Knarrblog: Am Sonntag will mein Süßer… – Mixed-Segeln mit der Frau

Es war flau, flau, flau

Letztens auf der Alster. “Warum nehmen wir die Fender nicht mit?” – “Zu schwer!” – Meine Frau verdreht die Augen. “Das soll was ausmachen?” – “Klar!” – “Dann sollte ich die Sachen in meiner Tasche wohl auch nicht mitnehmen?” -“Welche Sachen? Welche Tasche?” 

Ich unterdrücke den Impuls, unter Deck zu gehen und die Mitbringsel zu kontrollieren, und fange auch nicht an, über die Volvo-Ocean-Racer zu referieren, die aus Gewichtsgründen ihre Zahnbürsten abgesägt haben, sondern atme tief durch – höre es aber murmeln “Wenn du diese Akribie mal bei der Hausarbeit an den Tag legen würdest…”

Bestimmt verdrehe ich jetzt auch die Augen. Das könnte jetzt eine unschöne Wendung nehmen. Wir liegen am Steg des Hamburger Segel-Clubs, es ist Sonntag Morgen, die Sonne scheint, die Segel knistern und der wohl letzte Segeltag der Saison 2019 steht bevor. Knapp 15 J/70 Teams, und etwa ebenso viele J/27 und J/22 wollen die “Väterchen Frost”-Regatta zum Abschluss bringen. Und mir kommt schlagartig der Gedanke, ob es wirklich eine so gute Idee war, die Liebste mit aufs Boot zu nehmen.

Aber tief durchatmen hilft. Ist ja nicht gerade die wichtigste Regatta der Saison. Ich dachte, man könnte es ja mal zusammen auf der J versuchen. Wir haben schließlich gemeinsam den Helgahard-Cup überstanden und belegten in der selbst erfundenen Ehepaar-Wertung (höchster Schwierigkeitsgrad!) Platz drei – 16. von 69 Teams – und fanden uns gar nicht so schlecht.

Ich dachte zudem, dass es schlau sei, aus der J/70 Regatta ein Familien-Event zu machen und überredete Schwager Martin zum Mitmachen. Dem wollte ich schließlich immer schon mal beweisen, dass dieses Kielboot zwar ein Kielboot ist, aber irgendwie dann doch nicht – also durchaus sportliche Züge trägt.

Flautenspiele auf der Alster. J/24 bei der Väterchen Frost Regatta. © Karin Krugler-Felsch

Nun ist Martin in seglerisch, sportlicher Hinsicht schwer zu beeindrucken als eingefleischter 505er-Fan. Schließlich hat er 2012 WM-Bronze gewonnen und fast sogar Gold im Feld der 185 Fiven. Ich musste ihm also außergewöhnliche Bedingungen bieten und außerdem hoffen, dass wir Daniel (Labhart von Hüpfeli Segel), der in diesem Jahr maßgeblich zu unserem Kieler-Woche-Sieg beigetragen hat, nicht zu sehr mit irgendwelchen Family-Insidern nerven.

Wenig Wind wie nie

Nun, außergewöhnlich sind die Bedingungen tatsächlich. An so wenig Wind bei einer Regatta kann ich mich nicht erinnern – und das liegt, zumindest in diesem Fall, nicht an schwindenden Hirnzellen.

Besonders das erste Rennen bleibt im Gedächtnis. Guter Vorsprung an der Luvtonne, dann Glatze. Kein Hauch ist zu erkennen. Die tief stehende Sonne spiegelt sich hübsch auf dem Wasser. Es dauert seine Zeit, bis die Erkenntnis vom absoluten Stillstand das Bewusstsein erreicht. Wenn nichts mehr geht, muss man sich auch keine Gedanken mehr machen, wo die nächste Böe herkommen mag – man kann sich ohnehin nicht dorthin bewegen.

Schon beim Start wird’s dünne auf der Alster. © SegelReporter

Die Wandlung vom angespannten Rennmodus in den eher hilflosen Amüsier-Zustand erfolgt fließend. Diese Boote, die hinten die Tonne runden, haben offenbar noch einen Hauch Wind, aber wir können ohnehin nichts machen. Für solche Situationen ist eigentlich die blauweiß-gewürfelte Flagge erfunden worden. Abbruch wäre eine Lösung. Aber eisenhart geht es weiter.

Schönfeldt’s Windnasen-Reflexe

Man hätte es vielleicht wissen können. Es ist kein gutes Zeichen, wenn  Alt- und Neu-Meister Frank (Clown) Schönfeldt schon beim Einkran-Manöver umdreht und mit einem Verweis auf die zu erwartenden, mühsamen Windbedingungen seine J/24 gar nicht erst zu Wasser lässt.

Der Mann hat zwar eigentlich mit seinem Flau,flau,flau-Hit-Song ein Herz für Leichtwindspezialisten gezeigt, aber ich dachte, jemand, der seinem Conger Flügel verleihen will, mag doch langsam etwas wunderlich werden. Das scheint nicht so zu sein. Die Windnasen-Reflexe funktionieren offenbar noch ganz gut. Segeln ist an diesem Wochenende nur marginal möglich.

Immerhin bekommen wir schließlich doch vier Rennen zusammen und schlagen uns schließlich mit Platz zwei ganz ordentlich. Zwar hatte ich die Liebste auch an Bord geködert mit dem Vorschlag, dass wir mal die Rollen am Steuer tauschen könnten. Aber bei den Flautenspielen war sie wenig erpicht darauf – und ich mochte auch nicht so gerne loslassen, da Gordon Nickel nach seinem Liga-Wechsel von der SKWB mit seinem neuen Team vom Flensburger Segel-Club eine starke – schließlich doch zu starke – Konkurrenz darstellte.

Es bleibt also ein fast schon romantisches, gemütliches Segelwochenende in der Erinnerung, die über den Winter helfen muss. Ob allerdings der Schwager nach diesem Flauten-Drama noch einmal Kielschiff segelt, bleibt abzuwarten.

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Knarrblog: Am Sonntag will mein Süßer… – Mixed-Segeln mit der Frau“

  1. avatar Liga_Fan_1973 sagt:

    Gordon wechselt von den Bremern nach Flensburg?! Machen die Bremer dann überhaupt weiter? Oder kommen neue Steuerleute aus der Jugendarbeit in die Liga? Ist auch bekannt warum der Wechsel stattfindet? Er war von Beginn an bei den Bremern.
    Ist das eine Reaktion von den Flensburgern auf das Zitat von Claus Otto mit den Personellenkonsequenzen?

    @Carsten: chapó! Das Experiment geht nicht bei allen gut. Meine Frau lehnt bei sowelchen Experimenten leider dankend ab. Dann lieber entspannt in der dänischen Südsee shippern.

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