Knarrblog Drachen Herbstregatta: Schon wieder in den Bach gegangen

Bademeister

Mund voller Alsterwasser

Das Beste: Die Jungs bekommen gar nicht mit, was hinten im Schiff passiert. Dirk hockt auf dem Bug und stopft den Spi in die Trompete, Jörg reißt die aufgerollte Genua in Position. Erst, als “Dragonheart” zu wenden droht, wandert Jörgs Blick achteraus, wo ich mit dem Mund voller Alsterwasser Augenkontakt suche.

Nach zwei, drei Armzügen an der Schot bin ich aber wieder am Boot. Das Schiff wendet ungewollt. Die Genua steht back. In Lee kann ich mich aufs Deck hochziehen. Wir treiben gegen die Leetonne. Erschreckt schreiende Drachen-Kollegen passieren. Wir stehen im Weg. Dirk sitzt immer noch auf dem Bug und kämpft mit dem Tuch. Verbissen und konzentriert. Er hat nicht wahrgenommen, dass ich schwimmen war. Pffft, was für eine Ignoranz.

Ich reiße die Pinne herum, um den fälligen Strafkreis zu drehen, weiter geht’s, der Meute hinterher. Ein Top Ten Platz kann es noch werden. Dann die Nachricht vom Vorschiff. “Der Spi ist wohl hin. Ziemliches Loch.” Auf der Vorwind wird der Lüftungsschlitz sichtbar. Ein kantiger Riss in Unteram-Länge. Ein Fetzen flattert in der Mitte der weißen Blase. Dem Speed hilft es nicht, aber immerhin scheint das Tuch zu halten.

Unschön. Der Niederholer-Beschlag ist aus dem Mastprofil gerissen. © SegelReporter

Unschön. Der Niederholer-Beschlag ist aus dem Mastprofil gerissen. © SegelReporter

Sooo schlecht läuft es trotzdem nicht. In der vierten Runde machen wir Boden gut. Aber wieder kracht es fies. Bei der Luvtonnenrundung steigt plötzlich der Baum, Druckverlust im Groß, das Achterliek weht aus. Niederholer gebrochen? Von wegen. Der gesamte Beschlag ist aus dem Mast gebrochen. Kommt die Palme gleich von oben?

Aus hektischer Anspannung wird Galgenhumor. Was kann jetzt schon noch passieren? Geht die Möhre gleich ganz auf Tiefe? Immerhin rettet sie sich noch auf Rang 12. Nach Bastel- und Spi-Klebe-Aktionen a la MacGyver in der kurzen Pause sind wir guter Dinge, das Restprogramm des Tages noch bestreiten zu können.

Aber zum Material-Chaos kommt jetzt auch noch schlechtes Segeln dazu. Im zweiten Rennen misslingt die Ansteuerung der Luvtonne auf den letzten Metern trotz ordentlicher Platzierung vollkommen. Das getapte Fenster im Spi geht im nassen Spi schnell wieder auf und Ruckzuck liegen nur noch wenige Boote achteraus.

Die nassen Klamotten hängen am Körper

Und dann auch noch ein drittes Rennen. Langsam beginne ich, zu frieren. Die nassen Klamotten hängen schwer am Körper. Das schöne rote Puma Glücks-Käppi ist beim Bademanöver verloren gegangen. Wie soll das noch etwas werden?

Und richtig. Tolle freie Startposition, noch 15 Sekunden, Genua raus… Arrgh… Das Spifall hat sich mit der Rollgenua verwickelt. Die Beschleunigung leidet. Das eigentlich chancenlose Luvboot rutscht drüber und der Gedanke ins Hirn, dass es möglicherweise an der Zeit ist, sich nicht mehr gegen den Willen der Götter zu stellen und kleinlaut den Weg zum Hafen anzutreten.

Von wegen, Papperlapp, kommt gar nicht in Frage. Weiterkämpfen. Durch eine Lücke nach rechts wenden, konzentriert die Wenden an der Luvtonne minimieren und weiter kämpfen. Vorwind zieht der Spi zwar nicht mehr richtig, aber der Druck reicht dennoch häufig für die Rumpfgeschwindigkeit. Platz sechs im Ziel reicht noch zum dritten Gesamtplatz, denn am nächsten Tag wird mangels Wind nicht mehr gesegelt.

Was für ein Tag, was für ein Erlebnis. Jede Menge Action. Segelsport mit allen seinen Höhen und Tiefen. Genug Denk- und Gespräch-Stoff für die nächsten Wochen. Alles in allem ein großer Spaß.

Unglaublich aber wieder die Zachariassen Brüder. Genial diesmal Gerd mit Frau Cornelia und Hagen Winter. 15 Punkte legt der Mitt-Sechziger zwischen sich und den Bruder Hans-Werner. Zwei Rennsiege gelingen dem blauen Boot noch zum Schluss. Erstaunlich bei dem Hack. Sie müssten zum letzten Rennen nicht mehr antreten. Chapeau!

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Knarrblog Drachen Herbstregatta: Schon wieder in den Bach gegangen“

  1. avatar T.K. sagt:

    Immer wieder gut Deine Beiträge vom Drachen.
    Aber ich glaube Du kommst langsam in das Alter wo man eine Reling braucht um nicht über Bord zu gehen 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 0

  2. avatar armchairadmiral sagt:

    Vielen Dank für diesen Morgenspaß!
    Schadenfreude und Spaß am Erkennen selbst erlebter Situationen halten sich die Waage.
    Ship happens!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar seven sagt:

    …das Wasser hat Ihn schon immer, wie magisch, angezogen…..

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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