Knarrblog Segel-Bundesliga: Wie das Auge aufplatzte

Fratzengeballer

Segel-Bundesliga Seglertalk in Kiel:

Meine Güte, man muss doch nicht sofort zuschlagen. Klar gibt es auch schon mal Unstimmigkeiten an Bord, klar habe ich mich ein wenig langsam bewegt, aber man kann doch drüber reden. Wir sind doch erwachsen und zivilisiert.

Aber nein, Flo knallt mir ansatzlos den Ellenbogen aufs Auge. Gut ich hab’s mir dann schnell eingeprägt. Wenn ich zu spät den Bugspriet ziehe gibt’s eben Fratzengeballer. Das  ist wohl das eigentliche Erfolgsrezept unseres NRV Teams bei der Segelbundesliga. Deutliche nonverbale Ansagen.

Freundschaftsdienst. KYC Steuermann Söhnke Boy behandelt NRV Crew. © Ole Studnitz

Freundschaftsdienst. KYC Steuermann Sönke Boy behandelt NRV Crew. © Ole Studnitz

Aber lieber nicht nachmachen. Denn nicht immer ist ein Urologe dabei, der einen behandeln kann. Sönke Boy, Steuermann vom Kieler KYC-Team, versorgt mich bestens. Besten Dank dafür. Er ist auch ziemlich mitfühlend.

Das kann man übrigens von der Crew kaum behaupten. Muss hier mal gesagt werden. Männer sind ja sonst wirklich nicht wehleidig aber es fehlt doch ein überzeugendes in-den-Arm-Genehme, oder über-den-Kopf-Gestreichele. Immerhin formuliert jemand ein interessiertes “Kannst du noch segeln?”. Aber es besteht der Verdacht, dass sich das Interesse weniger an meinem Wohlbefinden als an der möglichen negativen Auswirkung auf den Tabellenstand orientiert.

“Natürlich”, presse ich mit einem möglichst schmerzverzerrten Gesicht hervor. Weiß ja keiner, dass es gar nicht soooooo weh tut. Trägt bestimmt zur Legendbildung bei. Blut abwischen und weiter geht’s. Ha. Wäre doch gelacht.

Immerhin muss das tropfende Blut doch ein wenig schrecklich aussehen. Schließlich will mich der DLRG Mann sofort ins Krankenhaus schicken. “Zwei Stiche”, meint er. “Hallo Meister, ich muss hier Segeln. Bundesliga. Kein Spaß oder so. BUNDESLIGA!!!” Er scheint wenig beeindruckt. “Nur auf die eigene Verantwortung”. Da will er nichts mit zu tun haben.

Hmm, ein kleiner Zweifel schleicht sich plötzlich ein. Was soll denn passieren? Platzt gleich das ganze Auge auf, wenn ich wieder aufs Boot steige und den nehezu spiegelglatten Parcours besegele?

Ach Quatsch. Schweini lässt sich schließlich auch nicht von so einem kleinen Cut stoppen. Der hat zwar Müller Wohlfahrt aber ich habe Doktor Boy. Und noch nicht ganz Doktor Grotelüschen. Also Klammerpflaster drüber und raus auf den Rasen. Raus auf die Piste. Auch Rennfahrer sollen schließlich nach einem Unfall sofort wieder ihre Runden drehen, damit sich der Glaube an die Unverwundbarkeit gar nicht erst ins Wanken gerät.

Schön jedenfalls, dass Kommentator Matze Bohn das Thema für sein Seglertalk Couch-Thema aufgreift. Ein echter Profi. “Urologe rettet verblutenden Segler”, schöne Schlagzeile. Das Thema passt wahrlich wie die Faust aufs Auge an einem Tag, an dem mangels Wind seglerisch kaum etwas passiert. Ein brutaler Sport dieses Segeln, von dem sie alle reden.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Knarrblog Segel-Bundesliga: Wie das Auge aufplatzte“

  1. avatar <°((( ~~< sagt:

    Gibt es eigentlich auch Wettkämpfe, bei denen der Segelreporter mal nicht verletzt wird? War da nicht erst letztes Jahr beim Matchrace so ein publicityträchtiges Gemetzel?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

    • avatar Marc sagt:

      Herr K. ist der Grund warum Regattasegelei lange Zeit in der Versicherungsbranche mit Kampfsport gleichgesetzt wurde und Regattaschäden nicht mit versichert waren 🙂

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar dubblebubble sagt:

    Kommt das nur mir mädchenhaft vor? :))

    Immerhin waren die Kernkompetenzen des Urologen nicht gefragt.

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