Knarrblog: Eisarsch – Frostiges Vergnügen im Optimisten

Heftig wriggen, böse gucken

Das Eisarsch-Abenteuer liegt jetzt genau einen Monat zurück, aber die Umstände, die zum 34. Platz führten, sollen natürlich nicht in Vergessenheit geraten. Kalt und ungemütlich wars bei der Kult-Regatta für alte Säcke im Optimisten.

Eisarsch

SegelReporter an der Eisarsch-Front. © Udo Ott

Nicht schön, dieses komisch knackende Geräusch, wenn die Kniescheiben umspringen. Aber der demütigende Kniefall auf der Leeseite scheint mir für den Moment die beste Position für einen alten, schweren Sack auf dieser Opti-Kinderkiste. Nach wohl 25 Stellungswechseln habe ich die Hoffnung, auf diese Weise vielleicht den Luv-Knickspant aus dem Wasser zu heben. Der platte Opti-Hintern mag dann nicht mehr ganz so sehr im Wasser kleben.

Aber es gehört viel Optimismus dazu, daran zu glauben. Schließlich ermittelt der Wiegewart beim Lübecker Yacht-Clubs beim Einchecken satte 92 Kilo – irgendwas muss da mit der Waage nicht stimmen. Und anstatt höflich, dezent über so viel Körperfülle hinwegzugehen, bekomme ich ein Schild mit einer fetten 92 um den Hals gehängt.

Dieses System ist Programm beim Eisarsch, der Mutter aller Optimist-Regatten für den erfahrenen Ü-25 Segler. Denn das Startgeld wird nach dem Gewicht berechnet. Wer mehr wiegt, muss mehr bezahlen. Wie ungerecht. Immer auf die Dicken. Als wären sie mit dem leistungsabträglichen Übergewicht nicht schon genug gestraft.  92 Kilo Gewicht kosten 23 Euro Startgeld.

Die bekloppte Opti-Regatta

Vor drei Jahren wollte ich schon einmal an der bekloppten Opti-Regatta teilnehmen. Sie ist schließlich Kult im Norden. Aber damals fiel sie aus wegen Eisgangs. Seitdem trudelt  jedes Jahr im November etwa zum Totensonntag, wenn der  Regen ans Fenster klatscht und der Atem sichtbar wird, eine Einladung ins Haus.

Inzwischen ist aber der Familien-Opti verkauft und die Chance einer Teilnahme sollte verpasst sein. Wenn da nicht diese Clubveranstaltung gewesen wäre, bei der sich zwei Spaßvögel auf die Suche nach einem dritten Teammitglied begaben. Es ginge um den Team-Arsch Wanderpokal, den der NRV schon mehrfach gewonnen hatte. Ich geriet ins Schussfeld, sagte unvorsichtigerweise “eigentlich wollte ich ja auch immer mal…” und dass ich mal Bronze bei ner Deutschen Opti-Meisterschaft gewonnen habe, zack hatte ich ein Boot und keine Ausrede mehr.

Sie müssen wahrlich verzweifelt gewesen sein. Denn es hätte sicher erfolgversprechendere, schmalbrüstigere, fettfreiere Kandidaten für einen Opti-Erfolg gegeben. Aber es schien ja um einen großen Spaß zu gehen.

Skistiefel verboten

Das legt jedenfalls die Segelanweisung nahe. Dort heißt es: “Es wird nach bestem Wissen und Gewissen gesegelt, wenn möglich im Sinne der ISAF.” Und außerdem: “Woll- und Steppdecken sowie Federbetten dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mit ins Boot genommen werden. Wärmflaschen und Heizkissen müssen mindestens nach dem Vorbereitungsschuss aus dem Boot entfernt werden. Das Betreten der Boote mit Skistiefeln ist verboten. Bei Schneetreiben dürfen geeignete Schutzbrillen getragen werden.”

Ich bekomme noch eingetrichtert, dass die beiden Rumfläschchen, die beim Einchecken überreicht wurden, während des Rennens gelenzt werden müssen. – Das kann ja heiter werden! – Erst später erfahre ich, dass dieser in früheren Ausschreibungen enthaltene Passus gestrichen wurde. Ein Lübecker Behördenvertreter hatte darauf bestanden als er den Hinweis entdeckte. 40 Jahre lang war es kein Problem.

Vielleicht war das der Zeitpunkt, als sich diese Optimisten-Regatta für Erwachsene vom reinen Spaß-Event wegentwickelte. Nur noch 60 Schiffe sind am Start. Früher sollen es deutlich über 100 gewesen sein, ein echtes Happening. Jetzt blicke ich bei den Mitstreitern auf dem Parcours in viele äußerst konzentrierte Gesichter. Wie bei einer richtigen Regatta.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Knarrblog: Eisarsch – Frostiges Vergnügen im Optimisten“

  1. avatar Jörg sagt:

    Irgendwie finde ich keine Kontaktmöglich zu SR, aber vielleicht liest hier ja jemand mit.
    http://www.nytimes.com/2014/01/05/magazine/a-speck-in-the-sea.html?pagewanted=2&_r=3&hp wäre vielleicht eine interessante Geschichte für Euch….

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  2. avatar seilor sagt:

    Wieso “Früher sollen es deutlich über 100 gewesen sein”? … gleicher Autor 😉 http://www.yacht.de/sport/news/eisarsch/a5667.html

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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