Knarrblog: Wessel&Vett Meter Yacht Cup. Langstrecke durch Kopenhagen. Dumm gelaufen.

Windschnittig fast zum Sieg

Die "Trivia"-Crew macht sich schnittig. © Tanja Weichenhain

Wie blöd. Das Geburtstagsständchen für Tanja ist im Cockpit der „Trivia“ verklungen, die Bierdosen ploppen, um auf den Sieg anzustoßen, da flattert die abschließende Ergebnisliste des Wessel&Vett Meter Yacht Cups an Bord.

Ein Mundwinkel nach dem anderen zieht sich nach unten. Zweiter statt erster, wie kann das sein? Hektisches Nachblättern in den Segelanweisungen gibt die Lösung. „The distance race on Sunday can not be excluded.“ Das Langstreckenrennen kann nicht gestrichen werden. Und wir dachten, nicht mehr antreten zu müssen. Wie blöd. Wer lesen kann, ist im Vorteil.

Wir ärgern uns alle. Ich besonders. Als Taktiker sollte man solche Daten wohl auswendig können. Shit happens. Dabei haben wir sehr ordentlich gesegelt. Mit 1/2/2/1 lagen wir gut in Führung. Zumal der ärgste Konkurrent „Sphinx“ noch eine Disqualifikation wegen Tonnenberührung hinnehmen musste. Die Revanche von der Flensburg-WM schien perfekt zu glücken. Und Situationen wie die heftige Kollision vom Vorjahr schienen uns diesmal erspart zu bleiben. Gute Starts, gute Crewarbeit und ein paar glückliche Dreher sollten zum Sieg über die sieben Zwölfer ausreichen.

Aber nun stellt sich heraus, dass wir sogar zweiter statt dritter hätten werden müssen. Hätte es einen Unterschied gemacht ohne das Gefühl des sicheren Sieges? Wäre das letzte Rennen anders verlaufen? Eigentlich müßig darüber nachzudenken. Mit hätte, wäre, wenn und aber beginnen im Segelsport viel zu viele Rennanalysen. Blöder Fehler, verdiente Niederlage, Punkt. „Sphinx“ hat in diesem Rennen einen überlegenen Sieg eingefahren und auch insgesamt verdient gewonnen.

Und doch reizt das Gedankenspiel. Wären wir beim Start aggressiver zu Werke gegangen? Hätten wir die Kollegen wie beim Rennen zuvor am Startschiff abstreifen können? Hätte gar „Vanity“ von Platz drei vorbeiziehen können, wenn wir uns beharkt hätten?

So rauschen wir nach der Rundung des Middelgrund Forts als fünftes Schiff durch den schmalen Lynette Channel in den Hafen von Kopenhagen, nachdem uns „Vanity“ beim Start drüber gerutscht ist.

Aufregend, wie sich die Klassiker-Flotte bei böigem Wind auf den Kreuzfahrerer „Aida“ zuschiebt, ein Motorboot als flexible Marke rundet, und das Nadelöhr wieder verlässt.

„Sphinx“ verschwindet fast am Horizont, nachdem sie auf der Startkreuz eine Linie mit weniger Gegenströmung erwischt hat, und wir holen noch auf Platz drei auf. Zweimal kommen wir „Vanity“ noch sehr nahe, aber schließlich verteidigen die dänischen Weltmeister zu geschickt, als dass sie uns vorbei lassen.

Eine schöne Veranstaltung. Gastfreundliche Dänen und eine hervorragende Wettfahrtleitung. Nur dieser emotionale Tiefschlag wäre verzichtbar gewesen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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9 Kommentare zu „Knarrblog: Wessel&Vett Meter Yacht Cup. Langstrecke durch Kopenhagen. Dumm gelaufen.“

  1. avatar Matze sagt:

    If you want to keep a secret, put it in the sailing instructions…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  2. avatar Marc sagt:

    Und wie immer gibt es passende Sprichwörter:

    1. Hinterher weiß man immer mehr

    2. Wer lesen kann ist klar im Vorteil 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar T.K. sagt:

    Hihihi

    Strafe muss sein!

    Wer so “arrogant” ist und beim letzten Rennen nicht mehr antritt, da man meint die Regatta schon im Sack zu haben gehört bestraft! Gut so!

    Ich finde es zeugt von viel mehr Respekt den anderen gegenüber auch das letzte Rennen zu gewinnen und dann eben einenn 1. oder 2. zu streichen.

    Dennoch – Es ist auch wiederum gut wenn jemand dann so ehrlich ist und dieses öffentlich kund tut!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

    • avatar Lyr sagt:

      wenn ich das richtig verstanden habe, sind sie schon mitgefahren. Nur mit der Einstellung als bräuchte man das Rennen nicht mehr…. oder?

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      • avatar Carsten sagt:

        klaro sind wir mitgefahren. eben diese tolle langstrecke. man kann ja nicht sagen, dass wir sonst gewonnen hätten. es ging nur darum, diese erstaunte stimmung beim blick auf die ergebnisliste zu beschreiben. erstaunlich, was alles beim segeln alles passieren kann.
        hatte ich schonmal bei einem laser rennen in frankreich. nach einem harten tag auf see, der als belohnung die gesamtführung bringen sollte wanderte der blick auf der liste immer weiter nach unten. frühstart in beiden rennen des tages.

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    • avatar stefan sagt:

      …bei “ernsten” Regatten ist das keine Arroganz, wenn Segler im letzten Rennen nicht mehr antreten, sondern Vorsicht, denn man kann sich in so einem Rennen auch eine Disqualifizierung einhandeln, die man nicht streichen kann. Das kann dann schnell einen Gesamtsieg (der vor diesem letzten Rennen sicher war) kosten.

      …bei so einer Veranstaltung wie mit den 12ern ist das natürlich nicht angebracht.

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  4. avatar T.K. sagt:

    Sorry, dann nehme ich alles zurück – ich hatte es anders verstanden.
    Schande auf mein Haupt

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    • avatar John sagt:

      Is eigentlich auch nur so zu verstehen, wie Du es anscheinend getan hast. Erst Mitte des Textes wird klar, dass sie doch am Start waren…

      Tja, shit happens.

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