Knarrblog Kieler Woche: Mit der J/97 “Ratzfatz” beim Kiel Cup Alpha

"Vorsicht Startschiff!"

Der SR-Ausflug auf die Seebahn in Kiel war spannend und erfolgreich. Bei Starkwind ging es allerdings an die Grenzen. Denn der Taktiker durfte sich nicht in den Heckkorb fläzen.

“Vorsicht, Startschiff!!” Der Spruch wird zum Running Gag auf “Ratzfatz”, der J/97 von Eigner und Steuermann Andreas Rohde. Denn wir kamen dem Boot der Wettfahrtleitung nicht etwa beim Start zu nahe, sondern bei einer Leetonnenrundung.

"Ratzfatz" von Andreas Rohde

Spi-Manöver auf der “Ratzfatz” von Andreas Rohde. © Marina Könitzer

Am zweiten Tag des Kiel Cups hatte der Wind ordentlich aufgebrist. Er konnte sich aber nicht so richtig entscheiden, ob er für das leichte oder schwere Vorsegel ausreichen wollte. Sehr spät vor dem Leegate entscheiden wir uns für den Wechsel. Die Crew verfällt in Hektik.

Altes Segel in den Sack, neues den Niedergang hoch, einfädeln ins Profilvorstag, am Fall hochreißen, Gennaker ums Vorstag nach Luv zerren, er muss immer links weg. Blöd, dass die Leetonne schon querab liegt. Das Schiff ist etwas zu hoch angestellt. Das Tuch reißt uns aus den Händen.

Kampf mit dem Tuch

Wir müssen tief abfallen, um es noch in den Griff zu bekommen. Die Gegner rutschen innen durch und gehen schon an die Kreuz. “Vorsicht Startschiff!” Peter überblickt die Lage, als alle nur Augen für den Kampf mit dem Tuch haben.

Ratzfatz J/97

Annäherung an die Luvtonne. © Marina Könitzer

Irgendwann ist die Blase dann doch verstaut. Schwer atmend und fluchend klettern wir auf die hohe Kante und hetzen den Kollegen hinterher. Ein Extremschlag nach rechts scheint noch etwas zu helfen, aber im Ziel fühlen wir uns schwer geschlagen. So ein blödes Manöver.

Ist aber kein Wunder. Erstmalig segeln wir in der Besetzung zusammen North Sails Chef Stefan Matschuk hat eine  sturmerprobte Truppe  zusammengestellt, die sich besonders bei der Deutschen ORC Meisterschaft ab Freitag in Warnemünde ordentlich schlagen soll.

Neben Rohde sind die Hamburger Rubin-Veteranen Lorenz Jensen (Fock) und Roland Michael (Groß) dabei, mein alter Match Race Freund Peter Stein aus Duisburg (Pit) und Bo Teichmann auf dem Vorschiff. Das Beste dabei: Nur ein Kollege von insgesamt sieben bringt weniger als meine 47 Jahre Lebenserfahrung an Bord. Da fühlt man sich richtig jung 🙂

Relingsdraht quetscht in die Plauze

Allerdings wurde mir eine geruhsame Taktiker-Position versprochen. Ich ging jedenfalls davon aus. Schön in den Heckkorb fläzen und einen auf wichtig machen. Aber auf diesem Boot sitzt der Wichtigtuer mitschiffs. Zumindst wenn er eine gewisse Körperfülle aufweist. Jedenfalls quetscht sich jetzt der mittlere Relingsdraht in meine Plauze und ich muss den Hals sehr verdrehen, um mitzubekommen, was sich in Lee tut.

J/97 Ratzfatz

Der Gennaker steht. Die J/97 kann damit erstaunlich tief gesteuert werden. © Marina Könitzer

Also Mund abwischen, weiter geht’s, das verpatzte Manöver ausgleichen. Es ist ja nur eines von insgesamt acht Rennen. Und es geht ums Handicap-Segeln, da zählt die Zeit. Also noch mal Anschlag nach rechts braten, einen hübschen Rechtsdreher einsacken, und prompt sind die Klassenkollegen wieder in Sichtweite.

Im Ziel kommt die Funk-Durchsage: Platz zwei für “Ratzfatz”. Nicht wirklich, oder? So gut fühlte sich die Situation nach dem Fuckup nun wirklich nicht an. Hatten die anderen auch ihre Probleme? Haben wir den Rechtsdreher so gut erwischt? War die Startkreuz, nach der wir erste waren, so stark?

Alles mit rechten Dingen?

Es ist die alte Crux beim Vergütungssegeln. Wie sehr kann man den Ergebnissen trauen? Geht alles mit rechten Dingen zu? Im Winter wurde die ORC Formel modernisiert. Sind die Berechnungen nun fairer als zuvor? DSV Vermesser Boris Hepp ist jedenfalls sehr zufrieden. “Die Abstände sind deutlich geringer als zuvor”, sagt er.

Nun bin ich auch nicht gerade ein großer Fan vom Berechnungssegeln. Aber in der ORCIII/IV Klasse waren die acht Rennen auf dem Stollerngrund nah dran am Einheitsklassesegeln. Gut acht Yachten lagen von der Leistungsfähigkeit beieinander und waren in der Lage, auch berechnet Rennen für sich entscheiden.

Die Ergebnisse vom Kiel Cup Alpha sind auf der Website gerade zwar irgendwie verschwunden, aber ich bin mir relativ sicher, dass wir wirklich dabei waren und schließlich sogar ganz oben auf das Treppchen klettern durften. Die Serie: 1/1/1/2/1/6/1/6
(Hier jetzt die Ergebnisse
)

Weiter geht’s ab Freitag in Warnemünde. Und wenn es nicht so sehr hackt, sollte es uns auch wieder knapp gelingen, dem Startschiff bei der Tonnenrundung aus dem Weg zu gehen.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Knarrblog Kieler Woche: Mit der J/97 “Ratzfatz” beim Kiel Cup Alpha“

  1. avatar Andreas Ju sagt:

    Viel Glück in Warnemünde!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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