da jeder Charakter zu durchschaubar sei. Als einstimmig nervig wurden die meist rührseligen Szenen beurteilt, wenn der Skipper zu Frau und Tochter „nach Hause telefoniert“.  Auch wurde die Annäherung zwischen den beiden Protagonisten als zu „künstlich“ bewertet – zu allem Überfluss ist der blinde Passagier auch noch schwer krank und muss vom Skip gepflegt werden… schluchz.

Eine "echte" IMOCA für Cluzet © gaumont

Eine “echte” IMOCA für Cluzet © gaumont

Einig sind sich jedoch alle Kritiker in punkto Segeln: Die Szenen an Bord der Open 60 sind realistisch, spannend und authentisch gedreht. Hauptdarsteller Cluzet konnte sich wohl für die Segelei als solche begeistern und wurde von fachkundigen Skippern in die Materie immer wieder eingewiesen. Ein Großteil der Action-Szenen wurde tatsächlich draußen auf hoher See gedreht, die teilweise überkommenden Seen sind durchweg „nass“ und wurden nicht im Computer kreiert.

Ein Original

Das Schiff, von vielen als der wahre Hauptdarsteller des Films bezeichnet, hat tatsächlich bereits an der Vendée Globe“ teilgenommen. Bei der Ausgabe 2008/2009 startete es unter dem Namen „DCNS 1000“ und wurde von Marc Thiercelin gesteuert. Nach nur wenigen Tagen auf See musste er allerdings mit einem Mastbruch aufgeben.

Cluzet, Vendée Globe, Turning Tide

Ein Mann, ein Boot, eine Sturmfront © gaumont

Während der Hochseedrehtage war die Open 60 mit bis zu 18 Personen bevölkert, hauptsächlich Sound- und Filmtechniker (Turning Tide wurde in einem neuen, aufwändigen Audio-Surround-Verfahren aufgenommen). Es wurde permanent mit zwei Kameras gedreht und dem Chefkameramann Guillaume Schiffman (nomen est omen) wurde ein besonders begnadetes Händchen für die Aufnahmen auf See bescheinigt.

Schön klassisch: Ein gemaltes Filmplakat © gaumont

Schön klassisch: Ein gemaltes Filmplakat © gaumont

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Michael Kunst

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6 Kommentare zu „Kino-Trailer: Französischer Segel-Spielfilm „Turning Tide“ ab 17.4. in deutschen Kinos“

  1. avatar Backe sagt:

    Wuahhh – Neeeiiiid!
    Ein ganzer Kinofilm über eine Offshore- Regatta, und dann auch noch (anders als bei “All is lost”, der weitestgehend unter Studiobedingungen entstand) auf einem echten Open 60 unter echten Offshore-Segelbedingungen gedreht …. sowas wird es in Deutschland vermutlich so schnell nicht geben.

    Das höchste der Gefühle für mich war bisher ein Engagement als “Segel-Koordinator” bei der ZDF-Küstenwache. Es ging um einen Unfall auf einer kleinen Segelyacht, bei der jemand über Bord gehen sollte. Im Original-Drehbuch eines Berliner Kollegen stand: “Plötzlich kommt Wind auf. Die Segelleine (gemeint war vermutlich die Schot, aber genau weiß ich das nicht) löst sich abrupt und das Segel beginnt zu flattern. Dabei schlägt es den Steuermann aus dem Schiff.”
    Ich habe etwas geschluckt und dann vorgeschlagen, eine Patenthalse daraus zu machen …
    Beim Drehen sind wir dann langsam rückwärts gegen den Wind motort (zum Glück war an dem Tag Totenflaute!), damit die Lappen überhaupt stehen. Gedreht wurde übrigens mit einer Maxi 68 (die eine laut Drehbuch eine “Regattayacht” sein sollte!!!), und es waren immerhin 10 Personen an Bord, zwei davon Schauspieler.

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  2. avatar sarah sagt:

    Ich werde mir den Film sicher anschauen. Freu mich darauf!!!!

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    • avatar Chris sagt:

      Wenn sich denn in Deutschland ein Verleiher findet, werde ich mir den auch ansehen.

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  3. avatar Backe sagt:

    In Deutschland wird der Film von Senator verliehen … Mit wie vielen Kopien und wo er anläuft ist noch nicht raus, aber da es einer der größten deutschen Verleiher ist, wird er mit Sicherheit ordentlich synchronisiert sein und zumindest in den größeren Städten laufen.
    Mehr Infos und Set-Fotos gibts hier: http://www.moviepilot.de/movies/en-solitaire

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  4. avatar Jörg sagt:

    Ab April !?
    Strategisch extrem clever – wieso nicht Juli?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 6

  5. avatar BA sagt:

    Ich habe den Film auf DVD und ihn schon zweimal angeguckt, weil die Aufnahmen ein Hammer sind, ich zahlreiche “Episoden” aus dem VG 2012/13 wiederzuerkennen glaube, und ich auch die Auflösung – ganz im Jester Spirit – sehr gelungen finde. Außerdem ist mein Ordinär-Französisch deutlich besser geworden. Like.

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