Kite-Foiling: Mit dreifacher Windgeschwindigkeit kreuzen – Medalrace in Marseille

So sieht's aus

Kite-Foiling gehört ja jetzt zur olympischen Segel-Familie. Kann man sich daran gewöhnen? So wird ein Rennen der Top Ten übertragen. Ein Deutscher spielt ganz vorne mit.

2024 werden für das Kitesurfen auf Tragflächen-Brettern olympische Medaillen vergeben. Weibliche und männliche Piloten werden wohl bei einem Staffelwettbewerb gemeinsam in einer Mixed-Disziplin gewertet.

Dabei ist dem gemeinen Segler noch nicht so richtig klar, was diese Art der Fortbewegung auf dem Wasser mit seinem Sport zu tun hat. World Sailing lässt die Kite-Foiler schon jetzt bei seiner World Cup Tour teilnehmen. Auch um der Welt zu zeigen, wie cool “Segeln” inzwischen geworden ist. Aber was haben die Fluggeräte noch mit dem klassischen Sport zu tun?

Open Kiteboard

Medalrace-Start des Open Kiteboard Events. ©PEDRO MARTINEZ/SAILING ENERGY/WORLD SAILING
08 June, 2019.

Das Medalrace in Marseille gibt ein wenig Aufschluss. Der Start sieht einem klassischen Segelboot-Wettrennen durchaus ähnlich. Dabei versuchen die Kiter schon deutlich vor dem Schuss auf Speed zu kommen, um mit Maximal-Fahrt die Linie zu queren.

Bis zu 40 Knoten schnell

Die Leinen-Länge der Drachen ist vorgegeben, und damit auch der Abstand zum Gegner nach Lee oder Luv. So stehen auch die “Segel” auf Backbord oder Steuerbord und die Vorfahrtsregegeln sind die Gleichen.

Nicolas Parlier, der überlegene Sieger in Frankreich.
©PEDRO MARTINEZ/SAILING ENERGY/WORLD SAILING
08 June, 2019.

Anders ist der Speed. Während die beileibe nicht langsamen 49er das Medalrace zuvor bei etwa acht Knoten Wind kaum einmal gestreckt im Trapez absolvieren, “ballern” die Kite-Foiler mit über 24 Knoten Speed am Wind über den Parcours und erreichen dabei eine erstaunliche Höhe.

Generell dürfen Drachen-Größen zwischen 7 und 21 Quadratmetern eingesetzt. Im Marseille Medalrace wird bei dem leichten Wind der Ü-20 qm Kite benutzt. Deshalb ist die Geschwindigkeit sogar noch relativ gering. Bei stäkerem Wind mit kleinerem Kite werden bis zu 40 Knoten erreicht.

Je zwei Manöver sind Pflicht

Der Speed ist aber auch ein Problem, weil er taktisches Segeln zum großen Teil minimiert. Die eleganten Wenden auf den Tragflächen werden zwar erstaunlich schnell absolviert, aber im Vergleich zum Speed kosten sie dann doch so viel, dass sie auf ein Minimum reduziert werden müssen.

Speed-Duelle an der Kreuz mit dem 21 Quadratmeter-Kite.
©PEDRO MARTINEZ/SAILING ENERGY/WORLD SAILING
08 June, 2019.

Damit es aber mindestens zwei Wenden und zwei Halsen pro Schenkel sind, wurde der Kurs so verändert, dass es kein Leetor gibt. Die Kiter die Marke in Lee an Steuerbord liegen lassen müssen. Damit wird je ein weiteres Manöver auf dem Up- and Down-Kurs erzwungen.

Die Franzosen waren in Marseille überlegen. Dazu sind international Amerikaner und Briten noch sehr schnell. Aber auch der Deutsche Florian Gruber surft seit einigen Jahren auf der neuen Kite-Foiling-Welle mit. In Marseille lässt die Übertragung vom Medalrace vermuten, dass er auf der Startkreuz klar vorne lag, dann aber deutlich die Ansteuerung zur Luvtonne verpasst.

Windschnittige Haltung beim Sieger.
©PEDRO MARTINEZ/SAILING ENERGY/WORLD SAILING
08 June, 2019.

Einige Segler aus den olympischen Klassen probieren sich inzwischen auch bei den Foilern, und versuchen den Spezialisten des jungen Sports Paroli zu bieten. In Marseille konnte aber zum Beispiel der amerikanische ex Laser- und 49er-Segler Brad Funk längst nicht mithalten.

Deutlich intensiver bereitet sich die ex 49erFX-Seglerin Leonie Meyer auf den Kiteboard-Olympiazyklus für 2024 vor, und auch der ex Nacra-Spezialist Jan Hauke Erichsen probiert sich im neuen Speed-Sport.

Die Attraktivität der neuen Disziplin ist auch für Segler definitiv vorhanden. International können sie aber noch nicht mithalten. Ein solcher Disziplin-Wechsel erfordert wohl die größtmögliche Wandlungsfähigkeit überhaupt.

Ergebnisse Kiteboarding Open World Cup Final 2019

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Carsten Kemmling

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