Knarrblog: Drei tolle Tage in Tutzing – So lief die Premiere mit dem WVH-Team

Männertörn-Premiere

Der dritte Liga-Spieltag in Travemünde steht an. Ein gutes Argument, die unvollendete Story vom 2. Event in Tutzing endlich abzuschließen und die kritischen Momente Revue passieren zu lassen.

© DSBL/Lars Wehrmann

Sie will ja nicht hören. Markus hat die Frau gewarnt. Forsch öffnet sie den Koffer, abrupt weicht sie zurück. Als sei ein fieser Geist aus der Flasche entwichen. Er wabert durch die Sicherheitsschleuse am Münchener Flughafen, lässt weiteres Bodenpersonal erschreckt die Nase rümpfen, die Augen zusammenkneifen und will erst zurück in seinen Behälter, als die Frau hektisch den Reißverschluss wieder schließt.

Ein sehr spezieller Geruch, diese Mischung aus feuchten Neosocken, kaltem Männerschweiß und Bierduschen-getränkten Textilien. Aber was für den einen ein hinterhältiger Angriff auf das Riechorgan sein mag, ist für uns das Aroma eines schönen Erfolgs: Platz eins für den Wassersport-Verein Hemelingen beim zweiten Segelbundesliga-Spieltag am Starnberger See.

Szenen geistern durchs Hirn

Wochen danach beim Gedanken an die Szene hängt der Duft irgendwie noch immer in der Nase. Es hat gedauert, die drei tollen Tage in Tutzing zu verarbeiten. Die Szenen geistern immer noch angenehm durch die Hirnwindungen. Schließlich war ein solcher Coup nicht zu erwarten.

Das Siegerteam vom WVH am Starnberger See. © Lars Wehrmann / DSBL

Für mich war es nach fünf schönen Jahren mit dem NRV- Team und drei Titeln etwas hakelig geworden und wohl einfach Zeit für etwas anderes. Dass der WVH mich aufnehmen würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Die vergangene Saison lief gut für die Jungs aus Bremen. Liga-Vierte und erstmalige Champions League Quali.

Aber der Verein war zuletzt der einzige, der mit Jan Seekamp nur einen Steuermann eingesetzt hat. Der alte Laserkumpel schien über die Entlastung am Lenker dankbar. Zumal in der neuen Saison mit der internationalen Segelei zwei zeitaufwändige Regatten dazu kommen.

Die Chemie passt

Viel Zeit zum Üben war nicht in der neuen Konstellation. Die Alsterregatta nach Liga-Format sollte Defizite aufdecken und ich wollte nach längerer Abstinenz mal wieder ein paar Starts bei möglichst leichtem Wind in kleinem Liga-Feld üben. Stattdessen wurde daraus ein beinharter Überlebenskampf in großer Flotte. Der Wert für das Starnberg-Rennen war technisch wohl marginal. Wichtigste Erkenntnis: die Chemie passt.
Aber würde es auch im Feuer des Gefechts bei einem Liga-Wochenende so bleiben?

WVH

Warten auf Wind am Starnberger See. © WVH

Tjorben und Eike reisten direkt von der Champions League aus Porto Cervo an. Ob sie schon einen Lagerkoller einschleppen würden? Haben sie das Airbnb-Quartier in Andechs am Ammersee gebucht, um sich am Kloster bei dem berühmten Starkbier so richtig auf Starnberg-Bedingungen einzustimmen? Und wie wird das mit Markus dem Contender-Segler? Diese Jungs haben mit ihrem anspruchsvollen Sportgerät genug zu tun und brauchen keine Fock. Ist es schlau, ihn mit dem Vorsegel-Trimm zu betrauen?

Wie würden sie mit meinen Macken klarkommen – meine Frau sagt, ich hätte welche – . Beim Segeln mag es diese Abneigung gegen den Rasmus-Sherry sein, den Segelteams gefühlt immer öfter an Bord nehmen, um den Wind in die richtige Richtung zu drehen. Oder den Hang zum Doppelt-Erzählen alter Geschichten, der mir jüngst von einer Crew vorgehalten wurde. So’n Quatsch!

Nahe der Gürtellinie

Oder die schwierige Konzentrationsphase beim Wasserlassen vor dem Rennen. Man muss mich halt in Ruhe lassen. Das hat wirklich nichts mit körperlichen Gebrechen zu tun – ich schwöre – Ich begebe mich eben schon in den Tunnel vor dem Rennen.

WVH

Auf dem Podium. © Lars Wehrmann/DSBL

Schnell erreichen wir den amüsanten Zustand einer Männertörn-Atmosphäre. Die Gesprächsthemen nähern sich vorsichtig der Gürtellinie, rutschen hin und wieder mal darunter, erreichen aber erstaunlich oft ein außerordentlich hohes intellektuelles Niveau.

Ein besonderes Zeichen für das Funktionieren der Crew: Der Abwasch klappt. Was daheim niemand für möglich halten würde – haushalttechnische Fähigkeiten werden mir generell abgesprochen – klappt beim Aufräumen des Frühstücktisches in der kurzzeitigen Männer WG hervorragend und völlig nonverbal.

Druck-Situation

Dieses Muster setzt sich unerwartet effektiv bei den Entscheidungen auf dem Wasser fort.  Ob man daraus eine Regel für erfolgreiches Segeln herleiten sollte? Wir kommen jedenfalls relativ entspannt durch die drei Tage und stehen am Ende sogar vorne.

Vor Tutzing war mächtig Leetrimm angesagt. © Lars Wehrmann/DSBL

Nach mäßigem Start stellen wir uns immer besser auf die schwierigen Leichtwind-Bedingungen ein. Eike am Spi und Tjorben auf dem Vorschiff sind nach dem Championsleague-Event in Porto Cervo bestens im Training und zeigen mit starkem Handling, dass man selbst bei den von allen Liga-Teams optimierten Spimanövern immer noch hier und da ein Pünktchen holen kann. Sie reißen uns beiden Neulinge mit. Wenn ich dann noch Markus Vorwind-Taktik-Ansagen ordentlich befolge, steht soliden Top-Drei-Plätzen nichts im Wege.

Dennoch droht die gute Serie zu kippen. Ein vorletzter Platz im achten von elf Rennen nach einem doofen taktischen Fehler von mir erzeugt durchaus eine gewisse Druck-Situation. Dann zeigt sich, ob ein Team wirklich funktioniert.

Kritische Phase

Zumal die vielleicht kritischste Phase noch nicht geklärt ist. Bei der täglichen serpentinenmäßigen An- und Abfahrt zur Airbnb-Unterkunft behauptet Tjorben, ich würde die Kurven nicht optimal anschneiden. Dabei halte ich mich für einen ziemlich tollen Kurven-Anschneider. Ich habe schließlich intensiv bei Walter Röhrl zugesehen. Die U-25-Generation an Bord kennt den deutschen Ralley-Helden schließlich nur vom Hörensagen. Das Thema steht fortan zwischen uns, und ich muss mich konzentrieren, zumindest auf dem Wasser die Drehungen einigermaßen hinzubekommen.

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Well done. Abklatschen mit Amwind-Taktiker Eike nach einem guten Rennen. © Lars Wehrmann/DSBL

Aber wir bekommen dann doch die Kurve. Manchmal läuft’s einfach. Dann kann man kann sich einfach nicht gegen Erfolg wehren. So wie im fünften Lauf, meinem Lieblingsrennen. Der Wind ist weit nach links gekippt, es wird knapp am Pin-End. Wir drehen ein paar Runden mit den Freunden vom NRV. Plötzlich tut sich eine Lücke auf, der Weg zum Glück, zum Stb-Start vor dem Feld, ist frei. Er mündet in einen hübschen Sieg.

Das klappt nur selten: Hübscher Steuerbord-Start vor dem Feld.

Nach dem achten Rennen, als wir von Platz zwei auf fünf zurückfallen, folgen zwei weitere zweite Plätze, und die Serie ist wieder im Lot. Vor dem Finale ist Platz zwei schon sicher. Nur die Kollegen aus Bremen von der SKWB können uns noch gefährden.

Thomas Dehler und seine Jungs haben eine tolle Serie hingelegt. Ich versuche, sie zu kontrollieren, es klappt nicht besonders gut, und wir gehen parallel um die Luvtonne. Aber sie berühren das Fass, müssen kringeln und wir sind durch. Krass! Ein prickelndes Gefühl auf der Ziellinie!!

Es setzt sich an Land fort. Denn Willi, mein Steuermann aus alten FD-Zeiten und bester Kumpel, hat auf dem Kurs nebenan den Spieltag der zweiten Liga gewonnen. Gemeinsam feiert es sich noch schöner.

Ergebnisse 2. Segelbundesliga 2018 2. Spieltag Tutzing

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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