Lake Constance Battle: Bundesliga Generalprobe – Berliner VSaW gewinnt am Bodensee

"Vorfahrt hat, wer lauter schreit"

Es war am Bodensee ein großes Politikum, als sich eine kleine Gruppe Regattasegler zusammenfand, um die Idee einer Einheitsklasse durchzusetzen. Die Initiatoren Tino Ellegast und Christian Rau hatten besonders zu kämpfen als es um die Abstimmung über die Bootsklasse ging.

J/70 Battle

Das Feld der 20 J/70 beim Battle vor Lindau. © Diederich

Schließlich einigte man sich auf die J/70 und ein Format, das nah an der Bundesliga mit vielen kurzen Rennen. Eine gute Entscheidung. Die Erfolgsgeschichte des Lake Constance Battle begeistert. Am Wochenende fand die erste Regatta der Saison mit gleich 20 Schiffen statt. Und im Verlauf der Saison wollen sich auch die Schweizer mit weiteren fünf Booten beteiligen. Im Nachbarland hat der Liga-Hype ebenfalls begonnen.

Die parallele Entwicklung der Bundesliga und der J/70 Klasse trägt zum Erfolg der Bordensee-Initiative bei. So nutzten die besten Süd-Vereine die Regatta zum Sammeln von Wettkampfpraxis vor dem Liga-Auftakt. Und selbst der VSaW schickte ein Team aus Berlin.

J/70 Battle

Das VSaW Team in Führung. © Heine

Der ehemalige internationale Laser-Spitzensegler Malte Kamrath will in dieser Saison für den VSaW punkten. Und er machte prompt mächtig Eindruck am Bodensee. Mit zwei Punkten Vorsprung gewann der VSaW vor dem Deutschen Touring Yacht Club, der mit Julian Stückl am Steuer ein spannendes Duell lieferte. Die Bayern haben schon einige intensive Trainingstage am Gardasee hinter sich.

Dahinter zeigt das Zweitliga Team vom gastgebenden Lindauer Segel-Club auf Rang drei, dass es wohl nicht nach der ersten Saison abgestiegen wäre, wenn Steuermann Veit Hemmeter öfter zum Einsatz gekommen wäre.

J/70 Battle

Malte Kamrath (2.v.l.) mit seinem VSaW Siegerteam. © Heine

Auf Platz vier landete Florian Tröger für den Bundesligisten vom Bodensee Yacht Club Überlingen. Beim Liga-Siebten 2014 hat nach internen Querelen überraschend Steuermann Andreas Buchert den Dienst quittiert, der fast im Alleingang den BYCÜ qualifiziert und das Event in Kiel sogar gewonnen hatte.

Nun wird Tröger neben Starboot-Europameister Hubert Merkelbach als Steuermann geführt. Der Zahnarzt aus Überlingen war 2001 Deutscher Meister in der Vaurien Klasse. Beim Battle konnte er gleich vier Rennen gewinnen und wurde durch zwei Frühstart-Disqualifikationen gehandicapt.

Damit lag der BYCÜ einen Platz vor der Konkurrenz aus der eigenen Stadt vom Segel- und Motorboot Club Überlingen. Ex Tornado Spitzensegler Tino Mittelmeier führte den Aufsteiger auf Rang fünf.

Jablonski kommt

Interessant ist der Klassen-Auftritt von Pit Finis aus Düsseldorf. Der Eigner des 53 Fuß Racers “Dralion”, mit dem er schon bei der Voile de St. Tropez gewann, ist neu in die J/70 Klasse eingestiegen. Er landete bei seinem ersten Auftritt auf Rang 18, gibt sich aber nicht damit zufrieden. Für die Deutsche Meisterschaft der J/70 bei der Kieler Woche holt er sich Karol Jablonski an Bord.

„Das Niveau ist in diesem Jahr in der Klasse noch einmal kräftig gestiegen“, fasst Veit Hemmeter vom LSC das Wochenende zusammen. „Aber das ist auch gut so, wenn sich was entwickelt. Und die ersten sechs Mannschaften segeln alle in der ersten oder zweiten Bundesliga.“

Das Format der Kurzrennen kommt bei den Teilnehmern gut an. Aber ohne Schiedsrichter kommt es offenbar an seine Grenzen. Wettfahrtleiter Josef Bitsche sagte bei der Siegerehrung: „So schön das Wochenende war, ein paar mahnende Worte muss man der J70 Klasse noch mitgeben. Die Klasse ist noch jung – und segelt manchmal ungestüm.

An den Tonnen gilt das Recht des Stärkeren, Vorfahrt hat, wer lauter schreit. Und dass nach einer Kollision mit Schaden kein Schuldiger da ist, kein Zeuge etwas gesehen haben will, ist ungewöhnlich. Der Segelsport hat klare Regeln, die hebelt man nicht mit lautem Geschrei aus.” Die Organisatoren überlegen, ob in der Zukunft Schiedsrichter auf dem Wasser eingesetzt werden können.

Ergebnisse Lake Constance Battle 1

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

4 Kommentare zu „Lake Constance Battle: Bundesliga Generalprobe – Berliner VSaW gewinnt am Bodensee“

  1. avatar Roman Juchli sagt:

    Geschätzter Carsten
    Mit viel Interesse lese ich regelmässig diverseste Beiträge auf segelreporter.com. Es ist immer wieder spannend und erfrischend zugleich, wie vielfältig und professionell die Beiträge hier sind.
    Beim Artikel “Vorfahrt hat, wer lauter schreit” musste ich aber einige Male leer schlucken, als ich die Passage über den Bodensee Yachtclub Überlingen las (bin nicht BYCÜ-Mitglied). Ich bin (in welcher Funktion tut hier nichts zur Sache) sehr nahe am Geschehen beim BYCÜ und möchte zwei Dinge festhalten: a) Segeln ist (vielleicht nicht auf dem Finn ;), aber bestimmt bei der DSBL) ein Teamsport. Von einem Alleingang von Andreas kann hier kaum die Rede sein. Damit wird der guten Leistung der anderen Teammitglieder nicht Rechnung getragen. b) Ist das Verhalten von Andreas zu einem grossen Teil mitverantwortlich, dass es zu Querelen gekommen ist. Langer Rede kurzer Sinn: Ich erarchte es als gefährlich, aufgrund der Aussage wahrscheinlich einer einzigen Person (sei die eine Quelle anscheinend auch noch so gut) einen solchen Bericht zu verfassen, indirekt die Leistung der anderen Teammitglieder zu schmälern und den BYCÜ als Verein “nicht sehr schön” darzustellen. So kommt es nämlich rüber. Ich würde daher sagen: Sorry, schlecht oder einseitig recherchiert. Trotzdem lesen ich eure Beiträge weiterhin sehr gerne.
    Mit Seglergruss vom Schweizer Bodenseeufer
    Roman

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 7

    • avatar Hansi sagt:

      Ich halte die Aussage mit dem “Alleingang” auch für etwas verfroren. Das scheint mir eher die subjektive Meinung von Carsten zu sein. Aber wer hier regelmäßig liest, ist es ja gewohnt von Carsten einen bunt gemischten Mix aus objektiv recherchiert und rein subjektiver Meinung zu bekommen.
      Ob man sowas für gut heißen kann oder inwieweit so etwas besser zu kennzeichnen ist, zB als Blog, damit der Leser nicht in die Irre geführt wird. Diese Diskussion wird auf Bildblog.de schon zu genüge geführt.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 4

    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Lieber Roman, wenn dir das Wort “Alleingang” missfällt, dann kann ich dich beruhigen. Die Aussage interpretierst du offenbar über. Ich segele auch hin und wieder in der Liga und kenne wahrlich die Bedeutung der Crew.
      Aber ganz ohne den Mann am Lenker scheint es auch nicht zu gehen. Mit Andreas Buchert am Steuer hat die BYCÜ Crew als zweiter bei der Relegation gegen 61 Teams den Erstliga-Aufstieg geschafft. Zweimal war er dann am Start und führte sein Team auf Platz eins und fünf. Mit dem Durchschnitt allein aus den übrigen vier Platzierungen wäre der BYCÜ abgestiegen. Ich würde daher sagen: Sorry, da habt ihr seine Bedeutung wohl nicht richtig erfasst.
      Schade auch für die Liga, einen der besten Segler zu verlieren wegen interner Querelen.
      Aber ich verstehe, dass das Bundesliga Thema in Vereinen nicht immer einfach ist. Plötzlich wollen alle mitreden und es müssen neue Strukturen geschaffen werden. Man hört vielerorts von Problemen. Aber auch daran kann ein Verein wachsen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  2. avatar rau@eura-kn.de sagt:

    “Vorfahrt hat, wer lauter schreit” das war beim ersten Battle in Lindau sicher an einigen Tonnenrundungen bei den 13 Wettfahrten der Fall. Beim 2. Battle in Langenargen wurde reagiert. Schiedsrichter in Tonnennähe und eine Ermahnung vor dem ersten Start. Ein paar Proteste, aber auch nicht mehr als auf der anderen Bahn. Das Thema wird sicher weiter genau beobachtet. Die Klasse soll ja auch nicht in Verruf kommen. Karol Jablonski hatte jedenfalls seinen Spaß und beendete als Taktiker bei Pit Finis das Battle auf dem 3.Platz.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *