La Solitaire du Figaro: Armel Le Cleac’h steht nach unblaublichem Comeback vor drittem Sieg

Alles auf eine Karte

Beim Verlauf der 51. Solitaire der Figaro Regatta, der härtesten Enhand-Onedesign-Langstreckenregatta der Welt, hat Altmeister Armel Le Cleac’h (43) bewiesen, dass er den Wind drehen kann.

Armel Le Cleac’h (Banque Populaire) beendet die dritte Etappe auf Platz vier bei der La Solitaire du Figaro und führt in der Gesamtwertung.
© Alexis Courcoux

Wenn jemand wie Armel Le Cleac’h – einer der berühmtesten französischen Hochseesegler nach zwei Vendée-Globe-Zweiten und dem Sieg 2017 – wieder zurück zu den Wurzeln kommt, und sich mit den hungrigen Youngstern um den Solitaire-du-Figaro-Sieg streitet, dann hat er eigentlich nur zu verlieren.

Aber seit er seinen fliegenden Ultim-Trimaran “Banque Populaire” bei der Route du Rhum 2018 zerlegte und der geplante Neubau wohl erst im nächsten Jahr vom Stapel läuft hatte Le Cleac’h zuletzt kaum mehr zu tun, als die Stallgefährtin Clarisse Cremer auf die Vendée Globe vorzubereiten.

Lange Zeit lag Sam Goodchild auf Leyton vorne. © Alexis Courcoux

Alles andere als der oberste Platz auf dem Podium wäre eine Enttäuschung. Insbesondere im Corona-Jahr. Mit 35 statt 47 Teilnehmern im Vorjahr und deutlich weniger großen Namen ist die Konkurrenz kleiner. Entsprechend aggressiv geht der “Schakal” – so sein Spitzname – taktisch zu Werke. Er setzt alles auf eine Karte, scheint kein Risiko zu meiden.

Le Cleac’h zur Halbzeit auf Platz 28

Nach einer Serie von Extremschlägen auf den ersten beiden von insgesamt vier Etappen schien Le Cleac’h immer mal wieder dramatisch den Anschluss zu verlieren, kam dann aber wieder zurück, rundete zum Beispiel den Fastnet Rock auf Platz zwei, und behauptete nach zwei Etappen eine solide Gesamtführung.

Bei der Königsetappe über 492 Meilen von Dünkirchen nach Saint-Nazaire strapazierte er allerdings die Nerven seiner Fans über Gebühr. Ein erneuter Extremschlag zu Beginn der Etappe im Kanal warf ihn weit zurück. Zur Halbzeit der Etappe lag er auf Rang 28. Gut zehn Meilen segelte er der Spitzengruppe hinterher. Das Zeitpolster war aufgebraucht.

Am Ende wurde es fies zwischen den Inseln. © Alexis Courcoux

Aber bei Leichtwind entwickelte sich die Etappe besonders am Ende zu einer echten Lotterie. Frederic Duthil, mit 46 Jahren ältester Teilnehmer des Rennens, der erst wenige Tage vor dem Start erstmals eine Beneteau Figaro 3 gesegelt ist, lag 40 Meilen vor dem Ziel noch aussichtslos zurück auf dem letzten Platz.

Split bei Quiberon

Bei der Annäherung der drei Inseln vor Quiberon kam es etwa 30 Meilen vor dem Finish zu einem großen Split in der Flotte. Die Mehrheit wählte einen mittleren Kurs zwischen den Inseln, die Spitzengruppe um den Briten Sam Goodchild segelte weiter nördlich unter Land.

Duthill (rot) liegt auf dem letzten Platz vor der Ansteuerung von Quiberon…

…Dann wählt er mit zwei anderen Booten den Weg südlich an der Belle Ile vorbei…

…und segelt am gesamten Feld vorbei.

Der Südkurs funktionierte schließlich bestens, im Norden ging gar nichts. Goodchild, der erste echte britische Podium-Kandidat in der Geschichte des Rennens, verlor teilweise 20 Meilen. Er kam auf Rang 29 ins Ziel und liegt nun in der Gesamtwertung drei Stunden achteraus.

Duthill dagegen schiebt sich durch den großen Zeitvorsprung auch insgesamt weit nach vorne – allerdings dann doch nur auf Rang zwei. Denn der andere große Gewinner heißt Armel le Cleac’h. Der arbeitete sich in der mittleren Gruppe durch die Inseln und beendete die Etappe doch noch auf Platz vier. Er behauptet damit eine zehnminütige Führung vor Duthil.

Vier Tage vor dem Start erstmals auf dem Boot

Auf der vierten und letzte Etappe dieser 51. Solitaire du Figaro die Freitag und Samstag über nur 183 Meilen um die Ile d’Yeu und Belle-Île herum führt und wieder in Saint-Nazaire endet, spricht wenig dafür, dass le Cleac’h den Vorsprung nicht kontrollieren könnte. 

Duthil räumte ein, dass er niemals die gleiche Strecke gewählt hätte, wenn er in der Führungsgruppe gewesen wäre. Er sagt: “Das ist ein unerwarteter Sieg. Aber ich glaubte an diese Chance. Ich scannte den Horizont durch ein Fernglas ab und wusste, dass ich vorne war. Dann blieb ich eine Zeitlang in der Flaute liegen und hatte Angst, dass der Wind nicht zurückkommen würde. Aber er kam dann doch noch! Niemals hätte ich auf diesen Sieg wetten können. Ich habe erst vier Tage vor der Abfahrt auf diesem von Charles Caudrelier geliehenen Boot gesegelt.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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