Knarrblog Match Race Germany: Onboard Videos, Motor Vollgas und das böse A-Wort

Bordleben

Vorstart:

Rennen im Zeitraffer:

Nachbesprechung:

Ein komisches Spiel. Vorstart mit den Bavaria 40 bei vier Knoten Wind. So muss man es machen: Hebel auf den Tisch sechs Minuten vor dem Start. Die acht Tonnen mit Motor-Hilfe in Wallung bringen. Vollgas Beschleunigung bis zum fünf Minuten Schuss.

SR Team Debrief

Nachbesprechung auf dem SR-Boot.

Dann muss der Motor aus und der Abstand zur Linie stimmen. Der Schub soll helfen, um eine Minute später mit maximale Fahrt am zugewiesenen Ende der Startlinie anzukommen. Bei vier Minuten also eintauchen in die Box. Spinnaker setzen ohne Baum. Spitzen Raumschotskurs einstellen. Der Vorschiffsmann hält den Achterholer am Vorstag. Von rechts kommend gilt es nun, zu hoffen, vor dem Bug des Gegners zu passieren.

Wirklich erstaunlich, dass der Motor-Speed eine Rolle spielt. Aber genauso machen es die Großen hier beim Match Race Germany. Wir sehen genau zu, brauchen aber ein paar Rennen, um diese komische Prozedur hinzubekommen.

Prügel beziehen

Wir sind gekommen, um Prügel zu beziehen. Warum sollte es anders sein, als vor vier Jahren? Schon damals machte das Verlieren nicht mehr Spaß, weil die Heck-Ansichten zu einem Ainslie, Gilmour oder Bruni gehörten.

Aber diesmal bin ich besser vorbereitet, das Team eingespielter und der Wind weht schwächer. Das Verlieren fühlt sich nicht ganz so schlimm an. Man duckt sich rechtzeitig, zieht die Schultern hoch, erhöht die Körperspannung, erwartet den Schlag.

Simon Licht segeln

Simon Licht, kennt die richtigen Posen für die Kamera. © MRG

Vielleicht ist es deshalb gut auszuhalten, neunmal als letzter über die Linie zu segeln. Zwei Punkte sind immerhin drin. Das sind zwei mehr, als wir erwartet hatten. Der Däne Sehestedt nimmt ebenso Rücksicht auf unser Selbstwertgefühl wie die Monnin Brüder aus der Schweiz, Nummer sechs und acht der Weltrangliste.

Aber am Ende kommt es auch darauf an, ob man erhobenen Hauptes vom Platz gehen kann. Und da ist es wieder, dieses Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Drei Rennen sind nach schlechtem Timing und einem unforced error Frühstart zu Beginn entschieden, aber wir finden die Quote ist nicht so schlecht gegen die Profis.

Dreher verpasst?

Alle anderen Niederlagen kommen durch weniger sichtbare Faktoren zustande. Wir kommen frei weg von der Linie und dann? Langsam gesteuert, falsch getrimmt, schlecht gewendet, Dreher verpasst? Es wird nicht so klar, was den Unterschied ausmacht.

Eine andere willkommene Ausrede kommt daher. Boot zwei soll deutlich langsamer sein, beschweren sich die Profis. Das mag man gar nicht hören beim Match Race. Aber wenn alle das sagen? Das Schiff wird schließlich vor dem Viertelfinale ausgetauscht.

Simon Licht segeln

Der Schauspieler Simon Licht (Stromberg) bei uns an Bord.

Dieses Gefühl, auf Augenhöhe sein zu können, ist trügerisch. Man meint, nahe dran zu sein, wenn die Gegner einen nicht vollkommen zerstören. Tatsächlich liegen Welten dazwischen. Denn es gibt beim Segen nicht diesen einen Trick, den die Jungs besser drauf haben. Es ist es immer die Summe der Kleinigkeiten. Wie immer beim Regattasegeln.

Und das fertige Mosaik bekommt man eben nur dann zustande, wenn man viel übt, oft zusammen segelt, lange miteinander spricht und die richtigen Schachzüge abspeichert. Dazu kommen die Bedingungen und Boote. Mit den schweren Bavarias und dem leichten Wind fällt die Entscheidung meist früh in der Startbox. Kommt man mit genug Fahrt über die Startlinie? Kann man sich im Vergleich zum Gegner eine Wende sparen?

Duell mit Jablonski

Nach dem ersten Cross, dem ersten Zusammentreffen auf der Bahn nach dem Start, sind die meisten Rennen entschieden. Danach sind die Schiffe nicht mehr aus dem Windschatten zu lösen. Wendeduelle machen wenig Sinn, weil das angreifende Team meist ein zusätzliches Manöver in Kauf nehmen muss und viel verliert.

Das Video oben zeigt das Duell mit Karol Jablonski. Es ist das einzige unserer Rennen, bei dem es während des Rennens mal zu einer engen Situation kam. Schon der Start verlief eigentlich nicht so schlecht. Einmal nehme ich mit einem Luvmanöver vor der Linie aber wohl etwas zu viel Fahrt aus dem Schiff. Das wird der Unterschied gewesen sein.

Vor dem Wind können wir Luv passieren und sogar die Überlappung brechen. Aber das hilft nichts, weil auf der Match Race Tour die Regel 17 (proper course) ausgesetzt ist. Man kann auch von hinten kommend Luvrecht erreichen wie vor dem Start. Das soll für mehr Überholmanöver sorgen. In diesem Fall helfen die Änderung aber wenig. Denn Karol kann uns schließlich an der Leetonne vorbei luven. Perfekt gemacht.

Das böse A-Wort benutze ich übrigens, weil einer seiner Jungs uns der Tonnenberührung bezichtigt. 🙂 Anschwärzen finde ich doof. Macht man nicht. Die Jury sieht sich das auf dem Wasser ja immer genau an. Aber A-Wörter sagt man auch nicht, ich weiß 🙂 

Lederhosen-Abend

Was bleibt nach drei Tagen Flautenschieberei gegen die Profis aus aller Welt? Sind coole Typen dabei. Besonders das junge Gemüse ist beeindruckend professionell organisiert. Bei den Veranstaltungen abends lassen sie sich selten blicken.

Nur die Kiwi Truppe von Phil Robertson mischt sich beim Dirndl- und Lederhosen-Abend schon mal mit müffelnder Teamkleidung unter die Eingeborenen. Der Duft der großen weiten Welt erzielt herausragende Erfolge bei den Segel-Groupies auch wenn sich die Jungs partout jeglichem Alkohol-Konsum verweigern.

Bei den kleinen Gilmours aus Down Under, bei denen auch Oracle Wing Trimmer Kyle Langford Dienst tut, geht die Coolness allerdings ein wenig verloren als sie vom großen Rudi zusammengestaucht werden. Der erfahrene Wettfahrtleiter heißt einen Badeausflug der Jungs mit ihrer Rennyachten überhaupt nicht gut und poltert unmissverständlich über den See. Vor Gott und Rudi sind sie eben alle gleich die großen Segelstars.

Und meinen persönlich größten Erfolg habe ich am Ende dann auch erreicht: Einen geglückten Anleger im engen Hafen von Langenargen mit der Bavaria 40. Zweimal quer getrieben, einmal die Plastikstange am Heck abgeknickt – die Reputation litt. Zuletzt kam Flo schon immer nach hinten, um zu soufflieren oder im Bedarfsfall das Steuer zu übernehmen. Aber der letzte Anleger, der passte perfekt.

Eventseite Match Race Germany

Ergebnisse Round Robin

Duell gegen Monnin:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Knarrblog Match Race Germany: Onboard Videos, Motor Vollgas und das böse A-Wort“

  1. avatar Jörg sagt:

    Gracious 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Ist es dann überhaupt sinnvoll ein MatchRace bei 4kn Wind mit 8 Tonnen Schiffen zu fahren? Das matchen fällt doch in weiten Teilen weg, wenn ich es richtig verstanden habe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

    • avatar Trung Huynh sagt:

      Es ist immer noch das gleiche Prinzip, der bessere gewinnt, nur die Taktiken verändern sich leicht. Außerdem ist es ja nicht so, dass ein uraltes Regelwerk den Teams erlaubt sich Jahre lang danach, vor Zivilgerichte zu ziehen, um die Ergebnisse anzufechten 😉

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  3. avatar Andreas Jung sagt:

    Hey, was war denn vor 4 Jahren nicht okay mit dem Team? Immerhin die Anleger liefen doch reibungslos 😉

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