Kultregatta: “Letzte Helden” auf der Elbe – Rekordbeteiligung mit 147 Booten

"Besonderer Reiz"

505er-Legende Rolf Meyer berichtet über die Regatta der „Letzten Helden“ und nennt sie “kleine Kieler Woche”. Auch weil das „social living“ wie ehemals bei der KiWo ein elementarer Teil der Veranstaltung ist.

Zehn RS Aero gingen an den Start.© Jan Kruse

Vor ganz vielen Jahren kam es zur Gründung dieser Kultregatta. Damals war es oft noch eine echte Challenge. Die Boote waren schon im Schuppen, oft lag schon Schnee vor den Toren. Morgens waren die Schoten gefroren und den Glühwein, der auf dem Wasser gereicht wurde, goss man sich schon mal in die Stiefel, weil man die Füße nicht mehr merkte. Lederhandschuhe und Wollmütze zogen mehr Kälte aus dem Körper als ihn zu schützen.

Glühwein vom Motorboot in der Pause. © Jan Kruse

Dank des fortschreitenden Klimawandels und dem zunehmenden Verlust an Regatten, die auch noch „social living“ als elementaren Teil der Veranstaltung sehen, entwickeln sich jetzt die Letzten Helden zur kleinen Kieler Woche, vor allem der nicht olympischen Klassen. Es waren alle Meldekontingente voll ausgeschöpft. Sonst wäre sicher mehr als 200 Boote am Start gewesen. 50 Piraten (!!!) waren es schließlich, 10 RS Aeros, 17 Europes und 20 Finns. Dazu eine gemischte Yardstick-Klasse unter anderem mit 420er, Laser, Korsar, 14-Footer oder Sharpie.

Autor Rolf Meyer an der 505er Vorschot. © Jan Kruse

Leider war die 505er Flotte nicht groß genug, um wie früher eine eigene
Wertung zu bekommen. Das wurde Jens Biederer und Johannes Kindermann (GER 9135) zum Verhängnis. Denn trotz fulminantem Fotofinish im letzten Rennen mit einer viertel Bootslänge Vorsprung vor uns (Rolf segelte an der Vorschot von Sohn Anton) landeten sie in der Gesamtwertung knapp achteraus. In der Yardstickwertung des zweiten Rennens schoben sich zu viele Boote aus anderen Klassen voraus. Immerhin erreichten die 505er im Gesamtranking der 150 gewerteten Boote (einige hatten das Zeitlimit nie erreicht) in der Gesamtwertung die Plätze sechs und acht.

Zehn RS Aero gingen an den Start.© Jan Kruse

Letzter Held über alles wurde Thomas Schmid, der frisch gekürte Deutsche Meister 2021 im Finn Dinghy, Olympiateilnehmer und Weltmeister 1988. Seine Frau konnte aus dem Wohnzimmerfenster in Blankenese kontrollierend zusehen.

Zur Rekordflotte trugen insbesondere die Piraten bei. © Jan Kruse

Diese Regatta hat ihren besonderen Reiz, da man hier im Bus ganz nah an der Elbe nächtigen kann – wie die ganz Vermögenden unter den Hamburger Bürgern – das Geschehen auf dem Wasser und an Land miterlebt – pöbelnde Jogger, Radfahrer und flanierende Hanseaten eingeschlossen – und man wie früher auf der Kieler Woche alle paar Minuten Bekannte aus der Segelszene sieht.

50 Piraten bei den “Letzten Helden”. © Jan Kruse

Und wenn man sie nicht dort trifft, geht man abends ins Rio Grande oder die Kneipe “Linde” oben in Blankenese, um Frank Schönfeldt zuzuhören und sich auf den letzten Stand der laufenden Projekte rund um den Regattasport und den fliegenden Conger zu informieren. Und die jüngeren Segler feiern im Bootsschuppen des BSC bis die Polizei kommt.

Leif Tom Loose segelt mit der “Yardstick-Rakete”, einer klassischen H-Jolle, auf Rang zwei der Gesamtwertung. © Jan Kruse

Es bleibt ein Event, dass in jedem Jahr nach Wiederholung ruft, auch wenn man wie immer am Ende doch viel zu lange auf die Preisverteilung warten muss. Die vielen oft weit angereisten Segler zeigen, dass man hungrig ist nach solchen Veranstaltungen – mit einer tollen Umgebung, Treffen, Schnacken und Bierchen trinken. Trotz des doch arg beengten segelbaren Bereiches am Mühlenberger Loch.

Zum Segeln auf dem Mühlenberger Loch gehört die Begegnung mit der Berufschifffahrt. © Jan Kruse

Es zeigt auch, dass die offenbar eher auf professionelles Segeln ausgelegten Konzepte wie  bei der Kieler Woche oder der Segelbundesliga auf Dauer verlieren werden, wenn man Segelsport nur noch als rein sportliches Event tituliert. Damit wird man keine Chance haben, dem Segelsport den Nachwuchs zu erhalten.

Gesamtwertung Yardstick

Gesamtwertung nach Gruppen

Rolf  Meyer

2 Kommentare zu „Kultregatta: “Letzte Helden” auf der Elbe – Rekordbeteiligung mit 147 Booten“

  1. avatar Manfred sagt:

    Bravo Rolf, toller Bericht und ganz meine Meinung!

    13
  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Alleine, wenn man die ganzen Autokennzeichen sieht. Aus den obskursten Ecken des Erdenrunds kommen sie angereist (Berlin, Kopenhagen, Aachen). Und fast jede Klasse scheint irgendwo eine Party zu haben (strictly 2G) und am Ende sind alle selig, obwohl bei YS natürlich die echte Wahrheit auch nicht immer durchkommt.

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