Knarrblog: Blödes Ende noch vor dem Start

Halbmast

Der zweite Tag des Saisonstarts bei der Frühjahrs-Verbandsregatta im Drachen verläuft noch frustrierender als der erste. Dreimal DNS – nicht gestartet.

Ein kalter Wind fegt über die Alster. 20 Knoten Böen rütteln schon am Rigg. Und immerhin, es steht. Am Samstag sah das noch etwas anders aus. Aber Rasmus von der Opielok Crew hat den gebrauchten Mast fit gemacht.

Saubere Leetonnenrundung bei der Drachen Mittwochsregatta. Wir sind vorher leider falsch gerundet (nicht im Bild), bleiben aber noch vor dem Pulk. © K. Lahme

Drachen auf der Alster  © K. Lahme

Ein Blick noch auf die Ergebnisliste, die uns für den ausgefallenen Lauf 5,5 Punkte Wiedergutmachung gewährt (Mittel der ersten beiden Rennen 5/6), Rang sechs in der Gesamtwertung. Ein solider Start für die Serie, die an zwei Wochenenden gezählt wird.

Jetzt noch mal ordentlich angreifen. Unser Gebrauchtmast von Jan Woortmann soll schon an anderer Stelle zwei Tagessiege erreicht haben. Nun mal sehen, ob er auch für uns passt.

Die Zeit wird knapp

Aber Hektik stellt sich ein, als wir feststellen, dass Unterliek und Niederholer nicht passen. Einige Strecker müssen neu eingefädelt, Drähte gekürzt werden. Dann noch die Wantenspannung trimmen. Das heißt, unter Deck mit dem Schraubenschlüssel kurbeln. Der Schweiß fließt schon vor dem Start. Die Zeit wird knapp. Mann, wir hätten doch noch etwas früher zum Boot kommen sollen.

Nebenan knattern schon die Segel. Die ersten Boote laufen aus. Es herrscht immer eine eigenartige Vorstart-Stimmung, wenn es hackt. Wenn klar ist, dass man an seine Grenzen kommt. Die Anspannung ist größer, die Gesichter werden ernster.

Geschafft! Alle Baustellen sind behoben, der Mast steht kerzengerade im Schiff, jetzt noch schnell das Ölzeug überstreifen und auf geht’s in die Schlacht. Nur noch 15 Minuten bis zum Start, aber das passt locker. Unter Genua geht’s aus der Box.

Zack, plötzlich ist der Druck raus

Draußen dann soll das Groß hoch. Es flattert ohrenbetäubend. Das Einhaken des Falls oben im Schloss ist immer ein Geduldspiel. Diesmal besonders. Es will sich nicht beklemmen. Dritter Versuch, vierter… Okay, dann belegen wir das Fall eben unten. Zack, plötzlich ist der Druck raus. Fall gerissen. Over and Out.

Ich kann es nicht fassen. Flügellahm mit dem Groß auf Halbmast dümpeln wir auf der Alster. Das kann doch nicht sein. So viel lief schief, aber so viel lief auch perfekt, so dass wir überhaupt starten könnten. Und nun reißt das Großfall? Ein Schaden, der eigentlich gar nichts mit dem Crash zu tun hat.

Es ist so banal. Einen 420 würde man einfach auf die Seite legen und das Segel oben festbändseln. Aber das klappt mit dem Drachen nicht. Auch der Kran ist nicht so hoch, dass man oben an die Mastspitze käme. Hochklettern klappt auch nicht. Im Kopf arbeitet es fieberhaft. Das kann doch nicht das Aus sein.

Sehnsüchtig gucken

Aber schließlich müssen wir es akzeptieren. Wir sehen keine Möglichkeit. Erstmal ins neue NRV Clubhaus setzen, Cappuccino schlürfen und sehnsüchtig nach draußen gucken. Mann, die werden einen Spaß haben. Der ganze See ist voller Drachen. Majestätisch hämmern sie über den Parcours.

Der pinke Spi von Harm Müller Spreer ist gut vorne zu erkennen. Er gewinnt mit Thomas Auracher und Thomas Zankel zwei Gruppenrennen und liegt trotz eines Frühstarts nach sechs Rennen mit Streicher vorne.  Jan Woortmann erwischt bei dem Starkwind den besten Tag mit 1/2/2 vor Klaus Libor, dem die Heitzig Brüder wieder unter die Arme greifen 6/2/2 (Video mit Crewvorstellung: Erfahrung gepaart mit Jugend).

Auf der Fahrt nachhause stelle ich noch kurz den Wagen ab, stelle mich ans Alster-Ufer und sehe dem Drachen-Treiben zu. Das sieht nach echtem Sport aus. Crews reißen an den Schoten, Spis gehen in Fetzen und die Langkieler liegen mächtig auf der Backe. Mann, die haben einen Spaß. Ob wir da hätten mitmischen können?

Es funktioniert gut mit dem Selbstmitleid. Was machen mit dem angefangenen Sonntag? Die Familie ist außer Haus. Ah, da stellen sich auch die Kopfschmerzen ein. Einfach ins Bett legen und genervt sein. Na ja, es kommen auch wieder bessere Segeltage…

Ergebnisse Frühjahrs-Verbandsregatta III (Streicher nicht eingerechnet)

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Knarrblog: Blödes Ende noch vor dem Start“

  1. avatar Marina sagt:

    @ Klaus Lahme: Sehr schönes Foto!!!
    @ Carsten: Shit happens. Sorry!
    Wir hatten beim Wannsee-Pokal am Samstag gar keinen Wind und gestern dafür Hack und unzählbar viele Kenterungen bei den 29ern und 420ern. 5 Wettfahrten für beide Klassen – bis der Arzt kam ;-)))

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