Knarrblog Deutsche Match Race Meisterschaft: Andresen holt Titel in Rostock

Petzen, meckern und unflätige Bemerkungen

Luvkampf zum Titel. Andresen (pink) luvt Meister, und egalisiert den zuvor erhaltenen Penalty. © rostocksailing.de

Ein schmutziger Sieg. Jan Eike vom NRV in Hamburg liegt gut sechs Längen voraus, als wir das Leefass erreichen. Er dümpelt links in der Flaute, wir rauschen mit Druck in einen Rechtsdreher. Es zieht und zieht und zieht. Kaum zu glauben. Eine hübsche Banane zum Luvfass. Ohne Wende! Der Gegner quält sich herüber, passiert im Kielwasser und verliert. Ouch, das tut weh. So ein Ding ist schwer zu verteidigen.

Egal. Wir beschweren uns nicht. Punkt ist Punkt. Wer am Ende bei der Deutschen Match Race Meisterschaft vorne sein will, muss auch glückliche, eklige Siege einfahren. Besonders hier im Stadthafen von Rostock, den sie neuerdings Segelstadion nennen. Wo der Wind zwischen den Häusern zirkuliert.

Es ist ein cooler Spot für ein landnahes Match Race mit Zuschauern und Kommentatoren. Auf dem ehemaligen Gelände der Neptun-Werft flanieren Menschen an der Wasserfront entlang vorbei an neuen Restaurants und Cafés. Hinter dem Hotelschiff „Georg Büchner“ liegen die Volvo Ocean Racer von Speedsailing inklusive der erfolgreichsten deutschen Segelyacht „Illbruck“. Wenn nur der Wind mitspielen würde. Statt über die offene Warnow aus Richtung Warnemünde einzuströmen weht es flau und umlaufend. Eine Geduldprobe.

Mit dem erlaubten maximalen Durchschnittgewicht von 87,5 Kilo pro Person haben wir scheinbar falsch gepokert und könnten Nachteile gegen deutlich leichtere Crews haben. Aber dem ist nicht so. Die sechs Yachten vom Typ Skippy 650 – unglaublich, dass die Mini Transats genau diese Größe aufweisen – können nur mit großem Körpereinsatz für Wende und Halse gekrängt werden, um sie dann mit einem legalen Pumpschlag aufzurichten. Ohne Gewicht geht es nicht.

In jeder freien Minute auf dem ungewohnten Boot üben wir die Abläufe. Wer sich am schnellsten weiterentwickelt, ist am Ende vorne. Dabei helfen sogar die langen Phasen der Startverschiebung.

Aber dann läuft es gut. Sieg um Sieg sammeln wir auf der Score Card. Vielleicht haut es diesmal wieder hin mit dem Titel. Es wäre das vierte Mal. Der Auftakt macht Mut.

Dann das Duell mit dem NRV Match Race Team um Steuermann Felix Oehme, dem ex Weltumsegler-Partner von Boris Herrmann. Er ist der zurzeit aktivste deutsche Match Racer und nach der Weltranglistenposition an Nummer eins gesetzt. Beim umeinander kreiseln vor dem Start halsen wir in eine Winddrehung und das Großsegel füllt sich nicht, um Wegerecht zu erlangen. Penalty gegen uns. Die erste Kreuz ist knapp. Wir holen den ersten Cross, liegen nach dem zweiten hinten aber nach dem dritten wieder vorne.

Unter Gennaker vergrößert sich der Vorsprung, am Anfang der zweiten Kreuz würde der Abstand wohl ausreichen für den 270 Grad Bogen. Aber ich zögere zu lange. Der Wind wird weniger. Die Straf-Halse von Steuerbord auf Backbord am Ende der Kreuz dauert zu lange. Der Gegner ist wieder dran.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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12 Kommentare zu „Knarrblog Deutsche Match Race Meisterschaft: Andresen holt Titel in Rostock“

  1. avatar Lyr sagt:

    Hallo Carsten,

    schöner Artikel der auch meine Erinnerungen an ein im großen und ganzen sehr ansehnlichen und aufregenden Event deckt. Die Luvaktion Andresen/Meister, die im Bild oben zu sehen ist, hätte ich auch gerne mal auf Video gesehen, oder von einem beteiligten Judge oder Segler erklärt. Man sieht ja am Bild, dass Meister die Halse mit dem Spi noch gar nicht beendet hat (Shothorn noch auf der falschen Seite) und trotzdem wird schon hart geluvt…. ist das dann nicht eine 16.1. ? Einzige Erklärung die ich für die Entscheidung finde, ist, dass Meister gar nicht hätte Halse dürfen. Wenn ich mich recht erinnere halst Andresen zu erst. Meister hätte vielleicht hinter seinem Heck auf die andere Seite gehen sollen. Würde mich freuen, wenn da jemand noch was dazu zu sagen hätte.

    grüße

    ps: der Speedsailing-Link ist falsch : http://www.speedsailing.de ist richtig… 🙂

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    • avatar Carsten sagt:

      so weit ich das gesehen habe, ist das schothorn auf der falschen seite, weil meisterchen den spi birgt, um dem luvmanöver auszuweichen. dabei muss das leeboot dann entsprechend viel platz machen und meister spekulierte wohl drauf, dass die berührung seines tuchs mit dem leeboot zu einem weiteren penalty führt. vorher knallten aber wohl schon so doll die masten zusammen, dass das luvboot bestraft wurde.
      das bremsende spibergen auf der rechten seite in luv war eigentlich nicht nötig und steckte wohl als automatismus zu tief in den birnen der crew kollegen.

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      • Das mit dem scheppernden Masten ist auf jeden Fall korrekt; denn dadurch wurden wir auf dem Fotoboot überhaupt erst auf die Szene aufmerksam und haben sofort die Linse draufgehalten. Das Match hatte es ohnehin absolut in sich – schon vorher hatten sie sich die Herren intensivst die Kante gegeben. So kamen beide Boote bereits vor dem Luvfass mehrmals zum stehen, im Ergebnis dessen Herr A. seinen Penalty bekam dazu hier die kleine Bilderserie. Diesen Penalty wurde er dann mit der Spi-Luv-Nummer wenige Minuten später wieder los, bevor Herr M. – ziemlich der Rolle – das falsche Leefass anpeilte und das Rennen damit dann endgültig gelaufen war…

        Und EIGENTLICH war all das auch nur Teil 2 der Story, denn zunächst war Herr A. im falschen Boot angetreten. Nachdem Herr M. ihn in der Vorstartphase nach allen Regeln der Kunst an die 500m in Luv entfernte Kaimauer gesegelt hatte, mit Spi zur Linie zurückkehrte und seinen Gegner dann auch noch zum Frühstart nötigte, kam irgendwann die rote Flagge auf dem Herr-A.-Boot. Der WFL brach tatsächlich ab, das Schiff wurde gewechselt und das Rennen neu angepfiffen. Erst dann kam es zu den o.g. Situationen.

        Großer Sport auf jeden Fall von beiden mit allen Registern voll ausgezogen! (Alle Angaben ohne Gewähr!)

        Just my two cents…

        ;o)

        m.

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        • avatar RS sagt:

          …tausche ein “m” gegen ein “n”… ;o)

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        • avatar Carsten sagt:

          Man erkennt jetzt im bild, wofür der erste penalty vermutlich vergeben wurde. unsere deutschen meister haben wohlmöglich mehr geluvt als geplant. sobald der baum über die mittschiffslinie wandert, hört das luvmanöver auf und die wende fängt an. dabei verliert man alle rechte.
          bei dem drehenden wind kann so etwas schnell passieren. aber die schiris sehen genau hin.
          ein fieser pen. cool, ihn wenige minuten später wieder umzudrehen.

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          • avatar Lyr sagt:

            Aber in dieser Situation hat doch blau einen Pen bekommen. Scheint mir ne 11 vs 16.1 Situation zu sein, oder?

            Was das Spi-Luv Manöver angeht, bin ich, nach Anblick der anderen Bilder und eurer Kommentare, auch der Meinung, dass das Bergemanöver den ganzen Luvprozess wohl erheblich erschwerte. Das war nicht nötig und begründet vermutlich die Auffassung der Jury, dass Meister nicht genug getan hat.

            Toll bei diesem super Fotografen braucht man wirklich keinen Videobeweis mehr. 🙂
            Und danke für eure Meinungen.

            grüße

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        • avatar k sagt:

          Das glaube ich gerne, dass sich diese beiden Teams “intensiv die Kante geben haben” – anders kennt man sie nicht!

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  2. avatar Van der Theke sagt:

    Meine sehr verehrten Damen und Herren,

    zur Causa Meister auf Abwegen möchte ich mich wie folgt äußern:
    1. Meister hatte bereits vor der Tonne einen Penalty zu Unrecht austeilen können, dem entsprechend konnte das Geschehen nach Runden der Luvtonne unter Anwendung der allgemeinen Regeln der Fairness nicht anders ausgehen.
    2. Die Regel 16.1 ist im Falle Meisters suspendiert. Legendär ist der Vorfall, bei dem Meister auf der IDM 2004 in Berlin (ausgesegelt auf Assos) versuchte das Zuschauerschiff zu Luven. Das Zuschauerschiff tat zum Ausweichen sein Bestes (leicht ausgebremst durch Bug- und Heckanker), wurde aber auf das härteste per T-Bone durch Meister bestraft. Dies zum Vorbild (offizieller ISAF-CALL liegt bald vor), konnte Andresen nur noch einmal richtig Schwung holen, bevor die Mastspitzen einschlugen…
    3. Es ist gute Tradition im Segelsport, Schiedsrichterentscheidungen nicht zu kritisieren. Diesen Anstand wollen wir beibehalten und die Distanz zu Günther Netzer bewahren.
    4. Wer das Match gesehen hat dem wird aufgefallen sein, das Meister schon an der Luvtonne den Spi an der Steuerbordseite gesetzt hat. Im Augenblick der Halse war es die demokratische Entscheidung der Mannschaft Meister, diese Seite für den Spi beizubehalten. Team Andresen hatte darauf keinen Einfluß und würde es auch nicht wagen, sich in die Angelegenheiten anderer Mannschaften einzumischen.
    6. Das der Spi des Meisters dann trotzdem im Rigg vom Team Andresen hing, ist alleine dem Call des Meisters selbst geschuldet: dieser hatte per Eilerlaß die Bergung des Bremsfallschirms aus dem Achterkastell heraus befohlen (Demokratie ex in diesem Moment), worauf hin das bunte Tuch flugs nach Lee absauste. Die fachmännische Segeleinstellung im Luvmanöver ist hingegen am pinken Spi im Bild deutlich sichtbar.
    FAZIT: man Halse nicht zwischen Luvtonne und Führungsboot, man berufe sich hier nicht auf 16.1, man luve an als Luvboot und lasse nicht den Spi nach Lee wehen, um von jetzt auf nun doppelt so breit darzustehen und Raum zum Ausweichen zu verlangen.

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  3. avatar Reinhard sagt:

    Vielen Dank für Eure interessanten Kommentare.
    Gruss Reinhard

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  4. avatar AmTresen sagt:

    Hey Jungs,
    auch ich hab das Manöver gesehen – beide Mannschaften waren wohl etwas hitzig im Kopf!

    Carsten hat Recht, die drei neuen Meister MMM haben in der Situation vor der Luvtonne durch den Wind gedreht, waren also in der “Wende” (nach Def. des Regelwerks), das zeigt das neue Foto einddeutig. Penalty Blau richtig. Allerdings hätte auch Gelb einen bekommen müssen, denn Gelb hatte sich schon vor der “Wende” von Blau nicht frei gehalten. Dies würde eine Luftfoto zeigen, was leider nicht greifbar ist – so kann man den (zu engen) Abstand nur erahnen.

    Nach der Tonne:

    Variante 1: MMM halsen um die Tonne, Meister drängelt sich von oben per Halse rein. In dieser Situation gilt 16.1 gerade nicht, da das hintere Boot von vorneherein dort nicht reinhalsen darf, und deshalb durch die Kursänderung von MMM keine Rechte verliert. Alter Trick als Führender: warten ob der hinten “reinhalst” und dann Ruder in die Ecke und irgendwie versuchen ihn zu erwischen… Penalty Gelb daher richtig. Allerdings waren MMM schon an der Tonne vorbei, ihre Halse war daher kein Teil des Rundungsmanövers, so dass Variante 1 nicht hätte den Penalty begründen dürfen.

    Daher Variante 2:
    MMM haben geluvt, und zwar so langsam, das Meister Zeit und Raum hatte sich freizuhalten. Nur war Meister wohl so mit dem Chaos an Bord beschäftigt, dass er eher recht stumpf halbwinds weiter gefahren ist, anstatt anzuluven bis in den Wind. Das Chaos kam wohl vor allem durch den Spi zu stande, der im neuen Luv hing, weil beim setzen schon die Halse eingeleitet wurde und dann der Spi einfach nicht vorne am Vorstag passieren will. Dann ging auch noch das Fall auf, worauf hin der eher flache Spi zu einer bauchigen Blase wurde und mit voller Kraft plötzlich nach Lee auswehte – da kann dann auch das Leeboot nichts mehr machen… Gleichwohl ist es richtig, dass Blau beim Anluven Gelb hätte Zeit und Raum zum bergen des Spis geben müssen. Hier ist allerdings die Besonderheit, dass sehr wenig Wind war und der Spi in Lee einfach auswehen konnte, ohne zwingend geborgen werden zu müssen. Das sieht man an dem “relaxten” pinken Spi sehr deutlich. Trotzdem ist es so, dass der Penalty gegen Gelb sicherlich auf Messersschneide war. Aus strategischer Sicht von Blau war hier aber zu beachten, dass Gelb an der Stelle in jedem Fall ausgebremst werden musste: ein starker Rechtsdreher hatte den Down Wind schon zum Anlieger gemacht, für das hintere Boot nahezu unmöglich zu passieren. Das zeigte sich dann auch an dem großen Vorsprung von Blau nur wenige Minuten nach dem Luvmanöver: MMM waren einfach per Bö nach Lee abgesprungen und M saß immer noch in der Flaute. Ohne hier alles auf eine Karte zu setzen, wäre der Gewinn des Matches nicht mehr in der Hand von Blau gewesen: denn dann hätte nur noch ein Fehler von M die MMM wieder passieren lassen; eine eigene Initiative von MMM hätte aber höchst wahrscheinlich nicht ausgereicht.

    Fazit: Wäre der Rechtsdreher nicht gewesen, Blau (bereits mit einem Penalty belastet!) hätte hier nie alles auf eine Karte gesetzt, sondern hätte erstmal entspannt Versucht, einen guten Vorsprung für den Penalty raus zu segeln oder aber eine Bb-Stb-Situation erzwungen, denn MMM war nicht ohne Grund auf der rechten Seite von Meister (von Lee aus gesehen). So aber war aus taktischer Sicht das alles-oder-nichts-Manöver unumgänglich.

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    • avatar RS sagt:

      Entgegen aller Gewohnheiten hab ich mir mal den Spaß gemacht, alle 109 Bilder des gesamten Matches zwischen den Herren M. und A. als Fotoserie in das Sozialnetzwerk unseres Vertrauens reinzuferkeln. Die Fotos sollten eigentlich chronologisch geordnet sein, wenn auch komplett unbearbeitet und unkommentiert. Sorry also für die teilweise suboptimale Qualität einzelner Bilder, aber in diesem Fall geht’s ja eher um die Handlung an sich.

      Vielleicht hilft’s ja, die ein oder andere Situation genauer unter die Lupe zu nehmen, damit wir am Ende alle schlauer nach Hause gehen…

      Spannende Diskussion jedenfalls und genau für sowas hat Carsten ja zum Glück den Segelreporter erfunden oder wat?!

      ;o)

      Beste Grüße vom Ostsee!

      m.

      (PS: Behalte mir asudrücklich vor, das Album jederzeit wieder zu löschen!)

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      • avatar Lyr sagt:

        danke, sehr erhellend 🙂

        jetzt verstehe ich das mit der Wende auch… aber Andresen ist dort Luv-Schiff und die ganze Zeit ausweichpflichtig. Sein Fehler, dass er zu sehr luvt und dabei noch durch den Wind geht, obwohl das wie gesagt mit den drehenden leichten Bedingungen sicherlich zusammenhängt.

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