Sind Kiter Segler? Weltmeisterin Kristin Boese könnte zu uns passen

Kiter surfen die olympische Welle

Von Carsten Kemmling

Kitesurfer auf der Olympischen Welle. © Marc Weiler go4image.com

Ich hielt es immer für einen Witz, dass die Kitesurfer olympisch werden wollen. Aber nun sollen sie tatsächlich mit den Surfern um einen Platz bei den Spielen kämpfen. Zugegeben, ich weiß wenig über diese Sportart, aber kann man damit eine ernsthafte Regatta “segeln”?

Die Recherche ergab, dass die Kiter offenbar nicht nur in der Gegend herumspringen und sich Noten geben lassen. Für das Olympia-Projekt messen sie sich auch bei Kursrennen. Der Abräumer ist offenbar ein Franzose. Bruno Sroka gewinnt alle Titel, die man in dieser Disziplin gewinnen kann. Er ist mit seinem Drachen aber auch schon um das Kap Horn gesurft. Ein cooler Typ.

Hübsch sehen die Drachenflieger aus, aber sind sie wirklich reif für Olympia? © Marc Weiler go4image.com

Im Video unten wird deutlich, dass es bei der Olympiadisziplin Kiteboard nicht um Sprünge und Notengebung gehen soll. Das ist zwar die Basis des bisherigen Wettkampfsports für die Kiter aber in einem Olympia-Event wohl kaum umzusetzen.

Offenbar können mit den Boards auch richtige Kurse abgesurft werden. Ich hätte gedacht, die Kiter verheddern sich mit den Schnüren, wenn sie sich an einer Linie für die Startkreuz versammeln. Aber das scheint kein Problem zu sein.

Vom Schirm gezogen. Schöner In-Sport. Aber haben die Kiter das Zeug dazu, die Surfer zu verdrängen? © Marc Weiler go4image.com

Aerodynamik-Phänomene wie die sichere Leestellung dürften keine große Bedeutung mehr haben. Aber die taktischen Komponenten wie Winddrehungen und Böen sollten nach wie vor eine Rolle spielen. Der Vorteil der Disziplin für Olympia ist die Strandnähe. Tribünen können direkt am Wasser aufgebaut werden.

Video vom Kursrennen:

Aber sollten die Kiter wirklich die Surfer verdrängen? Die Stehbrett-Fahrer sind die fittesten “Segler”. Während die Kiter nur an ihrem Schirm hängen, gehört für die guten Surfer eine brutale Physis dazu, um das Brett optimal zu beschleunigen. Und geht es nicht darum bei Olympia?

Dennoch wäre es natürlich schade, auf unseren deutschen Kite-Superstar Kristin Boese verzichten zu müssen. Die Weltmeisterin hat bei der ISAF Rolex World Sailor of the Year Preisverleihung zwar noch knapp gegen eine Surferin verloren. Aber vielleicht ändert sich das ja noch. Wir würden sie jedenfalls gerne in der “Segler”-Familie aufnehmen.

Farbtupfer in der Segelwelt. Kristin Boese in rot bei der ISAF Rolex World Sailor of the Year Preisverleihung. © Kurt Arrigo / Rolex

Kristin Boese stellt sich vor:

Website Kristin Boese

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Sind Kiter Segler? Weltmeisterin Kristin Boese könnte zu uns passen“

  1. avatar WB sagt:

    Kitesurfer und Windsurfer sind sicherlich die meist unterschätzten Segelfahrzeuge bzgl. ihres Leistungspotenzials. Natürlich kann man damit auch ein olympisches Dreieck segeln. Das die Bretter schnell sind ist ja hinlänglich bekannt, das sie bei ausreichend Wind aber auch teuflisch schnell nach Luv kommen wissen die wenigsten Segler. In vielen Ländern sind Kiter und Windsurfer übrigens entschieden akzeptierter bei der Segelgemeinde als bei uns. Die Franzosen sind da z.B. viel offener und schotten sich in den einzelnen Segeldisziplinen nicht so klein kariert ab. Wie geil wäre es wenn Foiler, Multis, Skiffs, Windsurfer und Kitesurfer eine Plattform für gemeinsame Regatten hätten. Solche Veranstaltungen könnten Werbung pur für den Segelsport im 21. Jahrhundert sein. Leider hat Kitesurfen systembedingt einen gravierenden Nachteil. Unter ca. 8 Kn Wind funktionieren die Dinger nämlich nicht. Wenn es trotzdem gelingt sie in der Luft zu halten kann man zumindest keine Höhe laufen oder den Kite nach einer Wasserlandung wieder starten. Ich fürchte dieser banale Sachverhalt könnte ein wesentliches Ausschlusskriterium bei die Wahl für Olympia werden, denn wegen der kommerziellen Verflechtungen müssen gerade dort die Events bei allen Bedingungen durchführbar sein. Das ist und bleibt nun mal die Achillessehne unseres Sports. Ein Segelfahrzeug, was aber erst ab einer bestimmten Windstärke funktioniert, geht da leider in die falsche Richtung.

    An dieser Stelle übrigens mal ein dickes Lob und Dankeschön an SegelReporter.com. Klasse gemacht, informativ, locker und über die eigene Bordwand guckend. Ein schönes Stück professioneller,emotionaler Segeljournalismus. Weiter so !!!!!

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